Pharmazeutische Zeitung online
Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung

Über Grenzen von Sektoren hinweg

03.12.2014  10:22 Uhr

Von Yuki Schubert, Berlin / Auf der diesjährigen Mitglieder- versammlung der Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung (FI) wurden sechs aktuell laufende Projekte vorgestellt. Sie erstreckten sich vom Medikationsmanagement in der Psychiatrie über Arzneimitteltherapiesicherheit bei älteren Patienten bis hin zur besseren Arzneimittelversorgung von Kindern durch Eltern.

Wie können Psychiatrie-Patienten dazu gebracht werden, regelmäßig ihre Medikamente zu einzunehmen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Anne Pauly, Carolin Wolf und ihre Betreuerin Professor Dr. Kristina Friedland vom Lehrstuhl molekulare und klinische Pharmazie an der Universität Erlangen-Nürnberg seit 2012 im Rahmen einer Interventionsstudie. Ziel war laut Friedland, zu testen, wie sich die Adhärenz bei stationär behandelten Patienten der psychiatrischen und psychotherapeutischen Universitätsklinik Erlangen durch Medikationsmanagement verbessert.

Dafür nahmen die Apothekerinnen an Visiten teil, führten mehrmals Medikationsanalysen mit Interaktionschecks durch und klärten die Patienten über die verwendeten Medikamente mittels Informationsblättern auf. Danach erstellten sie einen individuellen Medikamentenplan. 131 Patienten erhielten diese intensive Betreuung, 133 eine Standardbehandlung.

 

Die Bereitschaft zur Teilnahme sei unter den Patienten in der psychiatrischen Einrichtung sehr hoch gewesen, so Friedland. Ihr zufolge zeigen die Studienergebnisse eine signifikante Steigerung der Anzahl der Patienten mit optimaler Adhärenz, auch noch nach Entlassung. Ebenso sei die persönliche Einstellung zu den Psychopharmaka verbessert worden, und es gebe eine deutliche Reduktion arzneimittelbezogener Probleme, so die Professorin. »Insgesamt wurde die gemeinsame Betreuung sowohl von Ärzten als auch von Patienten und Apothekern sehr positiv beurteilt.«

 

Ein anderes Projekt beschäftigt sich mit der Optimierung der Patienten­sicherheit in der Arzneimittelanwendung bei Kindern und Jugendlichen. Für ihre Studie beobachten die Apothekerinnen Almuth Kaune und Pia Schu-macher Eltern bei der Verabreichung von Medikamenten, um mögliche Probleme zu erfassen. Die Arbeit wird geleitet von Professor Dr. Thilo Bertsche vom Institut für klinische Pharmazie in Leipzig. Anschließend soll eine standardisierte pharmazeutische Intervention unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse erfolgen. Bis 2016 wollen sie die nötigen Daten für ihre Studie sammeln.

 

Ebenfalls vorgestellt wurden Projekte zur Optimierung der Schmerztherapie, zur pharmazeutischen Betreuung von Patienten mit chronischer Herz­insuffizienz, zur Arzneimitteltherapiesicherheit älterer Patienten in der stationären Versorgung sowie zur Umsetzung und Evaluation des Pharmaceutical Care Konzepts für Patienten nach akutem Koronarsyndrom.

 

Der seit 2007 verliehene Förderpreis für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der pharmazeutischen Betreuung wurde in diesem Jahr aufgrund unpassender Bewerber nicht vergeben. Im Verein selbst bleibt alles beim Bewährten. Einstimmig wurde der Präsident der Apothekerkammer Thüringen, Ronald Schreiber, in seinem Amt als Vorsitzender der FI bestätigt. Dies gilt auch für die stellvertretende Vorsitzende der FI, Karin Graf, die Schatzmeisterin Dr. Christiane Eckert-Lill sowie die Beisitzerinnen Sabine Gnekow und Sabine Skwara aus Hamburg. /

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