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COPD-Therapie

Die Inhalation ritualisieren

19.11.2013  16:42 Uhr

Von Elke Wolf, Wiesbaden / Es ist eine Binsenweisheit: Der beste Arzneistoff kann nur dann wirken, wenn er auch da ankommt, wo er gebraucht wird. Im Falle einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) also im Bronchialsystem, um dort die verengten Atemwege dauerhaft zu erweitern. Der Handhabung des Inhalationsgerätes kommt insofern eine entscheidende Rolle zu.

»Solange wir den Patienten und das Inhalationssystem nicht zusammenbringen, wird aus der eigentlich genialen inhalativen Applikation eine katastrophale Therapie, bei der im Extremfall nichts vom Arzneistoff in den Bronchien ankommt«, verdeutlichte Dr. Thomas Voshaar vom Bethanien-Krankenhaus in Moers auf einer Pressekonferenz von Boehringer Ingelheim im Rahmen des Deutschen Aerosol Therapie Seminars in Wiesbaden. Die Schulung des Patienten beim Hausarzt, Pneumologen oder Apotheker ist für Voshaar essenziell.

 

»Ärzte und Apotheker sollten die Anwendung jedes Inhalators mit ihren Patienten einüben und sich zur Kontrolle diese auch immer mal wieder vorführen lassen«, appellierte der Lungenexperte. Untersuchungen haben ergeben, dass mehrere kleine Schulungen in zeitlichen Abständen effektiver sind als eine einmalige ausführliche Einweisung. »Dem Patienten muss verdeutlicht werden, dass eine Inhalationstherapie nicht mal eben nebenbei funktioniert. Das Prozedere, wie das Inhala­tionsgerät zu bestücken, zu spannen, zu öffnen und zu inhalieren ist, muss ritualisiert werden.«

 

»Entscheidend für den Therapie­erfolg ist vor allem, dass das Inhala­tionsgerät einfach zu handhaben ist«, sagte Voshaar. So sei ein Niedrig- Widerstandssystem nicht unbedingt von Vorteil. Denn die Wirkstoffpartikel würden dabei extrem schnell beschleunigt. So schnell, dass sie nicht mehr den sich verzweigenden Stromlinien der Atmungsluft in die tieferen Abschnitte des Respirationssystems folgen können und aufgrund ihrer Trägheit an der Gabelung von Atemwegen aufprallen: sie impaktieren. Voshaar präferierte vielmehr ein treibgasfreies Mehrdosisgerät wie den Respimat® Soft Inhaler, der aufgrund eines höheren Widerstands die Teilchen abbremst, sodass sie nicht im Rachen hängenbleiben, sondern beim Einatmen in die Bronchien befördert werden können. Der Inhalator erzeugt einen sich langsam bewegenden und lang anhaltenden Sprühnebel, der leicht einzuatmen ist. Ein forciertes Atemzugsmanöver ist nicht nötig. Nach dem Einatmen muss lediglich der Atem für rund drei Sekunden angehalten werden, damit der Wirkstoff Zeit hat, sich zu verteilen.

 

Studie rehabilitiert Soft-Inhaler

 

Boehringer Ingelheim brachte den Soft-Inhaler 2007 auf den Markt. Hintergrund war, dass vielen Patienten die Inhalation mit dem Vorgänger-Modell Handihaler® schwerfiel, da sie hier die Sprühwolke aktiv einatmen müssen. Beide enthalten den am häufigsten verordneten Arzneistoff in der Dauertherapie von COPD-Patienten: das lang wirksame Anticholinergikum Tiotropium (Spiriva®).

 

Doch schon bald standen Sicherheitsbedenken gegen den Respimat im Raum. Denn im Vergleich zum älteren Pulverinhalator kam es trotz niedrigerer Wirkstoffkonzentraion beim Respimat zu höheren Tiotropium-Serumspiegeln. Dies könnte aufgrund der positiven chronotropen und dromotropen Wirkung der Anticholinergika die kardialen Risiken erhöhen. Auch die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hegte Bedenken. Bislang ist Tiotropium Respimat in den USA nicht zugelassen.

 

Eine aktuelle Studie, die sogenannte TIOSPIR-Studie, die im »New England Journal of Medicine« erschien, dürfte jedoch dazu beitragen, diese Bedenken zu entkräften (doi: 10.1056/NEJMoa 1303342). »Diese Studie, die mit über 17 000 COPD-Patienten eine der bislang größten internationalen COPD-Untersuchungen darstellt, beweist das vergleichbare Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil der Inhalationsgeräte Handihaler und Soft-Inhaler Respimat«, fasste Professor Dr. Marek Lommatzsch von der Universitätsklinik Rostock zusammen. Eingeschlossen waren auch Patienten mit kardialen Erkrankungen.

 

Lang wirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten (LAMA) wie Tiotropium werden in nationalen und internationalen Leitlinien umfassend empfohlen. Dabei ist Tiotropium der Vorreiter. »Daten aus mehr als 190 klinischen Studien zu Tiotropium machen es zum Mittel der ersten Wahl, wenn es um den Start in die lang wirksame COPD-Therapie geht. Die Exazerbationsrate wird signifikant gesenkt«, so Lommatzsch. /

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