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Andere Umstände

12.11.2014  10:21 Uhr

Nicht nur Frauen leiden in ihrer Schwangerschaft unter Beschwerden wie Morgenübelkeit und Sodbrennen. Auch manch ein Partner tut das. Das Maß an Solidarität geht manchmal sogar so weit, dass auch der Bauch des Mannes dicker wird und Heißhunger- sowie Kopfschmerz­at­ta­cken zur Partnersache werden. Wissenschaftler sprechen in diesen Fällen vom Couvade-Syndrom. Die Bezeichnung leitet sich von couver ab, dem französischen Wort für Bemuttern. Bislang herrscht keine Einigkeit darüber, wie viele der Väter in spe sozusagen co-schwanger sind und auch die Ursachen des Syndroms sind längst nicht geklärt. Hormonschwankungen könnten ein Grund sein. Immerhin zeigen Untersuchungen, dass auch bei Männern im Laufe der Schwangerschaft der Partnerin die Spiegel von Prolaktin und auch die des weiblichen Sexualhormons Estradiol ansteigen.

 

Co-schwangerer Bald-Papa oder Frau in anderen Umständen? Für die Beratung in der Apotheke macht das einen großen Unterschied. Vor allem was die Selbstmedikation von Schwangeren betrifft, tragen wir Apotheker eine große Verantwortung. Ob gegen Übelkeit, Heuschnupfen oder Erkältung: Der Titelbeitrag dieses PZ-Schwerpunkthefts »Schwanger­schaft« widmet sich den für werdende Mütter geeigneten Therapieoptionen aus dem OTC-Bereich (lesen Sie dazu Schwangerschaft: Selbstmedikation oft erlaubt). Gleichzeitig zeigt der Artikel die Grenzen der Selbstmedikation auf. Denn in manchen Fällen ist eine Gang zum Arzt eben unausweichlich.

 

Mit dem Verweis an den Mediziner enden aber keineswegs die Informationsmöglichkeiten in der Apotheke. Viele Schwangere kommen mit einem Rezept zurück in die Offizin und erhalten hier bei der Abgabe von Rx-Präparaten eine kompetente Beratung. Auch zu Infektionen in der Schwangerschaft, die unter Umständen Mutter und Kind gefährden, können Apotheker informieren (Lesen Sie dazu Infektionen in der Schwangerschaft: Besondere Vorsicht geboten). Immerhin gibt es von Ernährung über Hygiene bis hin zu Impfstoffen einige Möglichkeiten, vorzubeugen.

 

Impfungen sind auch ein Thema für das Apothekenpersonal. Wer im Beruf täglich Kontakt zu Schwangeren hat, sollte auch zum Schutz der Mütter und Kinder auf den eigenen, den STIKO-Empfehlungen entsprechenden Impfschutz achten, um niemanden anzustecken. Das muss nicht einmal eine Kundin sein, auch für die schwangere Kollegin oder Chefin besteht Infektionsgefahr. Das Thema Schwangerschaft ist somit auch ein Personalthema. Fest steht: Der Klapperstorch schlägt nicht nur in Storchen-Apotheken zu und für schwangere Mitarbeiterinnen scheiden einige Apothekenaufgaben aus (Lesen Sie dazu Arbeitsrecht: Schwanger in der Apotheke). Diese Bestimmungen gelten allerdings nicht für co-schwangeres männliches Apothekenpersonal.

 

Sven Siebenand 

Stellvertretender Chefredakteur

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