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Griechenland

Apotheken in der Krise

19.11.2014  09:48 Uhr

Von Filippos Sacharis, Athen / Den Apotheken in Griechenland geht es schlecht. Wegen der anhaltenden Finanzkrise geraten viele Betriebe in eine wirtschaftliche Schieflage. Sinkende Erträge haben ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kommt ein fallender oder zumindest stagnierender Umsatz im Geschäft mit den Krankenversicherungen.

Kostas Lourandos macht sich große Sorgen. Der Vorsitzende des griechischen Apothekerverbands rechnet mit einem weiteren Apothekensterben in seinem von der Finanz- und Wirtschaftskrise stark gebeutelten Land. »Die Lage wird immer dramatischer«, sagt er. Wegen fehlender Erträge mussten viele Personal entlassen. Der Umsatz vieler Apotheken hat sich laut Verband in den vergangenen Jahren halbiert. Nacht-, Sonntags- und Feiertagsdienste muss der Chef selbst machen, er kann sich die zusätzlichen Personalkosten nicht mehr leisten.

 

Gleichzeitig drohen Apothekenketten. Bislang waren die verboten. Ähnlich wie in Deutschland dürfen nur Apotheker eine Apotheke führen. Ein Gesetz zur Deregulierung des Apothekenmarkts könnte dies nun ändern. Bereits im Frühjahr 2014 hatten die Apotheker aufgrund der Deregulierung gestreikt.

 

Inseln ohne Apotheke

Vor allem auf dem Land und in kleinen Städten nimmt die Zahl der Apotheken deutlich ab. Und einige der kleineren griechischen Inseln werden demnächst wohl keine Apotheke mehr haben, fürchtet Lourandos. Apotheker, die ihre Apotheke auf dem Land wegen mangelnder Rentabilität schließen mussten, zieht es häufig in die Zentren der Großstädte. Da den Apothekern aber oftmals das Kapital für einen Neuanfang fehlt, schließen sie sich mit ihren Schicksalsgenossen zusammen. Häufig seien es vier oder fünf Kollegen, die eine neue Apotheke aufmachten. Die Chancen auf Erfolg sind begrenzt. Lourandos: »Sie versammeln sich zahlreich im Stadtzentrum und sterben alle zusammen.«

 

Laut Lourandos ist die Apothekendichte in Griechenland mit knapp 1200  Einwohnern pro Apotheke ohnehin schon ziemlich hoch. Die unkontrollierte Gründung neuer Apotheken macht die Situation noch dramatischer.

 

Ein großes Problem für die Apotheker sind auch ihre Arbeitszeiten. Es gibt keine gesetzliche Obergrenze in Griechenland. Das zwingt zur Selbstausbeutung. Wegen der Krise gibt es auch keine Unterstützung durch das Nebensortiment. Der Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika geht auch zurück. In der Krise verzichten die meisten Griechen schon auf diese sehr bescheidene Variante von Luxus.

 

Krise und Deregulierung hätten den Apothekenmarkt komplett verändert, sagt Lourandos. Der Wettbewerb lässt die Preise weiter purzeln, auch bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Trotz der Demonstrationen im Frühjahr werden Apothekenketten schon bald Realität werden, fürchten die Apotheker. Schon jetzt kooperieren große Apotheken miteinander, bilden Zusammenschlüsse, die Synergien schaffen. Eine Alternative dazu sind in Netzwerken kooperierende Apotheken.

 

Ersatz für fehlende Ärzte

 

Heute arbeiteten griechische Apotheker in Grenz- und Bergregionen nicht nur als Pharmazeut, oftmals behandelten sie auch Patienten oder stellten eine erste Diagnose, wenn der Weg zum nächsten Arzt weit ist, sagt Lourandos. Für die dünn besiedelten Regionen Griechenlands dürften Apothekenketten oder Kooperationsnetzwerke allerdings keine Lösung sein. Im Gegenteil, sie würden die Situation nur verschlimmern, indem sie die kleinen ortsansässigen Apotheken in einen Preiswettbewerb und dann in den Konkurs treiben.

 

Ihre Funktion als Arztersatz würden die Ketten ganz sicher nicht übernehmen. Lourandos: »Viele Apotheken müssten schließen. Einen Preiskampf gegen die großen Ketten könnten sie nicht gewinnen.« /

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