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Hormonersatztherapie

Beratung von Frauen im Klimakterium

18.11.2015
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Von Annette Mende / Die Hormonersatztherapie (HT) hat in der Behandlung von Frauen mit ausgeprägten klimakterischen Beschwerden nach wie vor einen festen Stellenwert, auch wenn ihr viele Frauen skeptisch gegenüberstehen. Mit einer kompetenten Beratung kann das Apothekenteam unbegründete Befürchtungen zerstreuen und die korrekte Anwendung entsprechender Präparate sicherstellen.

Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen, leiden zwei von drei unter typischen Beschwerden wie Schweißausbrüche und Scheidentrockenheit. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen sind diese so stark, dass sie die Lebensqualität deutlich einschränken. Wechseljahresbeschwerden lassen sich wirksam mit dem Ersatz der Sexualhormone behandeln, doch sind sowohl Ärzte als auch Frauen damit zurückhaltender geworden, seit unter anderem die Studie Women’s Health Initiative gezeigt hat, dass die kombinierte HT das Brustkrebsrisiko erhöht.

 

Risiko ins Verhältnis gesetzt

 

Dieses Risiko ist zweifellos vorhanden, doch fällt es geringer aus als vielfach angenommen, wie Dr. Andrea Elisabeth Gerdemann in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift »Pharmakon« ausführt. Sie setzt den Risikoanstieg durch die HT mit dem durch andere Faktoren in Beziehung und macht die trockene Statistik so anschaulich. So erkranken durchschnittlich von 1000 Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren durch eine mehr als fünfjährige kombinierte HT zusätzlich zwei an Brustkrebs; bei mehr als zehnjähriger Therapiedauer sind es sechs. Starkes Übergewicht führt dagegen zu 45 Erkrankungsfällen, der Konsum von mindestens zwei alkoholischen Getränken pro Tag zu 27, Bewegungsmangel ebenfalls zu 27 und Rauchen zu 24.

Eine etwa zweijährige Behandlung, wie sie heutzutage empfohlen wird, führt laut aktuellem Kenntnisstand zu keinen oder nur geringen Nebenwirkungen. Vor dem Start der Therapie und dann jährlich sollte der behandelnde Arzt zusammen mit der Frau den Nutzen der HT gegen die Risiken abwägen. Zu den Kontraindikationen gehören eine vorliegende (Estrogenrezeptor-positive) Brustkrebserkrankung, akute thromboembolische Erkrankungen und abklärungsbedürftige irreguläre vaginale Blutungen.

 

Zur Linderung der klimakterischen Beschwerden dient Estrogen beziehungsweise dessen Derivate. Bei vorhandenem Uterus und systemischer Therapie muss die Frau zusätzlich auch eine Gestagen-Komponente erhalten, da die alleinige Estrogen-Gabe das Risiko für ein Endometriumkarzinom erhöht. Steht lediglich ein Estrogen- Präparat auf dem Rezept, sollte der Apotheker sich daher nach dem Grund erkundigen.

Zur systemischen HT stehen per­orale, transdermale und perkutane Darreichungsformen zur Verfügung. Die Tabletten sollten möglichst immer zur gleichen Tageszeit mit einem großen Glas Leitungswasser eingenommen werden. 

 

Da Estrogene bei peroraler Einnahme einem ausgeprägten First-Pass-Effekt unterliegen, werden sie in Tablettenform um ein Vielfaches höher dosiert als etwa in transdermalen Pflastern. Die Leberpassage bedingt auch mögliche Interaktionen mit Induktoren oder Hemmern des Cytochrom-P450-Systems, auf die das Apothekenpersonal achten sollte.

 

Pflaster richtig kleben

Hormonpflaster zur HT sind verfügbar für die zwei- oder einmalige Anwendung pro Woche. Das Pflaster wird auf eine intakte, glatte, unbehaarte, aber nicht rasierte, saubere und trockene Hautstelle aufgeklebt, indem die Frau es 10 bis 30 Sekunden lang fest andrückt. Danach kann sie normal duschen, baden, schwimmen und auch die Sauna besuchen, sollte allerdings bei starkem Schwitzen hinterher kontrollieren, dass das Pflaster noch an der vorgesehenen Stelle klebt. Hat es sich abgelöst, kann es entweder erneut angeklebt oder durch ein neues ersetzt werden.

 

Die Anwendungsstelle sollte nicht der Sonneneinstrahlung, starkem Druck durch Liegen oder Sitzen oder Reibung durch Kleidung ausgesetzt sein. Am besten ist der Rumpf geeignet, einige Hersteller empfehlen auch das Gesäß. Auf keinen Fall darf das Pflaster auf die oder in die Nähe der Brust geklebt werden. Um Hautirritationen zu vermeiden, soll die Applika­tionsstelle nach jeder Anwendung gewechselt werden.

 

Matrix statt Membran

 

Bei Transdermalpflastern unterscheidet man prinzipiell zwischen Matrix- und Membranpflastern, wobei alle heute erhältlichen Estradiol-Pflaster Matrixpflaster sind. Hier liegt der Wirkstoff in der Klebematrix gelöst vor. Gegenüber Membranpflastern, bei denen der Wirkstoff in einem Reservoir gelöst ist, haben sie den Vorteil, dass es bei falscher Handhabung oder versehent­licher Beschädigung nicht zu einer schlagartigen Freisetzung der gesamten Wirkstoffmenge kommen kann. Am Ende der Anwendungszeit haben Matrixpflaster lediglich 5 Prozent des gelösten Wirkstoffs abgegeben, enthalten also noch große Mengen Hormone. Sie müssen daher mit der Klebeseite nach innen zusammengeklappt und kindersicher im Hausmüll entsorgt werden.

 

Die perkutane HT erfolgt mittels Estradiol-haltiger Gele, bei intaktem Uterus in Kombination mit peroralen Gestagen-Präparaten. Die erforderliche Gelmenge, die individuell unterschiedlich ist, wird einmal täglich auf Arme oder Schultern aufgetragen. Danach sollte die Anwenderin gründlich die Hände waschen und das Gel etwa 15 Minuten trocknen lassen, bevor sie Bekleidung überzieht. Auch hier gilt: Nicht auf die Brust auftragen; auch Schleimhäute und der Genitalbereich sind tabu.

 

Auf allen bis hier vorgestellten Applikationswegen werden systemische Wirkspiegel erreicht, weshalb die entsprechenden Präparate mit Ausnahme der Estradiol-Gele auch zur postmenopausalen Osteoporoseprophylaxe eingesetzt werden dürfen. Das ist bei der lokal vaginalen Anwendung von Estrogenen nicht der Fall. Sie werden üblicherweise nicht in nennenswertem Ausmaß aufgenommen und dienen daher ausschließlich zur Behandlung von Scheidentrockenheit.

 

Im Handel sind Vaginaltabletten, -zäpfchen, -creme und ein Vaginalring. Bei Abgabe der Vaginaltabletten sollte das Apothekenteam darauf hinweisen, dass die Frau diese völlig trocken und mit dem mitgelieferten Einmalapplikator einführen soll. Die Lagerung der Vaginalzäpfchen sollte unter 25° Celsius erfolgen, da sie sonst schmelzen. Zur Anwendung der Vaginalcreme soll die Frau den mitgelieferten Applikator bis zur Markierung füllen, in die Scheide einführen und entleeren. Beim Herausnehmen nicht am Kolben ziehen, damit die Creme nicht wieder in den Applikator zurückgesaugt wird. Tabletten, Zäpfchen und Creme werden zunächst über zwei bis drei Wochen täglich, anschließend jedoch als Erhaltungsdosis nur noch zwei Mal pro Woche angewendet. Auch das ist einen Hinweis beziehungsweise eine Frage an die Anwenderin wert, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Pharmakon – Zeitschrift der DPhG

Das Klimakterium bildet den Themenschwerpunkt der aktuellen Ausgabe von »Pharmakon«, der Zeitschrift für Mitglieder der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG). Sie enthält neben dem hier vorgestellten Beitrag von Dr. Andrea Elisabeth Gerdemann unter anderem Artikel über die Klinik der Menopause und alternative Therapiestrategien zur klassischen Hormontherapie. »Pharmakon« erscheint sechsmal jährlich. Jede Ausgabe hat einen inhaltlichen Schwerpunkt, der in mehreren Beiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven aufbereitet wird. Ein kostenloses Abonnement ist in der DPhG-Mitgliedschaft inbegriffen. Die Zeitschrift ist auch als Einzelbezug erhältlich. Ein entsprechendes Bestellformular findet sich im Serviceteil dieser Ausgabe, weitere Informationen auf www.pharmakon.info.

Vaginalring alle drei Monate wechseln

 

Der Vaginalring setzt über drei Monate kontinuierlich Estradiol frei. Er wird in das hintere Scheidengewölbe eingesetzt. Dazu drückt man ihn zu einer ovalen Form zusammen und führt ihn so weit wie möglich in die Scheide ein. Da er elastisch ist, schiebt sich der Ring nach dem Loslassen selbst in die richtige Position. Beim ersten Mal erklärt der Frauenarzt die richtige Handhabung, danach kann die Frau den Ring selbst wechseln. Sie kann ihn auch, beispielsweise zum Geschlechtsverkehr, vorübergehend entnehmen, mit lauwarmem Wasser abspülen und wieder einsetzen. /

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