Pharmazeutische Zeitung online

Apothekerverband Nordrhein

09.11.2015  15:11 Uhr

Apothekerverband

1. Wie ist Ihre Organisation/sind die Apotheker in die Flüchtlingshilfe eingebunden?

Bezüglich pharmazeutischer und organisatorischer Fragestellungen der Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge findet gemeinsam mit der Apothekerkammer Nordrhein ein intensiver und kontinuierlicher Austausch statt. Als Apothekerverband sind wir zurzeit in gezielten und konstruktiven Gesprächen bzgl. Abrechnungsfragen mit der Bezirksregierung Arnsberg, die die Kosten für die Asylsuchenden übernimmt, bis diese den Kommunen zugewiesen werden.


2. Arbeiten Sie mit anderen Organisationen zusammen? Wenn ja, wie sieht diese Zusammenarbeit aus?

Ja (siehe Antwort 1.), erst letzten Freitag (09.10.2015) wurde ein gemeinsames Informationsfax an alle Apotheken in Nordrhein versendet (Fax wird zur Info mitgesendet). Darüber hinaus mit dem Apothekerverband Westfalen-Lippe, da die Kostenübernahme für NRW einheitlich geregelt werden soll (siehe dazu auch Antwort 1., 2. Absatz).


3. Haben Sie in Ihrer Organisation Personen direkt für die Flüchtlingshilfe abgestellt?

Nein.


4. Wie viel Aufwand bedeutet dies  für Sie?

Der Aufwand bewegt sich in einem anlassbezogenen Abstimmungsrahmen.


5. Wie ist die Erstattung der Rezepte geregelt?

Zum Thema „Abrechnungen von Verordnungen für Asylbewerber in den zentralen Erstunterbringungseinrichtungen des Landes NRW“ wurden die Verbandsmitglieder bereits am  6. August 2015 informiert: „Abrechnungen von Verordnungen für Asylbewerber in den zentralen Erstunterbringungseinrichtungen des Landes NRW.

 

Aktuell erreichen uns vermehrt Rückfragen aus Apotheken zur Abrechnung von Verordnungen für Asylbewerber in den zentralen Erstunterbringungseinrichtungen des Landes NRW: Die Bezirksregierung Arnsberg ist der zuständige Kostenträger für Asylbewerber in den zentralen Erstunterbringungseinrichtungen des Landes NRW und übernimmt deren Krankenhilfe bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Asylbewerber einer Stadt oder Gemeinde zugewiesen wird.

Diese hat uns auf unsere Anfrage aktuell bestätigt, dass Verordnungen für Asylbewerber in Erstunterbringungseinrichtungen in NRW zu den Konditionen des Arzneimittellieferungsvertrages NRW sowie des Hilfsmittellieferungsvertrages mit den Primärkassen in NRW beliefert werden können.

Voraussetzung dafür ist, dass die Bezirksregierung Arnsberg als Kostenträger angegeben ist und die Adresse der jeweiligen Erstunterbringungseinrichtung als vorläufige Adresse des Asylsuchenden auf der Verordnung angegeben ist.

Bitte beachten Sie zudem folgende Sonderregelungen: Asylbewerber sind sowohl von der Entrichtung der Zuzahlung als auch von der Übernahme etwaiger Mehrkosten befreit. Wichtig ist, dass das „Gebühr-frei“-Feld angekreuzt ist. Ausnahmsweise dürfen apothekenpflichtige Arzneimittel bei entsprechender Verordnung auch an Erwachsene abgegeben werden (die Einschränkungen der Anlage I der Arzneimittelrichtlinie gelten insoweit nicht). Eine direkte Belieferung von Dauerverordnungen bzw. Mieten (z. B. Milchpumpen) ist grundsätzlich nicht möglich. Bitte reichen Sie entsprechende Verordnungen zur Genehmigung ein. Die Abrechnung erfolgt wie üblich über Ihr Apothekenabrechnungszentrum.

Den Arzneimittellieferungsvertrag NRW sowie den Hilfsmittellieferungsvertrag NRW finden Sie im Internet unter www.av-nr.de im geschlossenen Mitgliederbereich unter Verträge Primärkassen.

Bitte beachten Sie: Ab der Zuweisung eines Asylbewerbers zu einer Stadt oder Gemeinde ist die jeweils zuständige Stelle (in der Regel das örtliche Sozialamt) der neue Kostenträger für die Erstattung der Krankenhilfe, welche dann auf der Verordnung angegeben sein muss. Hier gilt dann der bestehende Arzneilieferungsvertrag Asylbewerber mit dem Städte- und Gemeindebund NRW. Dieser Vertrag umfasst auch die Versorgung mit Hilfsmitteln. In der Praxis erklären sich die auf der Verordnung angegebenen Kostenträger gelegentlich für unzuständig und verweisen zu Erstattungszwecken an eine andere Behörde oder an eine Krankenkasse.

Wir weisen nochmals darauf hin, dass eine Prüfpflicht der Apotheken hinsichtlich der Zuständigkeit des angegebenen Kostenträgers sowie hinsichtlich der Verordnungsfähigkeit des verordneten Mittels gemäß § 4 Absatz 2 des Arzneilieferungsvertrages Asylbewerber nicht besteht.

Auch gegenüber den zuständigen Stellen der Städte und Gemeinden besteht eine entsprechende Zuzahlungs- und Mehrkostenbefreiung und die Abgabemöglichkeit für apothekenpflichtige Arzneimittel.“

Aktuell wird derzeit noch eine Vereinbarung mit der Bezirksregierung abgestimmt, um die Punkte aus dem Rundfax sowie weitere offene Punkte vertraglich zu regeln (siehe dazu auch Antwort 1., 2. Absatz).  


6. Gibt es zurzeit Probleme bei der Belieferung von Rezepten (mögliche Retax-Fallen, Rabattverträge)?

Bis auf einzelne Anfragen, sind uns keine Probleme bekannt.


7. Wie läuft die Versorgung konkret ab?
a) Gibt es besondere Rezeptvordrucke, -aufdrucke?

Es soll das Muster 16 verwendet werden.

b) Wie sieht es mit Zuzahlungen aus?   

Es sind keine Zuzahlungen zu leisten.

c) Kann jedes verordnete Medikament ohne Probleme abgegeben wercen, also auch sehr hochpreisige Arzneimittel wie Sovaldi?

Ja, grundsätzlich kann jedes verordnete Medikament unter Einhaltung der abgaberechtlichen Vorschriften aus dem Arzneiliefervertrag NRW abgegeben werden. Bei Auffälligkeiten zur verordneten Menge (z. B. Versorgungszeitraum über mehrere Monate) oder sonstigen Widersprüchlichkeiten empfehlen wir die Rücksprache mit dem Verordner.

 

8. Wie sind die Apotheker in die Erstversorgung der Asylbewerber in den Erstaufnahmestellen eingebunden?

Das Gesundheitsministerium in NRW setzt auf die bewährten freiberuflichen Strukturen der öffentlichen Apotheken. Das heißt: Die Versorgung der Flüchtlinge mit Arzneimitteln soll ausschließlich dezentral über die inhabergeführten wohnortnahen Apotheken erfolgen. Die Einrichtung einer zentralen Arzneimittel-Beschaffungsstelle bzw. eines Arzneimittellagers in der Einrichtung selbst ist ausdrücklich nicht vorgesehen!

 

9. Gibt es in Ihrem Bereich Apotheker, die sich besonders intensiv um Flüchtlinge kümmern?

Davon gehen wir aus, können wir aber von hier aus nicht konkret benennen (siehe dazu auch Antwort  auf Frage 8)


10. Wissen Sie, ob es registrierte Flüchtlinge gibt, die bereits in Apotheken arbeiten oder ein Praktikum absolvieren?

Uns sind Beispiele aus Düsseldorf und Essen bekannt.


11. Gibt es von Ihrer Organisation Informationen an Ihre Mitglieder oder speziell an Apotheken in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften,  was bei der Beratung von Flüchtlingen beachtet werden muss und wie eine Verständigung möglich?

Siehe dazu Antwort auf Frage 2 und Infofax AKNR und AVNR vom 9. Oktober 2015.

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