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Orale Antikoagulanzien

Antidot in Phase II

12.11.2013
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Von Kerstin A. Gräfe / Ein Antidot gegen Faktor-Xa-Gerinnungshemmer könnte die Anwendung dieser neuen oralen Antikoagulanzien bald sicherer machen. In einer Phase-II-Studie konnte das Molekül Andexanet Alfa (PRT4445) dosisabhängig die gerinnungshemmende Wirkung von Rivaroxaban (Xa­relto®) aufheben. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten laut Hersteller Bayer nicht auf.

 

In der randomisierten, placebokontrollierten Proof-of-Concept-Studie zur Dosisfindung erhielten gesunde Probanden zunächst sechs Tage lang einmal täglich 20 mg Rivaroxaban. Anschließend erhielten sie als intravenöse Bolus­injektion entweder 210 mg oder 420 mg Andexanet Alfa beziehungsweise Placebo. 

Bereits zwei Minuten nach der Injektion sank die Anti-Faktor-Xa-Aktivität dosisabhängig um 20 und 53 Prozent. Ebenfalls dosisabhängig konnte das neue Molekül die durch Rivaroxaban ausgelöste Hemmung der Thrombin­bildung aufheben. Laut Bayer wurden keine Thrombosen oder ernsthafte Nebenwirkungen beobachtet.

 

Andexanet Alfa ist ein rekombinantes modifiziertes Faktor-Xa-Molekül. Ent­wickelt wurde es von der Firma Portola Pharmaceuticals. Im Blut bindet es an Faktor-Xa-Hemmer wie Rivaroxaban, Apixaban (Eliquis®) oder das in Deutschland nicht zugelassene Edoxaban (Lixiana®). Einmal an Andexanet Alfa gebunden, können diese nicht mehr an den Faktor Xa binden und ihn folglich auch nicht mehr hemmen. Die natürliche Gerinnungskaskade wird dadurch wieder hergestellt.

 

Auch die anderen Hersteller oraler Antikoagulanzien arbeiten unter Hochdruck an der Entwicklung eines Antidots. Für Dabigatran entwickelt Boehringer Ingelheim ein humanisiertes monoklonales Antikörperfragment, das den direkten oralen Thrombin-Inhibitor neutralisieren soll. Laut Hersteller konnte das Antikörperfragment in präklinischen Studien den gerinnungshemmenden Effekt von Dabigatran sicher, wirksam und schnell aufheben. Das spezifische Gegenmittel befindet sich derzeit in Phase I der klinischen Prüfung.

 

Die Firma Perosphere entwickelt das Breitspektrum-Antidot PER977 gegen alle neuen oralen Antikoagulanzien. Der synthetische niedermolekulare Wirkstoff bindet sowohl direkt an Heparine als auch an zirkulierende direkte Faktor-Xa- und -IIa-Inhibitoren und antagonisiert deren gerinnungshemmende Wirkung. Den Startschuss für eine Phase-I-Studie gab Mitte des Jahres die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA. /

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