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Griechenland

Kampf gegen Apothekenketten

04.11.2015
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Von Filippos Sacharis, Athen / Den Apothekern in Griechenland drohen harte Zeiten. Auf Druck der Troika soll die Regierung den Apothekenmarkt deregulieren. Bei den Apothekern kommt dies erwartungsgemäß schlecht an. Es drohen weitere Streiks.

Die griechischen Apotheker haben in den vergangenen Monaten wiederholt gegen die von der Troika geforderte Deregulierung des Pharmamarkts in Griechenland protestiert. Die Beschlüsse der Regierung und der Kreditgeber führten »zur Auflösung der pharmazeutischen Versorgung«, kritisieren die Apotheker. In den vergangenen Tagen haben sie deshalb erneut gegen die geplanten Änderungen gestreikt. Hauptkritikpunkt am Gesetzentwurf ist die geplante Zulassung des Fremd- und Mehrbesitzes.

 

In Zukunft sollen auch Nicht-Apotheker Inhaber einer Apotheke sein dürfen. Allerdings muss der Inhaber dann einen Apotheker einstellen und diesen mit mindestens 20 Prozent am Betrieb beteiligen. Außerdem sollen Unternehmen analog zur deutschen GmbH bis zu zehn Apotheken betreiben dürfen. Ebenfalls auf Kritik stößt der Plan der Regierung, die Apothekenpflicht für rezeptfreie Medikamente abzuschaffen und Supermärkten den Verkauf von OTC-Arzneimitteln zu erlauben.

 

Keine Apothekenpflicht

 

Im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung bekräftigte der Direktor des griechischen Verbands der Arzneimittelhersteller, Giorgos Dokios, die von der Regierung diskutierte Deregulierung des OTC-Markts. Ab Januar 2017 sollen demnach die Preise für rezeptfreie und bislang apothekenpflichtige Medikamente freigegeben und die Apothekenpflicht aufgehoben werden. Die endgültige Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen, so Dokios.

 

Der Streik der Apotheker ging zwar am 29. Oktober zu Ende. Der nächste Ausstand steht aber bereits vor der Tür. Am vergangenen Mittwoch hatte der Verwaltungsrat des panhelenischen Apothekerverbands (PFS) nach einer mehrstündigen Konferenz zwar die vorläufige Unterbrechung des Streiks beschlossen, aber nur bis zum 31. Oktober. Weitere Arbeitsniederlegungen sind deshalb ziemlich wahrscheinlich, trotz der Versicherung des griechischen Gesundheitsministeriums, die Verhandlungen mit den Kreditgebern hinsichtlich des Eigentumsstatus der Apotheken weiterführen zu wollen. Der Apothekerverband hat bereits für die nächsten Tage 24-Stunden-Streiks der Apotheker angekündigt.

 

Die griechischen Apotheker sind verunsichert. Das bestätigte auch Verbandschef Kostas Lourandos gegenüber der PZ. Im Hinblick auf den Eigentumsstatus der Apotheken sei das Meiste noch unklar. Der Gesundheitsminister habe die Apotheker bislang nicht über den aktuellen Stand der Verhandlungen informiert. Auch über die neue Regelung hinsichtlich des Apothekenbesitzes gebe es lediglich Spekulationen.

 

Der griechische Apothekerverband hofft noch auf eine Lösung ohne Fremd- und Mehrbesitz. Das Vorbild ist dabei Deutschland. »Wir fordern kurz gesagt die Unabhängigkeit der Apotheker in Griechenland wie in Deutschland«, sagt Lourandos.

 

Unterstützung der ABDA

 

Bei seinem Besuch hierzulande Mitte Oktober hatte sich Lourandos bereits der Unterstützung der deutschen Apotheker versichert. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten ist die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bereit, den Kollegen aus Griechenland zur Seite zu stehen. Bei dem Treffen im Apothekerhaus in Berlin versprach ABDA-Präsident Friedemann Schmidt, die Griechen im Kampf gegen die Deregulierung des Apothekenmarkts zu unterstützen. Die ABDA werde sich auch auf europäischer Ebene für die Freiberuflichkeit einsetzen, sagte Schmidt. Zusammen mit dem Präsidenten der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, äußerte der ABDA-Präsident Bedenken, dass eine Deregulierung mit einem Qualitätsverlust in der Patientenversorgung einhergehen könnte. /

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