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Therapeutisches Klonen bei Primaten

20.11.2007
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Therapeutisches Klonen bei Primaten

Von Christina Hohmann

 

Wissenschaftler haben zum ersten Mal Primatenembryonen geklont und aus diesen Stammzellen gewonnen. Da auch Menschen zu den Primaten zählen, hat diese Arbeit zu Spekulationen geführt, wann therapeutisches Klonen bei Menschen möglich ist.

 

Shoukhrat Mitalipov und seine Kollegen von der Oregon Health and Science University in Portland klonten aus Hautzellen eines ausgewachsenen Rhesusaffen-Männchens Embryonen bis zum Blastocysten-Stadium. Aus diesen entnahmen sie embryonale Stammzellen, mit denen sie zwei genetisch identische Zelllinien etablierten. Das berichten die Forscher in der Onlineausgabe des Fachjournals »Nature«.

 

Hierfür wandten die Forscher die Methode des Kerntransfers an: Sie entnahmen die Zellkerne von adulten Hautzellen und setzten sie in entkernte Eizellen ein. Diese Methode ist aber nicht sehr effizient. Die Forscher benötigten 304 Eizellen, um 21 Embryonen zu erzeugen und daraus zwei Stammzelllinien zu gewinnen. Embryonalen Stammzellen wird ein großes therapeutisches Potenzial zugesprochen. Sie können zu verschiedenen Zellarten differenzieren und daher zum Beispiel dafür verwendet werden, zerstörtes Gewebe zu ersetzen. Dieses als therapeutisches Klonen bezeichnete Verfahren ist bei Primaten also möglich, wie Mitalipovs Arbeit zeigt.

 

Reproduktives Klonen ist dem Forscherteam aus Oregon aber nicht gelungen. Hierbei werden die Embryonen nicht zu einem frühen Zeitpunkt zerstört, um Stammzellen zu gewinnen, sondern Leihmüttern eingesetzt. Ziel ist es, einen zum Spender genetisch identischen Organismus zu schaffen. Berühmtestes Beispiel ist das Klonschaf Dolly, das 1996 geboren wurde. Einen Klonaffen konnten die Forscher um Mitalipov aber nicht erzeugen. Insgesamt 77 geklonte Embryonen hatten sie verschiedenen Leihmüttern eingesetzt. Alle starben nach wenigen Tagen ab. »Keine Schwangerschaft bestand bis zu Tag 25«, sagte Mitalipov gegenüber »Nature«.

 

Doch der Erfolg beim therapeutischen Klonen ist bestätigt: Ein unabhängiges australisches Forscherteam der Monash University in Victoria konnte nachweisen, dass die beiden Zelllinien tatsächlich das gleiche Erbgut enthalten wie das Spender-Affenmännchen. Seit dem Skandal um den südkoreanischen Wissenschaftler Woo Suk Hwang sind die Fachzeitschriften vorsichtiger geworden. Hwang hatte 2004 verkündet, Stammzellen aus geklonten menschlichen Embryonen geschaffen zu haben. Seine Erfolge hatten sich aber später als Fälschungen herausgestellt.

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