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Einsatz der Palliativpharmazie

19.11.2013  16:40 Uhr

»Die Palliativpharmazie umfasst alle pharmazeutischen Aspekte der Versorgung und Begleitung von Palliativpatienten und ihrer Angehörigen, unter anderem die Versorgung mit Arzneimitteln, Medikationsmanagement, die pharmazeutische Betreuung und die patientenindividuelle Herstellung von Rezepturen«, informierte Constanze Rémi aus Starnberg im Seminar »Palliativpatienten – Was kann der Apotheker tun?«.

 

Die Palliativpharmazie ende nicht mit dem Tod des Patienten, sondern beinhaltet gegebenenfalls auch die Nachbetreuung der Angehörigen. Die Referentin machte deutlich, dass das Leiden der Patienten zumeist mit komplexen Belastungen und Bedürfnissen bei einer Vielzahl gleichzeitig vorliegender Symptome einhergeht. Übelkeit, Erbrechen, Unruhe, Schmerzen, Atemnot: »Ein Problem kann das andere bedingen. Entschieden werden muss, an welcher Schraube als Erstes gedreht wird«, sagte sie.

 

Vor allem die Atemnot als subjektive Erfahrung von Atembeschwerden bestehe aus qualitativ unterschiedlichen Empfindungen mit wechselnder Intensität. Das Erleben resultiere aus verschiedenen physiologischen, psychologischen und sozialen Faktoren und sei seinerseits wiederum in der Lage, physiologische Reaktionen bis hin zur Panik aus Angst vor Ersticken zu steigern. Rémi betonte, dass mangelnde Aufklärung über Zusammenhänge die Angst verstärkt. In der symptomatischen Therapie kommen neben Gesprächs-, Physio-, Atem-, Musik- und Psychotherapie Opioide, Benzodiazepine und gegebenenfalls Sauerstoff zum Einsatz, der jedoch nicht reflektorisch, sondern wohlüberlegt eingesetzt werden sollte.

 

Neben Morphin gegen Schmerzen und Atemnot muss das Palliativnotfalldepot einer Apotheke stets auch Mid­azolam (Unruhe, Atemnot, Sedierung), Haloperidol (Übelkeit, Delir), Levomepromazin (Übelkeit) und Butylscopolamin (Rasselatmung) beinhalten. Der Apotheker müsse die Kontaktdaten lokaler Hospiz- und Palliativdienste kennen und weitervermitteln, gegebenenfalls mithilfe spezifischer Patienteninformationsblätter, die auch den Einstieg in ein Beratungsgespräch erleichtern.

 

»By the ladder, by the mouth, by the clock«: In Kenntnis der entsprechenden Leitlinie zur Schmerztherapie müsse der Apotheker auch in der Beratung von Ärzten und Pflegekräften alle Regeln zur professionellen Basis- und Bedarfsmedikation gemäß WHO-Schema transportieren und dabei zur Ent­mythifizierung der Opiat-Therapie beitragen. /

Constanze Rémi,

Stuttgart

 

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