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Wir können AMTS!

09.12.2015  09:21 Uhr

Wir Apotheker können viele Probleme in der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) lösen – wenn man uns denn lässt. Ein Hilfsmittel, die AMTS zu verbessern, ist ein vollständiger, unter Einbeziehung des Patienten erstellter Medikationsplan. In vielen Studien und Modellprojekten in verschiedenen Bundesländern haben wir gezeigt, dass Apotheker AMTS-Probleme lösen können. In der Praxis aller dieser Studien und Projekte fußen die ­Medikationspläne auf der Kompetenz und dem Engagement der Apotheker im Krankenhaus und in der Offizin.

 

Aber dürfen wir unsere Kompetenz auch einbringen? In der Diskussion der Entwürfe des E-Health-Gesetzes haben wir auf Ebene des Bundestags und des Bundesrats gefordert, dass Arzt und Apotheker auf Augenhöhe arbeiten und beide für Patienten mit Polymedikation Medikationspläne erstellen können. Denn nur ein Medikationsplan unter Einbindung des Apothekers kann vollständig und aktuell sein. Unsere Argumente haben wir Politikern in zahllosen Gesprächen auf Bundes- und Landesebene vermitteln können. Dennoch sind wir nicht so im E-Health-Gesetz berücksichtigt worden, wie wir uns das gewünscht haben. Wir haben nur das Recht (und die Pflicht!) erhalten, einen ärztlich ausgestellten Medikationsplan auf Patientenwunsch zu aktualisieren. Das ist nicht Nichts, aber ­wenig – zumal unsere Dienstleistung nach bisherigen Plänen nicht einmal honoriert wird. Wie dieses Gesetz zulasten Dritter im Alltag der Apotheken konkret umgesetzt wird, müssen wir noch diskutieren.

 

Bei allen Überlegungen zum nun beschlossenen Gesetz sollten wir aber erstens gelassen abwarten, wie der vom Vertragsarzt erstellte Medikationsplan aussehen wird, und zweitens uns unsere Patienten und Kunden zu Verbündeten machen. Patienten vertrauen uns Apothekern. Wir werden den Patienten als Adressaten unserer heilberuflichen Tätigkeit im Zentrum behalten. Denn eines wissen sowohl Politiker als auch Patienten: ein Medikationsplan, der sich in der reinen Auflistung erschöpft, verbessert die AMTS noch lange nicht. Die Risiken der Polymedikation werden erst durch die intellektuelle Leistung der Medikationsanalyse und das inter­disziplinäre Medikationsmanagement verringert.

 

Wir Apotheker brauchen für unsere vielfältigen Aufgaben ein umfangreiches und aktuelles Fachwissen. Eine gute Gelegenheit, dieses weiter zu erweitern und zu stärken, bietet der Pharmacon, der internationale Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer vom 17. bis 22. Januar 2016 in Schladming. Schwerpunkte der Fortbildungs­woche sind AMTS bei Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts und der Leber. Ich würde mich freuen, Sie in Schladming begrüßen zu dürfen.

Dr. Andreas Kiefer

Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK)

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