Pharmazeutische Zeitung online
Interview

Trügerisches ­Riechen

14.11.2016
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Von Nicole Schuster / Als Sinnestäuschungen sind Phantosmien eine besondere Art der Riechstörung. Über Diagnose und ­Behandlung sprach Professor Dr. Michael Damm, Facharzt für HNO-Heilkunde und Spezielle Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie, aus Köln mit der Pharmazeutischen Zeitung.

PZ: Phantosmie, auch als Geruchshalluzination bezeichnet, lässt vom Namen her einen Bezug zur Schizophrenie vermuten. Gibt es tatsächlich einen ­Zusammenhang?

 

Damm: Bei der Phantosmie haben ­Patienten eine angenehme oder unangenehme Geruchswahrnehmung, obwohl keine entsprechende Duftquelle vorhanden ist. Diese Form der Sinnestäuschung kann als Symptom einer Schizophrenie auftreten. Häufiger aber treten solche Geruchshalluzinationen als postinfektiöse oder posttraumatische Riechstörung auf oder auch als frühes Symptom von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson. In sehr seltenen Fällen kann auch ein Tumor im Bereich des Riechnervens oder eines Riechzentrums für die Phantosmie verantwortlich sein.

 

PZ: Wie stellen Patienten fest, dass sie unter Phantosmie leiden? Es kommt ja auch bei Gesunden mitunter vor, dass sie etwas riechen, die Geruchsquelle aber noch nicht kennen.

 

Damm: Wir alle riechen hin und wieder etwas, ohne es direkt zuordnen zu können. Solange die Wahrnehmung nicht als unangenehm oder bedrohlich empfunden wird, blenden wir es meist aus. Geschieht es jedoch gehäuft, dass jemand Gerüche wahrnimmt, für die sich keine Duftquelle finden lässt, und teilt auch niemand anderes im Umfeld die Empfindung, kann es sich um eine Phantosmie handeln. Für die Betroffenen ist diese Entdeckung meist sehr ­beunruhigend.

 

PZ: Wie diagnostizieren Ärzte eine Phantosmie?

 

Damm: Um das Riechvermögen des Patienten zu bewerten, ist ein quantitativer und qualitativer Riechtest erforderlich. Bei der Diagnose ist auch die Suche nach der Ursache wichtig. Bei bakteriellen Infekten kann es vorkommen, dass Patienten über eine »Stinknase« klagen. Dieses schlechte Riechen ist aber meist nur vorübergehend. Mit einer Endoskopie der Nase kann der Hals-Nasen-Ohren-Arzt das abklären. Empfehlenswert ist auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem Neurologen. Mit bild­gebenden Verfahren – meist der ­Magnetresonanztomografie – kann er ­sicherstellen, dass keine neurolo­gischen Schäden oder Tumorerkrankungen des Gehirns die Beschwerden auslösen.

 

PZ: Wie sieht die Therapie aus?

 

Damm: Die Behandlung der Phantosmie richtet sich nach der Ursache, sofern diese gefunden werden kann. Sind die Geruchsveränderungen ein frühes Symptom einer neurodegenerativen Krankheit wie Parkinson, kann durch eine zeitnahe medikamentöse Therapie das Auftreten von motorischen Symptomen wahrscheinlich hinausgezögert werden. Sind tatsächlich einmal psychische Erkrankungen der Auslöser, können Psychotherapeuten oder Psychiater eine geeignete Behandlung festlegen.

 

PZ: Kann sich eine Phantosmie auch spontan zurückbilden?

 

Damm: Ja, durchaus. Das ist häufig bei der postinfektiösen oder posttraumatischen Phantosmie der Fall. Hier hilft oft Abwarten oder wahrscheinlich auch ein Riechtraining, sofern der Arzt andere mögliche Ursachen ausgeschlossen hat. /

 

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