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Ebola gefährdet Gorillas

11.12.2006
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Ebola gefährdet Gorillas

Von Christina Hohmann

 

Das Ebola-Virus hat in den verbliebenen Gorilla-Populationen Zentralafrikas verheerend gewütet: In einigen Regionen hat es bis zu 95 Prozent der Bestände ausgelöscht. Gefährdet sind auch Menschen, da Affen dort als Delikatesse gelten.

 

Seit den ersten Funden toter Affen in Afrika im Jahr 2003 war die Frage heftig umstritten, ob es sich um ein Massensterben der Tiere handelt und ob das Ebola-Virus die Ursache ist. Diese Zweifel hat nun eine aktuelle Studie eines internationalen Forscherteams ausgeräumt. Die Wissenschaftler unter Leitung von Magdalena Bermejo von der Universität Barcelona konzentrierten ihre Untersuchungen auf das Lossi-Primatenschutzgebiet im Nordwesten der Republik Kongo (Brazzaville). Anhand genetischer Tests konnten sie das Ebola-Virus eindeutig als Todesursache nachweisen. Ihren Untersuchungen zufolge starben etwa 5000 Gorillas in dem knapp 2700 Quadratkilometer großen Gebiet. Das Virus hat dort 95 Prozent der gesamten Population ausgelöscht, berichten die Forscher im Fachjournal »Science« (Band 314, Seite 1522). Der weltweite Bestand ist vermutlich um etwa ein Viertel zurückgegangen. Auch Schimpansen starben an Ebola, wenn auch in etwas geringerem Ausmaß. Der Studie zufolge lag die Sterberate bei etwa 77 Prozent.

 

Die Forscher befürchten, dass die durch Ebola stark dezimierten Primaten-Populationen anderen Gefahren wie Wilderei nun noch stärker ausgesetzt sind. Beunruhigend sei auch, dass sich der Erreger rasch in Richtung der letzten verbliebenen Schutzgebiete der Region ausbreitet.

 

Aber nicht nur die Affen sind in Gefahr, sondern auch die Menschen. Denn in Zentralafrika stehen die Tiere auf dem Speiseplan der Bevölkerung. Außerdem ist den mit der Rodung der Urwälder beauftragten Holzfällern erlaubt, Affen zu erlegen. Durch den Verzehr infizierter Tiere könnte das Virus auf den Menschen überspringen, wie zuletzt im Mai 2005 im Kongo.

 

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Pathogenen. Es löst bei Menschen und Affen grippeähnliche Symptome und schwere innere Blutungen aus, das sogenannte hämorrhagische Fieber, das innerhalb weniger Tage zum Tod führen kann. Die Mortalitätsrate liegt je nach Virusstamm bei 50 bis 90 Prozent. Dies zeigt, dass der Erreger noch nicht an Primaten angepasst ist, da ein Virus kein Interesse daran hat, seinen Wirt zu zerstören. Das natürliche Reservoir der Erreger sind dem aktuellen Erkenntnisstand zufolge verschiedene Flughundearten, die selbst nicht erkranken, das Virus aber an Primaten weitergeben können.

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