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Hautkrebs

Herztod nach intensiver Immuntherapie

16.11.2016
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Von Sven Siebenand / Die kombinierte Gabe der Immuntherapeutika Ipilimumab (Yervoy®) und Nivolumab (Opdivo®) hat bei zwei Hautkrebs­patienten zu einer tödlich verlaufenden Herzmuskelentzündung geführt.

 

Wie ein Autorenteam um Dr. Javid J. Moslehi vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville im »New England Journal of Medicine« informiert, entwickelte sich in beiden Fällen sehr schnell eine Myokarditis mit Rhabdomyolyse, nachdem die Kombinationstherapie mit den zwei Checkpoint-Inhibitoren gestartet war (DOI: 10.1056/NEJMoa 1609214).

Ursache ungeklärt


Nicht selten werden diese beiden Wirkstoffe beim malignen Melanom zusammen eingesetzt. Wie es in dem Fach­magazin heißt, müssen aber rund 40 Prozent der Patienten die Therapie wegen immunbezogener Nebenwirkungen abbrechen. Dass die beiden Todesfälle mit der kombinierten Checkpoint-Blockade im Zusammenhang stehen, gilt als wahrscheinlich. Die Obduktion ergab, dass im Herzmuskel die gleichen T-Zellen in hoher Menge vorhanden waren, die auch die Hautkrebszellen angreifen und abtöten sollen. Warum es zu dieser seltenen Nebenwirkung kommt, die Studien zufolge bei 0,27 Prozent der mit Nivolumab und Ipilimumab behandelten Patienten auftritt, ist noch nicht geklärt. Es könnte sein, dass eine zusätzliche subklinische virale Infektion als Angriffspunkt für die aktivierten T-Zellen fungierte. Einer der beiden Patienten war mit dem Epstein-Barr-Virus infiziert, im zweiten Fall konnte das Herpes-simplex-Virus-1 im Herz­gewebe nachgewiesen werden.

 

Die Autoren empfehlen, vor einer doppelten Immuntherapie ein EKG bei den Patienten durchzuführen. Während der Behandlung sollten die Ärzte die Troponin-Spiegel im Auge behalten. Dieser Marker war bei den beiden verstorbenen Patienten rasch ange­stiegen. /

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