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Blutzellen

Männer rauchen ihr Y-Chromosom weg

09.12.2014
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Von Annette Mende / Männer, die rauchen, verlieren dadurch ihr Y-Chromosom in bestimmten Blutzellen. Da ein Verlust des männlichen Geschlechts-Chromosoms in diesen Zellen mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht wird, könnte dies erklären, warum Raucher häufiger als Nichtraucher an Tumoren auch außerhalb der Lunge erkranken.

Es ist eine normale Alterserscheinung, dass Männern im Laufe des Lebens das Y-Chromosom in Zellen des peripheren Bluts abhandenkommt. Dass dies mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert ist, hatte die Forschergruppe um Dr. Lars Forsberg von der Universität Uppsala in Schweden erst im April dieses Jahres in »Nature Genetics« beschrieben (DOI: 10.1038/ng.2966).

 

Sie stützte ihre Aussage auf Untersu­chun­gen von 1153 älteren Männern. Die Forscher vermuteten damals, dass dieser Befund auch die statistisch kürzere Lebenser­wartung von Männern im Vergleich zu Frauen erklären könnte.

 

Für die jetzt in »Science« publizierte Studie hatten die Wissenschaftler nach Lebensstil-Faktoren gesucht, die das Risiko eines Y-Chromosom-Verlusts erhöhen könnten. Fündig wurden sie beim Rauchen. Anhand der Daten von 6014 Probanden stellten sie fest, dass Raucher häufiger als Nichtraucher das Y-Chromosom in blutbildenden Zellen des peripheren Bluts, die sich also außerhalb der blutbildenden Organe befinden, verlieren. Diese Assoziation war dosisabhängig, das heißt das Risiko stieg mit der Anzahl gerauchter Zigaretten pro Tag, und sie zeigte sich nur bei aktiven Rauchern. Bei Ex-Rauchern war der Anteil derer mit noch vorhandenen Y-Chromosomen in den entsprechenden Zellen gleich hoch wie bei Nichtrauchern, schreiben die Forscher (DOI: 10.1126/science.1262092).

 

»Rauchen kann zu einem Verlust des Y-Chromosoms führen, aber dieser Prozess ist reversibel«, sagt Forsberg in einer begleitenden Pressemitteilung. »Dieses Ergebnis sollte eine starke Motivation für alle Raucher sein, ihr Laster aufzugeben.« /

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