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Elektronisches Rezept

Patienten setzen auf die Apotheke vor Ort

02.12.2015  09:30 Uhr

Von Stephanie Schersch, Berlin / Ein Großteil der Deutschen steht dem elektronischen Rezept eher skeptisch gegenüber. Das geht aus einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Emnid mit rund 1000 Befragten hervor, die im Auftrag der Versand­apotheke Aponeo und des Medizintechnik-Herstellers Emperra entstanden ist.

Derzeit verschreiben Ärzte ihren Pa­tienten in Deutschland Arzneimittel ausschließlich auf Papier. Langfristig soll die Verordnung aber auch auf der elektronischen Gesundheitskarte hinterlegt werden können. Der Patient könnte das Rezept dann theoretisch auch digital über das Internet an eine Apotheke versenden.

Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) würden von dieser Möglichkeit jedoch keinen Gebrauch machen und das Rezept auf der Versichertenkarte stattdessen lieber in einer Apotheke vor Ort auslesen lassen. Immerhin 19 Prozent können sich vorstellen, die Verschreibung über das Internet an eine stationäre Apotheke zu schicken und das Präparat später dort abzuholen. An eine Versandapotheke würde nur jeder Zehnte (11 Prozent) sein Rezept versenden.

 

Der Versandhandel setzt eigentlich große Hoffnung in das elektronische Rezept, weil es für neuen Schwung im Rx-Geschäft sorgen soll. Derzeit erwirtschaften die Versender ihren Umsatz hauptsächlich mit OTC-Präparaten. Das Umfrageergebnis sei »zwar nicht verheerend, aber auch nicht gerade das, was wir sehen wollten«, räumte Hartmut Deiwick, kaufmännischer Leiter von Aponeo, bei der Präsentation der Studie vergangene Woche in Berlin ein. Er bleibt dennoch optimistisch. Schließlich sei die Frage nach der Akzeptanz des digitalen Rezepts zurzeit eher eine theoretische. »Wenn die technische Lösung erst einmal da ist, wird auch der Umgang damit ein anderer sein«, so Deiwick.

 

»Königsanwendung«

 

Ähnlich äußerte sich Udo Sonnenberg, Geschäftsführer beim Bundesverband deutscher Versandapotheken. Er bezeichnete das elektronische Rezept als »Königsanwendung im digitalisierten Gesundheitswesen«. Deutschland hinke in diesem Zusammenhang anderen Staaten hinterher. So sei die digitale Verordnung etwa in Dänemark und Belgien bereits heute etabliert. In Deutschland werde sie hingegen noch nicht einmal im E-Health-Gesetz erwähnt. Die Novelle greift aus Sicht der Versender in vielen Punkten zu kurz. »Wenn das Gesetz kommt, brauchen wir eigentlich sofort einen Nachschlag«, sagte Sonnenberg. /

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