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Estriol senkt Schubrate bei MS

02.12.2015  09:29 Uhr

Von Annette Mende / Die Gabe des Hormons Estriol kann bei Frauen mit schubförmig remittierend verlaufender Multipler Sklerose (RRMS) die Schubrate senken. Estriol, ein Abbauprodukt von Estradiol und Estron mit schwacher Estrogenwirkung, wird einerseits im Fettgewebe gebildet, andererseits in großen Mengen von der Plazenta während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft.

 

In dieser Zeit leiden Frauen mit RRMS nur selten unter Schüben. Diese Beobachtung veranlasste ein Team um Professor Dr. Rhonda Voskuhl von der University of California in Los Angeles, den Einsatz von Estriol bei nicht schwangeren RRMS-Patientinnen zu testen. Das Ergebnis der Phase-II-Studie erschien nun im Fachjournal »The Lancet Neurology« (DOI: 10.1016/S1474-4422(15)00322-1).

 

164 Probandinnen im gebärfähigen Alter, die zur Behandlung ihrer RRMS auf Glatirameracetat eingestellt waren, erhielten zusätzlich zu dieser Basistherapie randomisiert und doppelblind über 24 Monate peroral täglich entweder 8 mg Estriol oder Placebo. In der Estriol-Gruppe betrug die jährliche Schubrate 0,25, in der Placebo-Gruppe 0,37. Schwere Nebenwirkungen traten in beiden Behandlungsarmen ungefähr gleich häufig auf. In der Estriol-Gruppe kam es häufiger zu Menstruations-Unregelmäßigkeiten (19 versus 4 Prozent), dagegen waren vaginale Infektionen seltener (1 versus 11 Prozent).

 

Estriol scheint bei der Immunsuppression eine Rolle zu spielen, die den körperfremden Fetus während der Schwangerschaft vor einer Attacke des mütterlichen Immunsystems schützt. Gleichzeitig stärkt es offenbar Hirnzellen gegen Angriffe von Immunzellen – auch das ein Effekt, der für die normale Entwicklung des kindlichen Gehirns wichtig ist. Das Team um Voskuhl plant nun eine Phase-III-Studie mit Estriol bei RRMS-Patientinnen mit dem Ziel einer Zulassungserweiterung entsprechender Präparate für diese Indikation. Momentan kommt Estriol hauptsächlich zur Behandlung von Frauen mit Wechseljahresbeschwerden zum Einsatz. /

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