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Uni Mainz

Nun wartet große Verantwortung

18.11.2013  15:02 Uhr

Von Maen Zeino, Mainz / Mitte Oktober fand an der Uni Mainz eine Feststunde zu Ehren der frischgebackenen Pharmazeuten statt. Nach Bestehen des Zweiten Staatsexamens nahmen die 29 Absolventen ihre Zeugnisse entgegen.

Professor Dr. Thomas Efferth vom Institut für Pharmazie und Biochemie der Uni Mainz begrüßte die Absolventen und ihre Angehörigen. Dieser Tag markiere einen großen Abschnitt im Leben der Apotheker in spe, da sie jetzt dafür bereit sein müssen, mit großer Verantwortung in die Berufswelt einzutreten. Ehrlichkeit in der Arbeit spiele dabei eine wichtige Rolle. Efferth griff in diesem Zusammenhang das Thema Plagiat auf, das immer wieder in den Medien aufgetaucht.

Plagiat sei auch in der Wissenschaft gelegentlich anzutreffen. Einen berühmten Fälschungsskandal habe es im Jahr 1997 gegeben, als der Krebsforscher Friedhelm Hermann insgesamt 94 wissenschaftliche Arbeiten mit gefälschten »so gut wie gemalten« Daten veröffentlicht hat. Als Formen des Betrugs nannte Efferth ebenfalls das Selbstplagiat sowie die gezielte Aushebelung von Gutachtersystemen. Für Apotheker kann das Thema Plagiat dann bedeutsam werden, wenn es darum geht, Arzneimittelfälschungen zum Schutz der Patienten aufzudecken und zu vermeiden.

 

»Es ist eine Ehre, an diesem goldenen Oktobertag, den glücklichen Pharmazeuten für ihren Erfolg gratulieren zu dürfen.« So begann Pharmazierat Peter Stahl, Vizepräsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, seine Rede. »Das Leitbild des Berufes ist momentan ein heißes Thema«, betonte Stahl. So wichtig, dass Diskussionen über die Weiterentwicklung des Faches breit geführt werden müssten und sich jeder daran beteiligen sollte. Die Absolventen befinden sich in einer schwierigen Zeit, da sie sich für eine der verschiedenen Richtungen der Pharmazie entscheiden müssen. Im Praktischen Jahr können sie die vielfältigen Facetten des Berufes kennenlernen, ihre Ausbilder herausfordern und vor allem sich selbst fordern.

 

Pharmaziedirektor Gerhard Frick, stellvertretender Leiter der Abteilung Gesundheit und Pharmazie im Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung in Koblenz, beglückwünschte ebenfalls herzlich die Absolventen. Frick hob die Verantwortung hervor, welche die Apotheker für die Patienten übernehmen sollen. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Bedeutsamkeit der organoleptischen Prüfung hinsichtlich der Vermeidung von Arzneimittelfälschungen.

 

Apothekerberuf gestern und morgen

 

Der Apothekerberuf durchlebte viele Entwicklungsstationen bis er seine heutige Form erreichte. Und schon immer war die Zukunft des Berufes ein aktuell bedeutsames Thema. Professor Dr. Christoph Friedrich vom Institut für Geschichte der Pharmazie der Uni Marburg stellte in seinem Vortrag die verschiedenen Entwicklungsstationen und die künftigen Perspektiven des Berufes dar.

 

Der Apothekerberuf entstand im Mittelalter durch die Zunahme pharmazeutischer Kenntnisse im arabischen Kalifat. Dies führte zur Arbeitstrennung zwischen Medizinern und Apothekern. Erstaunlich ist, dass pharmazeutische Kenntnisse während dieser Zeit und bis in das 18./19. Jahrhundert handwerklich vermittelt wurden. In dieser Ära war das Ansehen des Apothekers mit seinem wirtschaftlichen Erfolg verbunden und so zählten sie zur ehrbaren Schicht der Gesellschaft. Zu Wohlstand gelangten Apotheker durch Groß-, Fernhandel und Nebengeschäfte. Des Weiteren ist es den Apothekern gelungen, durch kommunales und politisches Engagement, zusätzliches Ansehen erreichen zu können.

Eine weitere wichtige Station des Berufes fand im 18./19. Jahrhundert statt, als so viele Apotheker wie nie zuvor und nie danach wissenschaftlich aktiv waren. In diesem Zeitraum wurden allein 500 Apotheker als Naturforscher in der »Deutschen Apotheker Biographie« erwähnt.

 

Das 19. Jahrhundert markierte auch einen großen Schnitt der Entwicklung des Apothekerberufes, da in dieser Zeit zahlreiche Apotheker als Gründer chemischer und pharmazeutischer Fabriken tätig waren. Die Herstellung der Medikamente fand immer seltener in der Apotheke statt.

 

Mit diesem kurzen Blick auf einige Stationen der Geschichte der Pharmazie kann man wichtige Perspektiven für die Zukunft des Apothekerberufes entwerfen:

 

  • Medizin und Pharmazie wurden zwar abgetrennt, aber die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und Apothekern gegen die Bürokratie und das Diktat der Kassen soll eng bleiben.
  • Eine angemessene pharmazeutische Aus-, Fort- und Weiterbildung ist von hoher Bedeutung, damit die Apotheker trotz der Konkurrenz der Chemiker, Biochemiker und Mediziner in den verschiedenen Bereichen des Berufes immer noch aktiv tätig werden können.
  • Politik und Medien tragen eine große Verantwortung, die Bedeutung des Berufes richtig darzustellen. Dabei spielen Kammer und Verbände eine entscheidende Rolle.

 

Abschließend hielt Ruth Ilchmann im Namen der Absolventen eine kurze Rede. Ilchmann: »Trotz eines sehr anstrengenden Semesters und Studiums können wir sehr dankbar sein, dass wir in einem Land leben dürfen, in dem Bildung möglich ist. Das ist nicht selbstverständlich und etwas Besonderes.« Sie bedankte sich im Namen der Absolventen bei den Eltern und Angehörigen sowie bei allen Mitarbeitern des Instituts. /

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