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Arzneimittelimporte

Kassenchef hält Quote für überholt

19.11.2014
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Von Ev Tebroke / Die Apotheker wollen nicht länger gesetzlich zur Abgabe einer bestimmten Höhe von Importarzneimitteln gezwung­en sein. Rückendeckung erhalten sie nun vom Chef der AOK Baden-Württemberg, Christopher Hermann. Auch er hält die Importquote für überholt. Der Verband der Arzneimittel­importeure ist alarmiert.

Das gehäufte Auftreten von Arzneimittelfälschungen hat das Thema Importquote neu befeuert: In den vergangenen Monaten waren über die Vertriebswege von Importarzneimitteln verstärkt gefälschte Medikamente in Umlauf gelangt. Bislang haben Apotheker aber kaum Spielraum, sich im Rahmen von pharmazeutischen Sicherheitserwägungen im Einzelfall gegen die Abgabe eines Importarzneimittels zu entscheiden.

 

Zur Quote verpflichtet

 

Denn laut Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung sind sie dazu verpflichtet, mindestens 5 Prozent des Apothekenumsatzes mit importierten Arzneimitteln sicherzustellen. Diese sogenannte Importförderklausel ist im Paragraf 129, Absatz 1 des SGB V geregelt. In der aktuellen ABDA-Stellungnahme zum Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) fordern die Apotheker daher auch die ersatzlose Streichung der Regelung.

 

Kassenchef Hermann schließt sich dieser Forderung an. »Die Quote ist überholt und kann entfallen«, so sein Statement. In einem funktionierenden Markt sorgten Wettbewerbsstrukturen dafür, dass Qualitätsprobleme einzelner Anbieter durch eine unmittelbare Marktreaktion umgangen werden können. »Nicht so im Reimportmarkt«, kritisiert er. Die in vorwettbewerblichen Zeiten eingeführte Reimportquote zwinge die Apotheke zur Abgabe von Reimporten, wann immer ein Reimport verfügbar ist. Mittlerweile sei die »perverse« Situation eingetreten, dass auf diesem Wege auch wenig wirtschaftliche oder sogar gegenüber dem Original höherpreisige Reimporte vermehrt abgerechnet würden, so der Kassenchef.

 

Die Apotheker nehmen die Rückendeckung freudig zur Kenntnis: »Ich finde es toll, dass Herr Hermann mit den Apothekern mitgeht«, sagt der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Fritz Becker. Die Quote habe sich einfach erübrigt, schließlich gebe es mittlerweile alle Varianten von Rabatten. Aus Sicht der Apotheker habe sich zudem gezeigt, dass Importarzneimittel nicht per se preisgünstige Arzneimittel sind, heißt es in der ABDA-Stellungnahme zum VSG. Häufig seien sie sogar teurer als entsprechende Generika, wie beispielsweise Ondansetron oder Mycophenolsäure.

 

Auch Hermann sieht kaum noch rechnerische Einsparungen durch die Importquote. Laut GKV-Abrechnungsdaten bewegten sie sich bei lediglich rund 0,3 Prozent der Arzneimittelausgaben. Dem widerspricht der Verband der Arzneimittelimporteure Deutschlands (VAD). Für das laufende Jahr geht er von Einsparungen von mehr als 1 Prozent der Gesamtausgaben der Kassen zum Apothekenverkaufspreis aus. Dabei bezieht sich der VAD in einem Brief an Kassenchef Hermann auf Zahlen der Markforscher von Insight Health.

 

Weiterhin Wettbewerb

 

Auch seien die Importeure keinesfalls Einfallstor für problematische Arzneimittel, sondern vielmehr oft diejenigen, die Fälschungen als Erste erkennen. Der Verband betont zudem, Importe bewirkten Wettbewerb im Marktsegment der patentgeschützten Arzneimittel. Die AOK Baden-Württemberg halte beispielsweise zurzeit allein 13 Rabattverträge für solche Arzneimittel, die sie ohne Wettbewerb durch Importarzneimittel sicherlich nicht hätten abschließen können.

 

Diesem Wettbewerb soll auch weiterhin nichts im Wege stehen. »Wir wollen ja nicht die Importe abschaffen, sondern lediglich die Quote«, betont der DAV-Vorsitzende Becker. /

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