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Osteoporose

Diabetes geht auch auf die Knochen

13.12.2016
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Von Sven Siebenand / Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und dadurch auch für Knochenbrüche. Auch Diabetes-Medikamente können sich auf das Frakturrisiko auswirken – protektiv oder eher schädlich. Das wurde auf der Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Nürnberg deutlich.

Genau wie Augen und Füße sollte man auch die Knochen hinsichtlich Diabetes-Folgeschäden im Blick haben, so Privatdozent Dr. Stephan Scharla aus Bad Reichenhall. Der Mediziner informierte, dass 27 Prozent der Patienten mit Osteoporose-bedingten Knochenbrüchen auch zuckerkrank sind. Bei Typ-1-Diabetikern sei das Risiko für Hüft- beziehungsweise Wirbelfrakturen um das bis zu 12- beziehungsweise 2,5-Fache erhöht.

 

»Bei Typ-2-Diabetes ist die Daten­lage nicht konsistent«, sagte Scharla. Aller­dings sei das Frakturrisiko insbesondere bei langer Krankheitsdauer, weiblichem Geschlecht und hohem Lebens­alter erhöht. Dem Internisten zufolge ist eine Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes mit einem erhöhten Frakturrisiko assoziiert. Das liege nicht am Insulin selbst, vielmehr sei eine Insulin­therapie bei Typ-2-Diabetes ein Indikator für längere Krankheitsdauer und schwereren Verlauf.

 

Schäden an den Gefäßen

 

Es lohnt auch bezüglich der Knochengesundheit, Diabetiker gut einzustellen. Denn wie der Referent informierte, ist das kumulative Frakturrisiko umso höher, je höher der HbA1c-Wert ist. Zudem trägt eine gute Stoffwechsel­einstellung dazu bei, mikro- und makro­vaskuläre Folgeschäden zu vermeiden. Und das schützt wiederum den Knochen. »Liegen mikro- und makro­vaskuläre Schäden vor, besteht ein erhöhtes Frakturrisiko gegenüber Nicht-Diabetikern.«

 

Die Zusammenhänge zwischen Dia­betes und Osteoporose spiegeln sich auch in Leitlinien wider. So wird bei Frauen mit Typ-2-Diabetes ab einem Alter von 60 Jahren, bei Männern ab 70 Jahren eine Knochendichtemessung empfohlen. Laut Scharla sollte dies bei Typ-1-Diabetes schon früher geschehen.

 

Warum erhöht die Zuckerkrankheit das Frakturrisiko? Laut dem Referenten spielen genetische und hormonelle Einflüsse eine wichtige Rolle, aber auch direkt toxische Effekte von hohen Glucosewerten auf die Knochenzellen. Zu beachten ist auch, dass Antidiabetika einen Einfluss auf das Frakturrisiko haben können – in beide Richtungen.

 

Der Blockbuster Metformin wirkt sich Scharla zufolge neutral, eventuell sogar protektiv aus. Sulfonylharnstoffe seien ebenfalls neutral. Inkretin-Mimetika und DPP-4-Hemmer führen eventuell zu einer Senkung der Frakturrate, so Scharla. Glitazone steigerten das Frakturrisiko. Die SGLT-2-Hemmer erhöhen laut dem Mediziner den Phosphat-Spiegel im Blut, was wiederum die Parathormon-Bildung ankurbelt und so letztlich die Knochenresorption steigert. »In einer Untersuchung bei Patienten mit moderater Nierenfunk­tionseinschränkung traten unter Dapagliflozin vermehrt Frakturen auf«, berichtete Scharla. Große Metaanalysen zeigten jedoch kein erhöhtes Risiko für Brüche; in diese Untersuchungen seien auch Daten von Patienten ohne Nierenfunktionsstörung eingegangen.

 

Vitamin-D-Spiegel checken

 

Was die Therapie der Osteoporose bei Diabetikern betrifft, gibt es laut Scharla keine Unterschiede zur Behandlung von nicht zuckerkranken Patienten. Ursache für Osteoporose kann übrigens auch ein Vitamin-D-Mangel sein. Dieser kommt auch bei Gesunden nicht selten vor, ist aber bei Diabetes besonders häufig.

 

Heute gehört Vitamin D aufgrund der gesicherten Wirkung auf den Knochenstoffwechsel zur Basistherapie der Osteoporose. In einer Pressemeldung der DDG betont Professor Dr. Klaus Badenhoop, Diabetologe aus Frankfurt am Main: »Schon jetzt kann gesagt werden, dass ein Vitamin-D-Mangel bei bestehendem Diabetes mellitus vermieden und behandelt werden muss.« Menschen mit Diabetes, egal ob Typ 1 oder 2, sollten gerade im Alter nicht warten, bis es zu Knochenbrüchen gekommen ist. /

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