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Generationswechsel

Apothekenübergabe in der Familie

03.12.2014  10:19 Uhr

Von Peggy Eichhorn / Viele Apothekeninhaber übergeben ihr berufliches Lebenswerk an die eigenen Kinder. Von Zeitpunkt und Art der Übergabe hängen eine Reihe steuerlicher und finanzieller Aspekte ab – und nicht selten auch der Familienfrieden.

Für die Übergabe einer Apotheke innerhalb der Familie gibt es eine Reihe von Möglichkeiten: die vorweggenommene Erbfolge, der Verkauf oder die Pacht. Jedes Modell birgt in steuerlicher Hinsicht Vor- und Nachteile, deren Details im Vorfeld genau geprüft werden sollten.

Legitim und nachvollziehbar ist der Wunsch, bei einer Übergabe die steuerliche Belastung so gering wie möglich zu halten. Einen Königsweg gibt es dafür jedoch nicht. Zu unterschiedlich und individuell ist die Situation in jeder einzelnen Apothekerfamilie.

 

Vorweggenommenes Erbe

 

Häufig ist das Modell der vorweggenommenen Erbfolge eine gute Lösung. Dabei übernimmt das Kind die Apotheke im Vorgriff auf ein zukünftiges Erbe inklusive der aktuellen Buchwerte. Damit entfällt eine Offenlegung der stillen Reserven und auch eine Belastung der bisherigen Inhaber durch Einkommen- und Kirchensteuer sowie Solidaritätszuschlag. Ob in diesem Fall allerdings Erbschaftsteuer anfällt, hängt vom Verkehrswert der Apotheke zum Zeitpunkt des Erbfalls sowie von der betrieblichen Zukunft ab.

 

Wenn die Apotheke fünf Jahre fortgeführt wird, sind 85 Prozent des Wertes steuerfrei, hinzu könnte zudem ein Abzugsbetrag von 150 000 Euro kommen. Als Faustformel gilt, dass Apothekenbetriebe mit einem Wert bis zu 1 Million Euro derzeit nicht von der Schenkung- und Erbschaftsteuer erfasst werden. Bei Werten darüber hi­naus ist eine hundertprozentige Verschonung möglich, wenn die Apotheke unter anderem sieben Jahre behalten wird. Bei einem Verkauf oder einer Schließung der Apotheke innerhalb dieser Fristen drohen allerdings empfind­liche Steuernachforderungen.

 

Diese großzügige Verschonungsregelung für Betriebsvermögen ist momentan verfassungsrechtlich umstritten und es wird in naher Zukunft mit einer Änderung gerechnet, die Betriebsvermögen nicht mehr so stark begünstigt. Was auf jeden Fall bleibt, ist der persönliche Freibetrag bei Schenkungen von Eltern an Kinder von derzeit 400 000 Euro. Erst ein Wert darüber muss versteuert werden.

 

Allerdings kann eine Vererbung – oder die ihr gleichgestellte Schenkung – leicht zu innerfamiliären Belastungen führen. Immer dann, wenn es mehrere Kinder gibt, aber nur eines davon die Apotheke erbt, stellt sich die Frage nach einem gerechten Ausgleich für die Geschwister. Da die Eltern meist nicht in der Lage sein werden, ihren weiteren Kindern zum Zeitpunkt der Apothekenübergabe ein Vermögen in vergleichbarer Dimension zu vermachen, können dem übernehmenden Kind Ausgleichszahlungen an seine Geschwister auferlegt werden. Nicht ausgeschlossen ist in diesem Fall, dass dann sogar Steuerforderungen auf die Eltern zukommen.

 

Auch die Situation nach einem späteren Verkauf der Apotheke sollte in die Überlegungen einbezogen werden. Dann fallen nämlich definitiv Steuern auf den Veräußerungsgewinn an. Die Auflösung stiller Reserven, die insbesondere beim Betrieb der Apotheke in eigenen Räumlichkeiten beträchtlich sein können, führt dann schnell zu einer hohen Steuerlast. Diese potenziell anfallenden Steuerzahlungen sollten unter Umständen schon bei der Vererbung der Apotheke und bei der Ermittlung eines gerechten Ausgleichs für Geschwister Berücksichtigung finden – ein Aspekt, der die Aufteilung nicht leichter macht.

 

Selbstverständlich ist auch die Altersversorgung der abgebenden Generation ein wichtiges Thema. Häufig sind die Eltern noch auf monatliche Versorgungsbezüge aus der Apotheke angewiesen. Solche Leistungen kann das Kind als neuer Inhaber der Apotheke steuerlich als Sonderausgaben geltend machen, die Eltern wiederum versteuern solche Zahlungen als sonstige Einkünfte. Aufgrund der steuerlichen Progression ergibt sich bei diesem Modell unter Umständen sogar eine steuerliche Entlastung für die Familie.

 

Als Alternative zur vorweggenommenen Erbfolge steht natürlich immer der Verkauf der Apotheke an eines der Kinder im Raum. Diese Option befreit die Generationen von der schwierigen Gestaltung der Ausgleichszahlungen an die Geschwister des möglichen Erben. Der Verkauf wird dann wie zwischen zwei fremden Parteien abgewickelt. Das gilt auch für die Prüfung der Frage, ob die Voraussetzungen zur Anwendung des ermäßigten Steuersatzes auf den Veräußerungsgewinn erfüllt sind.

 

Neben dem Vorteil einer klaren Regelung innerhalb der Familie verfügen die Eltern in diesem Fall sofort über den Verkaufserlös, den sie zur Sicherung ihres Lebensunterhalts sowie zur Altersversorgung einsetzen können. Im späteren Erbfall kann das verbleibende Vermögen zu gleichen Teilen auf die Kinder verteilt werden. So hätte zu keinem Zeitpunkt ein Kind besonders profitiert und sich um einen Ausgleich bemühen müssen. Die Voraussetzung für diese Lösung ist allerdings, dass das Kind den Kauf der Apotheke finanziell bewältigen kann beziehungsweise die Finanzierung über Kredite möglich ist.

 

Apotheke pachten

 

Falls die Finanzierung aufgrund zu geringer Eigenmittel problematisch ist, können die beteiligten Generationen über ein Pachtmodell nachdenken. Diese Option kann von vornherein vertraglich auf einige Jahre begrenzt werden, um in dieser Zeit ausreichend Kapital für den folgenden Kauf der Apotheke zu bilden. Eigentümer der Offizin bliebe in diesem Fall die Elterngeneration, das Kind als Pächter verfügt aber über den erzielten Gewinn aus der Apotheke. Aus den Wirtschaftsdaten der vergangenen Jahre lässt sich dieser meist gut vorhersagen und damit auch die voraussichtliche Dauer der Pacht, bis ein Kauf möglich ist.

 

Diese Lösung birgt ihre Schwierigkeit allerdings in der Tatsache, dass den Eltern als Eigentümer eventuelle Wertsteigerungen der Apotheke zustehen, auch wenn diese dem Engagement des Pächters geschuldet sind. Deren Auswirkungen auf den späteren Kaufpreis sowie die genaue Ausgestaltung des Pachtvertrags sollten beide Parteien im Vorfeld genau erörtern. /

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