Pharmazeutische Zeitung online
Notfallversorgung

Ärzte wollen nicht enger kooperieren

19.11.2014  09:49 Uhr

Von Stephanie Schersch / Die Ärzte wollen in der Notfall- versorgung nicht enger mit anderen Leistungserbringern zusammenarbeiten. Das geht aus der Stellungnahme der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zum sogenannten Versorgungsstärkungsgesetz hervor.

Laut Referentenentwurf sollen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen bei der Organisation der Notfallversorgung besser mit den Landesapothekerkammern abstimmen, um möglichst kurze Wege zwischen Praxis und Notdienst­apotheke zu gewährleisten. Darüber hi­naus sollen sie stärker mit Krankenhäusern kooperieren. So könnten in Kliniken etwa Notfallpraxen entstehen. Mit der Pflicht zur Kooperation will die Koalition »vorhandene Doppelstrukturen« abbauen. Denn bereits heute wenden sich viele Patienten an die Notaufnahmen der Krankenhäuser, wenn die Praxen der Kassenärzte geschlossen sind.

 

Unnötige Kosten


Auch mit Rettungsdiensten soll es nach Möglichkeit eine engere Zusammenarbeit geben. Diese würden zunehmend auch bei vergleichsweise einfachen Erkrankungen gerufen, heißt es im Referentenentwurf. Das führe zu unnötigen Kosten. Helfen sollen demnach gemeinsame Leitstellen für Rettungsdienste und den vertragsärztlichen Notdienst, die in jedem Einzelfall entscheiden können, welche Versorgung notwendig ist.

 

Die KBV hält von diesen Plänen nicht viel. Die neuen Regelungen zur Kooperation mit Kliniken »greifen zu stark in die regional sehr unterschiedlich ausgestalteten Notdienstvereinbarungen ein«, heißt es in der Stellungnahme. Sie könnten vor allem dort zu Problemen führen, »wo anderweitig gut funktionierende Notdienstvereinbarungen bestehen«. Die KBV will daher an der bisherigen Kann-Regelung festhalten, die Praxisärzten und Kliniken eine Zusammenarbeit offenhält. Diese Vorgabe steht seit 2012 im Gesetz. In der Notfallversorgung hat sich seither jedoch nicht viel getan, die Politik setzt daher nun auf eine Pflicht.

 

Eine engere Zusammenarbeit lehnt die KBV auch mit Blick auf die Rettungsdienste ab. Die Kooperation sei bereits heute ausreichend, heißt es. Auf eine engere Verzahnung mit den Notdiensten der Apotheker gehen die Ärzte in ihrer Stellungnahme nicht näher ein.

 

Deutlich aufgeschlossener stehen sie den Plänen für ein Entlassmanagement gegenüber. Für einen reibungslosen Übergang nach einem Krankenhausaufenthalt sollen die Kliniken ihren Patienten laut Referentenentwurf künftig die jeweils kleinste Packung eines benötigten Arzneimittels verordnen können. Leistungen wie eine häusliche Krankenpflege können sie für maximal sieben Tage veranlassen.

 

Die KBV lobt diese Neuregelung grundsätzlich. Sie drängt jedoch da­rauf, die Möglichkeit einer Verordnung zur Pflicht zu machen. Laut Gesetzentwurf sollen für die Kliniken bei der Verschreibung zudem die gleichen Bestimmungen gelten wie für die Vertragsärzte. Die KBV wünscht sich in diesem Punkt eine Klarstellung. Demnach soll eindeutig festgelegt werden, dass die Rezepte der Kliniken nicht das Budget der Kassenärzte belasten.

 

Medikamentenmitgabe

 

Unabhängig von der Möglichkeit, Rezepte auszustellen, werden Kliniken dem Patienten auch weiterhin für kurze Übergangszeiträume Arzneimittel mitgeben dürfen. Bislang ist klar geregelt, dass diese nur zur Überbrückung mitgegeben werden dürfen, etwa wenn der Patient vor einem Feiertag aus dem Krankenhaus entlassen wird und nicht sofort zum Praxisarzt gehen kann, um sich ein Rezept zu holen. Die KBV möchte an dieser Stelle deutlich weitergehen. Demnach sollen Kliniken ihren Patienten künftig die benötigten Arzneimittel für mindestens drei volle Tage mitgeben müssen. Einen entsprechenden Gesetzentwurf habe man bereits im Rahmen des geplanten E-Health-Gesetzes eingebracht, heißt es in der Stellungnahme. /

Mehr von Avoxa