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Klosterfrau und Pohl-Boskamp

Rechtsstreit um Halstabletten

19.11.2014  09:49 Uhr

Von Jürgen Hoffmann, Hamburg / Der Lutschtablette gegen Halsschmerzen »Neo-angin® stimmig Plus« von Klosterfrau könnte ab Dezember ein Vertriebsverbot drohen. Diesen Eindruck gewannen zumindest Prozessbeobachter, die am Landgericht Hamburg den Gütetermin zwischen dem Kölner Traditions­unternehmen und seinem Konkurrenten Pohl-Boskamp aus Hohenlockstedt verfolgten.

Der norddeutsche Mittelständler, der mit seinen Halstabletten GeloRevoice® seit 2009 ein Produkt gegen Halskratzen, Hustenreiz und Heiserkeit auf dem Markt hat, ist angetreten, Klosterfrau den Vertrieb des ebenfalls ausschließlich in Apotheken erhältlichen Neo-angin stimmig Plus zu verbieten.

 

Pohl-Boskamp ist der Überzeugung, dass das Klosterfrau-Produkt nicht ordnungsmäßig zertifiziert ist. Da der Wirkstoff Polyhexanid verwendet wurde, der eine pharmakologische Wirkung haben kann, hätte Neo-angin stimmig Plus nach Klasse 3 zertifiziert werden müssen. Stattdessen wurde es nach Klasse 1 geprüft. Die Vorsitzende Richterin schloss sich dieser Meinung an.

 

Zweiter Vorwurf von Pohl-Boskamp: die Werbung von Klosterfrau für das Präparat. Die von Klosterfrau behauptete antibakterielle Wirksamkeit sei nicht durch klinische Studien mit dem Präparat belegt. Die Anwälte des Kölner Unternehmens versuchten diesen Vorwurf mit dem Argument zu entkräften, dass solche Studien derzeit durchgeführt werden. Die Richterin forderte Klosterfrau auf, deren Ergebnisse abzuwarten und sie zu veröffentlichen, damit sich die Wissenschaft dazu äußern könne. Klosterfrau darf nach Erhalt der schriftlichen Urteilsbegründung, die wohl in den nächsten Tagen den Unternehmen zugestellt wird, nicht mehr mit einer antibakteriellen Wirkung für seine Halstabletten werben und ab Anfang Dezember das Produkt auch nicht mehr vertreiben.

 

Möglicherweise wird Klosterfrau seinem Konkurrenten noch einen Vorschlag für eine außergerichtliche Lösung unterbreiten. Auf Anfrage teilte Pohl-Boskamp vergangene Woche mit, dass man noch kein Angebot erhalten habe.

 

Ausreichend Ware im Markt

 

Stattdessen hat Klosterfrau schon am Tag nach dem Gerichtsverfahren in Hamburg ein Schreiben an Apotheken verschickt, in dem das Unternehmen zum einen ankündigt, nach der Prüfung der Urteilsgründe gegen die rechtliche Bewertung vorzugehen, und zum anderen betont, dass man dafür gesorgt habe, »dass ausreichend Ware für die kommenden Monate im Großhandel vorhanden sein wird«. Die Apotheker könnten also weiterhin lückenlos bedient werden. Außerdem werde Klosterfrau »die starke Werbeoffensive für Neo-angin stimmig Plus nochmals verstärken, um den Abverkauf in Ihrer Apotheke weiter zu unterstützen«.

 

Nach der langen, stellenweise sehr emotional geführten Diskussion im Hamburger Landgericht ist nicht zu erwarten, dass sich Klosterfrau und Pohl-Boskamp friedlich die Hand reichen werden. Eher ist zu befürchten, dass in dieser Angelegenheit der letzte Schriftsatz noch nicht gewechselt worden ist. /

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