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Diabetesstrategie

Unionspolitiker beraten Entwurf

26.11.2014
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Von Stephanie Schersch / Führende Gesundheitspolitiker der Union drängen auf eine nationale Strategie im Kampf gegen Diabetes. Sie soll Prävention und Versorgung besser koordinieren. Der Vorstoß könnte in das Präventionsgesetz einfließen.

Auf einer Klausurtagung hat die fraktionsinterne Arbeitsgemeinschaft Gesundheit in der vergangenen Woche über einen Entwurf für eine nationale Diabetesstrategie beraten. Deutschland stehe im Kampf gegen die Krankheit »vor wachsenden Herausforder­ungen«, heißt es darin. Rund sieben Millionen Menschen leben hierzulande mit Diabetes. Ihre Zahl dürfte vor allem mit Blick auf den demografischen Wandel in den kommenden Jahren deutlich steigen. »Daher müssen wir unsere Anstrengungen in der Prävention und Versorgung des Diabetes intensivieren.«

 

Experten drängen

 

In vielen EU-Ländern gibt es bereits nationa­le Strategien gegen Diabetes. Auch hierzulande drängen Experten und Verbände auf ein solches Vorgehen. Doch die Politik tut sich seit Jahren schwer mit diesem Thema. Im Sommer hatte sich schließlich der Bundesrat für einen Diabetesplan ausgesprochen und die Große Koalition zur Vorlage einer entsprechenden Strategie auf­gefordert.

 

Hinter dem nun diskutierten Entwurf aus der Union stehen unter anderem die CDU-Politiker Jens Spahn und Dietrich Monstadt. Dieser sieht in einer nationalen Strategie einen Meilenstein, »um dem Diabetes-Tsunami, der auf uns zurollen wird, effektiv entgegenwirken zu können«. Auch Spahn sagte: »Mehr Bewegung und bessere Ernährung sind die beste Medizin.« Mit der Aufklärung könne man daher gar nicht früh genug anfangen.

 

Die Unionspolitiker setzen dabei auch auf groß angelegte Informationskampagnen. Erfolgreiche Aktionen etwa gegen das Rauchen zeigten, »dass hierdurch gesundheitsschädliches Verhalten wirksam vermieden und gesundheitsförderliches Verhalten gestärkt werden kann«, heißt es. Ähnliche Aktionen soll es daher auch zur Prävention von Diabetes geben.

 

Darüber hinaus soll die Vorsorge künftig deutlich früher ansetzen. Bislang seien Vorsorgeuntersuchungen zu sehr darauf ausgerichtet, eine bereits bestehende Diabeteserkrankung zu erkennen. In Zukunft sollte es daher stärker darum gehen, Risikofaktoren aufzudecken, um möglichst vor dem Auftreten der Krankheit gegensteuern zu können.

 

Auch die Versorgung der betroffenen Patienten soll besser werden. Zunächst müssten dafür jedoch zuverlässige Daten über die Versorgungslage zusammengeführt werden, heißt es in dem Entwurf. Demnach könnte am Robe­rt-Koch-Institut ein nationales Diabe­tes-Überwachungssystem entstehen, das diese Aufgabe übernimmt.

 

Regionale Lösungen

 

Aus Sicht der Unionspolitiker soll die Diabetesstrategie auf Bundesebene lediglich die Rahmenbedingungen für Prävention und Behandlung vorgeben. Die einzelnen Bundesländer sollen dann für die konkrete Ausgestaltung der Handlungsschritte vor Ort eigene Diabetespläne ausarbeiten. Die Häufigkeit der Erkrankung sei regional sehr unterschiedlich verteilt, heißt es. So gebe es ein Nordost-Südwest-Gefälle und mehr Patienten in wirtschaftlich schwachen Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit. Auf diese lokalen Besonderheiten sollen die Diabetespläne der Länder passende Antworten finden.

 

Über den Vorstoß aus den eigenen Reihen wollen CDU und CSU nun zunächst weiter beraten. Eine Diabetesstrategie könnte unter Umständen an das geplante Präventionsgesetz angehängt werden. Mit dem Koalitionspartner ist das bislang allerdings nicht abgestimmt. Die Gesundheitspolitiker der Union wollen den Vorschlag über einen sogenannten Entschließungsantrag möglichst gemeinsam mit der SPD zum Thema im Bundestag machen. /

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