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Hat Jamaika fertig?

22.11.2017  11:00 Uhr

Jamaika – das hört sich schön an. Nach Palmen, Reggae, Sonne und Meer. Ein Sehnsuchtsort eben. Oder eine Insel, auf der man eine gute Zeit haben kann – zumindest auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin, dann nimmt die Euphorie bald ab. Das vermeintliche Paradies hat eine enorme Staatsverschuldung, eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt, und im Herbst drohen Hurrikane. Stabilität und Harmonie sind anders. Kein Vorbild für Deutschland. War also das Scheitern programmiert? Hier beginnen die Spekulationen: Hat die FDP die Verhandlungen aus Eigennutz platzen lassen? War Horst Seehofer im falschen Wahlkampf unterwegs? Warum hat die CDU ihren Kuschelkurs so lange beibehalten? Hat Jamaika fertig? Fragen, auf die es derzeit keine Antworten gibt.

 

Aus Apothekersicht ist dies jetzt auch eher unerheblich. Jamaika ist eine Insel in der Karibik, mehr nicht (lesen Sie dazu Jamaika-Koalition: Chance vertan). Und die Apothekerschaft ist von der FDP ein weiteres Mal enttäuscht. Der Ausstieg der Lindner-Truppe aus den Jamaika-Sondierungen wirft die Apothekerschaft bei ihren wesentlichen berufspolitischen Vorhaben deutlich zurück. Die Hoffnung der Apotheker auf das von Bundesgesundheitsminister ­Hermann Gröhe unterstützte Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel hat ­einen Dämpfer bekommen. Allerdings waren die Chancen darauf von Anfang an nicht allzu hoch, weil mit den Grünen und der FDP gleich zwei Sondierer am Start waren, die bislang vom Rx-Versandverbot nichts wissen wollen. Oder werden die Karten vielleicht sogar neu gemischt?

 

Und auch bei anderen wesentlichen Apotheker-Projekten dürfte es schwierig werden, den Zeitplan einzuhalten. Das könnte etwa den ins Straucheln geratenen elektronischen Medikationsplan betreffen. Genauso wie andere Themen der Digitalisierung. Mit dem Ende der Sondierungen könnte sich auch die Veröffentlichung des vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachtens zum Apothekenhonorar weiter hinauszögern. Wann das Ergebnis veröffentlicht wird, steht in den Sternen. Bislang bleibt es bei vagen Spekulationen.

 

Vollkommen offen ist, inwieweit die Ergebnisse der Sondierung nach deren Ende eine zweite Chance bekommen werden. Immerhin hatten ­Union, Grüne und FDP über so spannende Themen wie eine sektorenübergreifende Bedarfsplanung und eine bessere Honorierung diskutiert. Ein konstruktiver Anfang. Der leider zu spät kommt.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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