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Examensfeier

Zeugnisübergabe an Apotheker in spe

08.11.2007
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Examensfeier

Zeugnisübergabe an Apotheker in spe

Von Sven Siebenand, Mainz

 

Im Rahmen einer Feierstunde nahmen die frischgebackenen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz ihre Zeugnisse des Zweiten Staatsexamens in Empfang.

 

»Sie können stolz sein auf die abgeschlossene universitäre Ausbildung«, beglückwünschte Professor Dr. Ulf Pindur vom Institut für Pharmazie die Absolventinnen und Absolventen. Das Pharmaziestudium gehöre schließlich zu den schwersten und lernintensivsten Studienfächern überhaupt.

 

Spagat zwischen Ethik und Monetik

 

In seinem Grußwort ging Pindur darauf ein, dass der Apotheker ein wichtige Vermittlerrolle zwischen Arzt und Patient innehat. Als Apotheker könne man in zahlreichen Bereichen tätig sein. »Seit Jahren ist der Bedarf an Apothekern ungebrochen und es gibt viele freie Stellen«, prophezeite er den frischgebackenen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten gute Berufsaussichten. Allerdings müsse man auch an beruflichen Reformen mitarbeiten.

 

Zum Thema Beratung in der Apotheke hatte Pindur Erfreuliches anzumerken: »In internationalen Reiseführern wird häufig darauf hingewiesen, dass die Apotheker in Deutschland außerordentlich kompetent sind.«

 

Auf das Thema Beratung und den Umgang mit Arzneimitteln ging auch der nächste Gratulant, Dr. Andreas-Georg Kiefer, ein. Arzneimittel seien keine Konsumgüter, sondern eher Anti-Konsumgüter, so der Präsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz. »Ist es sinnvoll, wenn 300 Schmerztabletten für weniger als 10 Euro zu kaufen sind«, fragte er. Arzneimittel sind Waren der besonderen Art und das muss man auch verteidigen, so Kiefer weiter. Im Endeffekt bedeute das einen Spagat zwischen Beratung und erfolgreicher Betriebsführung.

 

Im weiteren Verlauf seiner Rede gab der Apotheker den Absolventinnen und Absolventen zwei weitere Gedanken mit auf den Weg. Zum einen: »Engagieren Sie sich in der beruflichen Selbstverwaltung.« Zum anderen: »Glauben Sie nicht alles und jedem, und behalten Sie ihre kritische Auffassung bei.«

 

Absage an den Bachelor

 

Heike Schückes, Leiterin des Landesprüfungsamtes für Studierende der Medizin und Pharmazie in Rheinland-Pfalz, schloss sich den Glückwünschen ihrer Vorredner an. Sie räumte ein, dass das Pharmaziestudium verschulter ist als andere Fächer. Das habe aber den Vorteil, dass man das Studium sehr zügig absolvieren kann.

 

Schückes motivierte die Absolventinnen und Absolventen, lebenslang zu lernen und sich an Notwendigkeiten anzupassen. Aufgabe der Universitäten sei es, bessere Weiterbildungslehrgänge für die Praxis anzubieten.

 

Obwohl die Harmonisierung im Zuge des Bologna-Prozesses generell zu begrüßen sei, erteile Schückes dem Bachelor-Abschluss in Pharmazie eine klare Absage. Dafür gebe es weder ein Berufsbild noch Bedarf. »Der Bachelor-Studiengang würde zulasten des Approbations-Studiengangs gehen und zum Approbierten-Mangel führen«, betonte die Referentin.

 

Wie Pindur unterstrich Schückes, dass die Berufsaussichten für Apotheker hervorragend sind. Das liege neben der guten Ausbildung daran, dass die Gesundheitsbranche ein Zukunftsmarkt ist. Ein Grund dafür sei der demografische Wandel.

 

Biochemie des Alterns

 

Auf die alternde Gesellschaft ging auch der Festredner, Professor Dr. Christian Behl von der Universität Mainz, in seinem Vortrag »Oxidativer Stress und die Biochemie des Alterns« ein. Altern ist ein physiologischer Prozess, der gesamte Körper ist davon betroffen, so der Biologe. Zum Beispiel verlieren die Atmungsorgane an Elastizität, die Gefäßwände verkalken und der Hormonhaushalt verändert sich. Besonders vom Alterungsprozess betroffen ist das Gehirn. Hauptproblem sei die Hypoperfusion, die Unterversorgung mit Sauerstoff. Infolgedessen komme es zu Schwindel, Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen oder auch zu Schlaganfällen. Behl informierte, dass das Altern des Gehirns bereits relativ früh beginnt. Schon ab dem 26. Lebensjahr finden im Gehirn weniger synaptische Umbauprozesse statt.

 

Im Folgenden stellte der Referent verschiedene biochemische Theorien des Alterns vor. Nach der Seneszenzgentheorie ist die Aktivität definierter Genprodukte die Ursache für Einleitung und Forschreiten des Alterungsprozesses.

 

Idee der Telomertheorie ist dagegen, dass die stete Verkürzung der Chromosomen die Lebensdauer einer Zelle vorgibt. Behl informierte, dass beschleunigte Telomerverkürzung zu Syndromen mit beschleunigtem Altern führt. Das sei zum Beispiel beim Down-Syndrom und beim Werner-Syndrom der Fall.

 

Mitochondriales Cystein entscheidend

 

Die Stoffwechseltheorie des Alterns geht davon aus, dass eine eingeschränkte Nahrungszufuhr zu weniger toxischen Nebenprodukten wie freie Radikale führt und dadurch die Lebensspanne erhöht.

 

Freie Radikale stehen auch im Mittelpunkt der häufig favorisierten Alternstherorie, der Theorie des oxidativen Stresses (freie Radikaltheorie). Demnach ist die Bildung von reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies das Hauptproblem. Die Radikale oxidieren zum Beispiel Nukleinsäuren, was dazu führt, dass die Stränge verkleben. Zudem oxidieren sie Proteine und Membranlipide. Behl informierte, dass viele Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Alzheimer und Schlaganfall mit erhöhtem oxidativen Stress verbunden sind. Interessant auch, dass oxidativer Stress seine Spuren in den Genen hinterlässt. So zeigten Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen dem mitochondrialen Cystein-Gehalt und der Lebensspanne einer Species. Je niedriger der Gehalt dieser leicht oxidierbaren Aminosäure, desto länger die Lebensspanne.

 

Auffällig ist zudem, dass in der Natur die Aminosäuren Thyrosin und Tryptophan in den primären Oxidationszielen, den Membranproteinen, stark angereichert sind. Diese beiden Aminosäuren üben wohl essenzielle antioxidative Funktionen in der Lipidmembran aus und schützen die Zelle vor oxidativer Zerstörung, so Behl. Ein Schutz vor oxidativem Stress könnten daher Lipide mit Tyrosin- beziehungsweise Tryptophan-Resten sein.

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