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Alzheimer

Antikörper gegen Amyloid stört Neurone

18.11.2015
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Patienten mit Alzheimer-Demenz mit Antikörpern gegen β-Amyloid zu behandeln, scheint ein sinnvoller Therapieansatz zu sein, hat sich aber in klinischen Untersuchungen nicht bewährt.

 

Forscher um Dr. Marc Aurel Busche von der Technischen Universität München liefern im Fachjournal »Nature Neuroscience« nun eine mögliche Erklärung dafür: Bei Mäusen bauten die Antikörper im Experiment zwar Amyloid-Plaques ab, störten aber die Funktion von Neuronen (DOI: 10.1038/nn.4163).

Amyloid-Ablagerungen im Gehirn sind ein Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung. Für ihre Untersuchungen setzten die Forscher ein Mausmodell für die neurodegnerative Erkrankung ein. Diese Tiere sind gentechnisch so verändert, dass sie das menschliche Vorläuferprotein von β-Amyloid besitzen und exprimieren, was wie beim Menschen zur Bildung von Amyloid-Plaques im Gehirn führt und Gedächtnisstörungen verursacht. Die Wissenschaftler behandelten die Tiere mit zwei verschiedenen monoklonalen Anti-Amyloid-Antikörpern und untersuchten dann die Aktivität von Nervenzellen mit hochauflösender Zwei-Photonen-Mikroskopie. Das Ergebnis: Zwar verschwanden die Plaques, die Anzahl an abnormal hyperaktiven Nervenzellen stieg aber stark an.

 

»Wenn Nervenzellen hyperaktiv sind, können sie ihre normalen Funktionen nicht mehr ausüben und verausgaben sich über längere Zeit. Sie verstummen dann und sterben möglicherweise im späteren Verlauf ab«, erklärt Busche. »Bei den Patienten, die die Immuntherapie erhalten haben, könnte das erklären, warum sich ihr Zustand nicht wirklich besserte, obwohl die Plaques weniger wurden.«

 

Auch junge Alzheimer-Mäuse, bei denen noch keine Plaques im Gehirn nachweisbar waren, entwickelten unter der Antikörperbehandlung bereits vermehrt hyperaktive Nervenzellen. »Mit Blick auf diese Ergebnisse wäre auch ein früher Einsatz der von uns untersuchten Immuntherapien, noch bevor die Plaques entstehen, wenig aussichtsreich. Denn auch hier treten die Nebenwirkungen der Therapie bereits auf«, sagt der Wissenschaftler. Als Erklärung vermuten die Forscher, dass die eingesetzten Antikörper verstärkt lösliche Oligomere, Vorstufen der Plaques, freisetzen, die schon länger als problematisch gelten. /

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