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Therapiesicherheit

Ärzte und Apotheker müssen kooperieren

30.11.2010
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Die Apotheker leisten viel, um eine sichere und erfolgreiche Arzneimitteltherapie zu garantieren, sagte Professor Dr. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel der ABDA und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). Dafür sei auch die verstärkte Zusammenarbeit mit den Ärzten notwendig.

Vier Millionen Patientenkontakte zählen die deutschen Apotheken pro Tag. »Damit haben wir ein sehr großes Netz von Kontakten, das wir zur Verbesserung der Therapiesicherheit nutzen können«, sagte Schulz im Rahmen des 4. Nationalen Qualitätskongresses Gesundheit, der in Berlin stattfand. Arzneimittelbezogene Probleme (ABP) würden oftmals auch in der Selbstmedikation auftreten. Laut einer Studie der ABDA führt fast jeder fünfte Selbstmedikationswunsch zu Problemen in der Therapie.

Als kritisch bezeichnete Schulz vor diesem Hintergrund die wachsende Bedeutung des Versandhandels mit Arzneimitteln. Inzwischen erwirtschaften die Versender rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes mit OTC-Präparaten. Dabei würden häufig Großpackungen abgegeben, die Anreiz zu einer falschen Anwendung liefern könnten, sagte Schulz. Er warnte vor den Folgen. »Wir können uns auf diesem Gebiet keine Risikotoleranz leisten.«

 

Offizin-Apotheken seien verpflichtet, pro Tag mindestens ein Arzneimittel auf Qualitätsmängel zu überprüfen. »Das bedeutet 21 500 Prüfungen täglich«, so Schulz. Werden Mängel festgestellt erfolgt eine Meldung an die AMK. Die Kommission kann bei schwerwiegenden Fällen in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) einen Chargenrückruf veranlassen. »Wir sind in der Lage, ein Arzneimittel innerhalb weniger Stunden in Deutschland zurückzurufen.« Die AMK bearbeitet zudem die Meldungen über unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW). In den ersten drei Quartalen seien 52 Prozent mehr Meldungen eingegangen als im Vorjahreszeitraum, sagte Schulz. Damit sei man dem Ziel, die Meldungen von Arzneimittelrisiken zu steigern, ein Stück näher gekommen.

 

Dennoch gebe es im Bereich der Therapiesicherheit noch viel zu tun. So müsse vor allem die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern gestärkt werden, sagte Schulz. »Die Aufgabe der Arzneimitteltherapiesicherheit ist viel zu groß, wir können es uns gar nicht leisten, nicht miteinander zu kooperieren.«

 

Dieser Ansicht war auch Dr. Farid Aly, Verantwortlicher Referent für Arzneimitteltherapiesicherheit bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Er sprach über den Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit, den das Bundesministerium für Gesundheit herausgibt. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt in Zusammenarbeit mit Ärzten, Apothekern und Patientenvertretern. Im Aktionsplan 2010–2012 ist der Ausbau der Arzt-Apotheker-Kooperation als ein Schwerpunkt vorgesehen.

 

Patienten beteiligen

 

Im Rahmen des ersten Aktionsplans 2008/2009 wurde bereits ein Patientenflyer entwickelt. Darin werden Tipps zusammengestellt, wir die Patienten selbst zu einer sicheren und erfolgreichen Arzneimitteltherapie beitragen können. »Die Beteiligung des Patienten ist für die Arzneimitteltherapiesicherheit von großer Bedeutung«, sagte Aly.

 

Die Pharmazeutische Zeitung wird das Merkblatt in der kommenden Ausgabe (PZ 49/2010) veröffentlichen. Aly zog insgesamt eine positive Bilanz aus dem Aktionsplan 2008/2009. »Wir haben eine erste Etappe auf dem Weg zu mehr Arzneimitteltherapiesicherheit genommen«, sagte er. »Vor uns liegt aber noch ein langwieriger Prozess.«

 

Professor Dr. Wolfgang Kämmerer, Direktor der Apotheke der Dr. Horst Schmidt-Kliniken in Wiesbaden, hob abschließend die Bedeutung intersektoraler Absprachen in der Arzneimitteltherapie hervor. Häufig erhalten Patienten nach Entlassung aus dem Krankenhaus durch ihren Hausarzt eine andere Medikation. Damit sind nicht selten Risiken der Therapiesicherheit verbunden. »Unser Ziel muss eine sektorenübergreifende, friktionsfreie Arzneitherapie sein«, sagte Kämmerer. Dafür sei die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten von großer Bedeutung. Die Medikation im Krankenhaus müsse bereits die Weiterverordnung berücksichtigen. / 

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