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Pharmakologie

Original oder Generikum

25.11.2008
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Pharmakologie

Original oder Generikum

Von Claudia Borchard-Tuch

 

Der Austausch eines Originals gegen ein Generikum kann problematisch sein. Der Apotheker sollte daher Grundsätzliches beachten. So kann er den Patienten vor schädlichen Folgen bewahren und gleichzeitig die erhoffte Kosteneinsparung erwirken.

 

In der Regel verläuft der Austausch eines Originals gegen ein Generikum ohne weitere Vorkommnisse. So betrachtet die Leitlinie »Gute Substitutionspraxis« der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft den Ersteinsatz von Generika auch als wenig problematisch. Als kritisch hingegen wird der Austausch bei bereits laufender Dauermedikation betrachtet, die eigentliche generische Substitution. Besonders problematisch ist der Wechsel bei schwer löslichen oder modifiziert freigesetzten Arzneistoffen (1) (siehe Kasten).

Kritische Arzneimittelgruppen
bezüglich Substitution (1)

Antiarrhythmika

Antiasthmatika

Antidementiva

Antidepressiva

Antidiabetika

Antiepileptika

Antikoagulantien

Antiparkinsonmittel

herzwirksame Glykoside

hormonale Kontrazeptiva

Immunsuppressiva

Interferone

Neuroleptika

Opioid-Analgetika

Thrombozytenfunktionshemmer

Zytostatika

 

So zeigte eine kanadische Studie, dass sich eine generische Retardformulierung des selektiven Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmers Venlafaxin deutlich von der des Originals unterscheidet (2).

 

Die Kinetik macht's

 

Gemäß einer EU-Richtlinie müssen Generika die gleiche qualitative und quantitative Zusammensetzung aus Wirkstoffen und dieselbe Darreichungsform wie das im Vergleich bereits zugelassene Präparat haben. Zudem müssen Generika bei ihrer Anwendung am Menschen bioäquivalente Eigenschaften entfalten (3). Bioäquivalenz gilt als erwiesen, wenn das Generikum eine Area under the Curve (AUC) aufweist, die zwischen 80 und 125 Prozent der AUC des Originalpräparates liegt (4). Experten weisen daraufhin, dass die vorgegebene Schwankungsbreite von 80 bis 125 Prozent nicht immer ausreichend ist. »Ein Generikum kann ganz erheblich in seiner Plasma-Zeit-Konzentration von dem Original abweichen und immer noch als bioäquivalent gelten«, erklärte Professor Dr. Hans-Peter Volz, ärztlicher Direktor des Krankenhauses für Psychiatrie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck gegenüber der PZ. Besonders problematisch sind Medikamente mit einer geringen therapeutischen Breite: Je kleiner die therapeutische Breite, desto gefährlicher der Austausch.

 

Zu den kritischen Medikamentengruppen zählen zum Beispiel auch Antiepileptika. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie warnt dringend vor einem unkontrollierten Wechsel (5). Das Aut-idem-Ankreuzen bei Antiepileptika sei wichtiger denn je, stellen Professor Dr. Christian E. Elger, Universitätsklinikum Bonn, und andere Experten fest (6). Epilepsie-Patienten sind durch einen Wechsel von wirkstoffgleichen Präparaten gefährdet: Bereits geringfügige Abweichungen der Plasma-Zeit-Konzentrationen können dazu führen, dass sich die Anfälle häufen und die Epilepsie therapierefraktär wird. Ein Beispiel sind Medikamente mit dem Wirkstoff Carbamazepin. Sie zeigen starke Unterschiede in ihrer Bioverfügbarkeit. Ursache ist die schlechte Löslichkeit des Wirkstoffs. Die Freisetzung des Carbamazepins aus der Arzneiform ist der für die Bioverfügbarkeit wesentliche Schritt, sodass diese vom jeweiligen Präparat abhängig ist (7).

 

Es gibt somit Vorbehalte gegen den bedenkenlosen Austausch bestimmter Arzneimittel. Damit Apotheker und Ärzte beurteilen können, ob ein Wechsel möglich ist, sollten ihnen wichtige Informationen, beispielsweise pharmakokinetische Daten wie die AUC, zur Verfügung stehen. Nur auf diese Weise können Generika zu einer Kosteneinsparung führen (8).

Literatur

 

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Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft e. V., Gute Substitutionspraxis (GSP) Leitlinie, 3, 2002.

Novopharm, CR9427-N0454/7-23. Document under the Access to Information Act of Canada, 2005.

EU-Richtlinie 2001/83/EG vom 6. November 2001 (Art. 10 Abs. 2b), http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:32001L0083:DE:NOT, 2008.

Note for Guidance on the Investigation of Bioavailability and Bioequivalence, EMEA, 20.7.2007, CPMP/EWP/QWP/1401/98.

Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V., Empfehlung Generika, April 2008, www.dgfe.info/download/mitt/Generika-Empfehlung2008.pdf, 2008.

Krämer, G., Elger, C., Dennig, D., Neubauer, B. A., Aut-idem-Ankreuzen: bei Antiepileptika wichtiger denn je!, Akt. Neurol. 35 (2008) 108-109.

Ladstädter, U., »Von allem etwas mehrÖ«, 10. Seggauer Fortbildungstage, I, Österreichische Apothekerzeitung 6, 2007, http://www2.apoverlag.at/OEAZ/zeitung/3aktuell/2007/06/haupt/haupt06_2007seggau.html.

Bonnabry, P. Generika: Allheilmittel oder Illusion?, www.sgim.ch/doc/bulletin/0311/22_d.pdf, 2008.

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