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Gesetzliche Krankenversicherung

Mehr Ausgaben für Arzneimittel

10.12.2014
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Von Stephanie Schersch / Die Krankenkassen haben in den ersten neun Monaten des Jahres deutlich mehr Geld für Arzneimittel ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Zahlen hervor, die das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vergangene Woche vorgelegt hat. Demnach konnten die Kassen auf der anderen Seite aber auch von besseren Rabatten der Hersteller profitieren.

Die Ausgaben der Kassen sind zwischen Januar und September insgesamt um 5,1 Prozent gewachsen. Schuld waren dem BMG zufolge vor allem die Arzneimittel. Für Medikamente zahlten die Kassen 9,3 Prozent mehr. Ein Grund für diese Entwicklung ist die Absenkung des erhöhten Herstellerabschlags von ursprünglich 16 Prozent auf zunächst 6 Prozent zu Jahresbeginn. Seit April müssen die Hersteller den Kassen 7 Prozent Rabatt gewähren.

 

Darüber hinaus hat allein das Anfang des Jahres neu zugelassene Hepatitis-C-Präparat Sovaldi laut Ministerium für rund 300 Millionen Euro Mehrausgaben gesorgt. Deutlich sparen konnten die Kassen hingegen erneut durch Rabattvereinbarungen mit den Herstellern. In den ersten drei Quartalen summierten sich die Einsparungen auf etwa 2,2 Milliarden Euro.

 

Insgesamt haben die Krankenkassen in den ersten neun Monaten des Jahres mehr Geld ausgegeben (153,3 Milliarden Euro) als sie eingenommen haben (152,6 Milliarden Euro). In einer Krise steckt die Gesetzliche Krankenversicherung deshalb aber nicht. Grund für diesen Ausgabenüberschuss sind dem Ministerium zufolge vor allem Prämienzahlungen und freiwillige Leistungen, die viele Kassen ihren Mitgliedern angeboten haben. Insgesamt 750 Millionen Euro seien so an die Versicherten zurückgeflossen.

 

Auch der Gesundheitsfonds verzeichnet ein Minus. Zwischen Januar und September musste er insgesamt 4,1 Milliarden Euro mehr an die Kassen überweisen als er über Beitragszahlungen und Steuerzuschuss eingenommen hat. Das BMG spricht von einem saisonüblichen Defizit. So zahlt der Fonds monatlich Beträge in gleicher Höhe an die einzelnen Krankenkassen, obwohl seine Einnahmen in der zweiten Jahreshälfte etwa durch Weihnachtsgeld und Rentenerhöhung höher ausfallen als in den ersten sechs Monaten.

 

Zum Jahresende dürfte der Gesundheitsfonds somit deutlich besser dastehen als bislang. Das Ministerium rechnet allerdings auch dann noch mit einem Minus von rund 1 Milliarde Euro. Hintergrund sind unter anderem die Abschaffung der Praxisgebühr (1,8 Milliarden Euro) und Mehrausgaben für Krankenhäuser (500 Millionen Euro), die der Fonds zum Teil durch einen Griff in die Rücklagen decken muss.

 

Ersatzkassen im Minus

 

Wie immer zeigt sich beim Blick auf die einzelnen Kassenarten ein recht uneinheitliches Bild. Am besten stehen die Allgemeinen Ortskrankenkassen mit einem Überschuss von rund 349 Millionen Euro da. Auch die Knappschaft Bahn-See verzeichnete ein Plus von 118 Millionen Euro. Die Ersatzkassen blicken hingegen auf ein Minus in Höhe von 833 Millionen Euro. Ein Defizit erzielten auch die Betriebs- (minus 257 Millionen Euro) und die Innungskrankenkassen (minus 147 Millionen Euro).

 

Insgesamt verfügten die Krankenkassen Ende September aber immer noch über ein stolzes Finanzpolster von 16 Milliarden Euro. Der Gesundheitsfonds wird laut BMG zum Jahresende voraussichtlich 12,6 Milliarden Euro auf der hohen Kante haben. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sprach von einem unverändert stabilen Ergebnis. »Die Krankenkassen tun gut daran, ihre hohen Finanzreserven weiterhin im Sinne der Versicherten zu nutzen«, mahnte er. /

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