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Noweda

In wilden Zeiten gut aufgestellt

03.12.2007
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Noweda

In wilden Zeiten gut aufgestellt

Von Daniela Biermann, Essen

 

Steigender Umsatz und Gewinn, konstante Dividenden: In der Generalversammlung der Noweda zeigten sich Vorstand, Aufsichtsrat und Mitglieder mit dem Geschäftsjahr zufrieden. Die Genossenschaft blickt kritisch, aber optimistisch in die Zukunft.

 

Von wilden Zeiten sprach Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Klaus G. Brauer zu Beginn der Generalversammlung des apothekereigenen Pharmagroßhändlers Noweda vergangene Woche in Essen. Versandhandel, Arzneimittelfälschungen aus dem Internet, Pick-up-Stellen für Medikamente: Das derzeitige System werde ausgefranst. »Doch Noweda geht es gut, nicht nur im Vergleich zum gebeutelten Pharmagroßhandel. Wir sind gut aufgestellt«.

 

Dieser Auffassung schloss sich Vorstandsvorsitzender Wilfried Hollmann an. Er stellte den Geschäftsbericht vor: Um 6,3 Prozent auf 2,28 Milliarden Euro stieg der Umsatz von Noweda im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2006/2007. Das allgemeine Marktwachstum betrug dagegen nur 0,07 Prozent. Der Jahresüberschuss stieg um 6,6 Prozent auf 12,1 Millionen Euro, sodass das Unternehmen die Höhe der Dividenden beibehalten kann. Für die Grundanteile bleibt die Bardividende bei 8,25 Prozent, für die freiwilligen Anteile liegt sie weiterhin bei 9,9 Prozent.

 

Auch einen Mitgliederzuwachs verzeichnete Noweda, was Hollmann als Zeichen für den Willen zur Eigenverantwortung und Selbstständigkeit der Apotheker wertete. Die Apotheker sollten nichts von ihrer unternehmerischen Freiheit abgeben und sich damit abhängig von Dritten machen. »Wir setzen auf das rote Apotheken-A«, so Hollmann. Er warnte, dass durch Dachmarken- und Franchisekonzepte kettenähnliche Strukturen gewissermaßen »im vorauseilenden Gehorsam« entstünden. »Das ist das Gegenteil von dem, was die Bundesregierung in ihrer EuGH-Stellungnahme gerade verteidigt. Es wird klar gestellt, dass die ordnungsgemäße Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln am besten gewährleistet ist, wenn Apotheken nur von Apothekern frei von Abhängigkeiten betrieben werden«, sagte Hollmann. Auch sei das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Aufhebung des Fremdbesitzverbots noch offen, entgegen der Meinung »interessierter Kreise«. Eine Überlegenheit von Apothekenketten gegenüber der inhabergeführten Apotheke sei weder betriebswirtschaftlich noch volkswirtschaftlich bewiesen.

 

Warnung vor Discountpreisen

 

Ebenso warnte Hollmann vor einer leichtfertigen Preispolitik. Dadurch verkomme das Arzneimittel zur Bagatelle. »Discountpreise sind für Apotheken untauglich und kein tragfähiges Konzept. Apotheken sind gut beraten, sich über andere Leistungsmerkmale als den Preis zu profilieren.«

 

Im Mittelpunkt steht die kompetente Beratung. Die Bevölkerung sei mit dem bestehenden System der inhabergeführten Apotheke zufrieden: »Für sie hat die Apotheke einen hohen Stellenwert. Die Bevölkerung fühlt sich gut versorgt und ist mit den Leistungen zufrieden.« Er forderte die Apotheker auf, ihre Gemeinwohlpflichten wie den Notdienst ernst zu nehmen. »Gerade die Apothekenbetriebsordnung ist verordneter Verbraucherschutz. Die uneingeschränkte Anwendung dieser Vorschriften ist der beste Schutz gegen Fremdbesitz.«

 

Ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln versteht Hollmann als Beitrag zum Verbraucherschutz. »Die Zulassung des Versandhandels hat Probleme gelöst, die wir vorher überhaupt nicht hatten.«  Es gebe nur wenige Vorteile, denen viele Nachteile und Gefahren gegenüberstünden. So steigt beispielsweise die Zahl der gefälschten Arzneimittel aus dem Internet, wie auch das Bundeskriminalamt berichtet. Hollmann begrüßte daher die Bundesratsinitiative des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann (CDU) zum Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Wegen ihrer ablehnenden Haltung kritisierte er die FDP scharf: »Wir fordern die FDP in Nordrhein-Westfalen mit allem Nachdruck auf, die Initiative zu unterstützen, denn Arzneimittelsicherheit ist wichtiger als jede Form vermeintlicher Liberalisierung.« Bereits jetzt sei das deutsche Apothekensystem eines der liberalsten Systeme in Europa, denn in Deutschland gibt es keine Niederlassungsbeschränkung.

 

»Bewährte Regelungen und Bedingungen werden abgeschafft, über Bord geworfen und durch neue, in ihren Auswirkungen oft nicht ausreichend bedachte ersetzt«, kritisierte Hollmann. Als unbedachte Folge des Versandhandels benannte er Pick-up-Stellen, durch die die Arzneimittelübergabe beliebig und die Apothekenpflicht ausgehöhlt werde.

 

Am Schluss entlastete die Generalversammlung Aufsichtsrat und Vorstand. Sie genehmigte den Jahresabschluss und bestätigte den Aufsichtsrat. Auch eine neue Satzung verabschiedeten die Mitglieder. Sie wurde an die Novellierungen im Genossenschaftsgesetz angepasst. Der Handlungsspielraum soll flexibler, die Rechte der Mitglieder sollen gestärkt und geschützt werden, beispielsweise durch die Möglichkeit der Stimmrechtsausübung durch Bevollmächtigte.

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