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7. Nachtrag zum Europäischen Arzneibuch

13.11.2007
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7. Nachtrag zum Europäischen Arzneibuch

Von Karsten Albert

 

Das Europäische Arzneibuch, 5. Ausgabe, wurde zum 1. November 2007 um den 7. Nachtrag erweitert. Das Supplement enthält neben 17 neuen Monografien auch zahlreiche Änderungen der allgemeinen und speziellen Vorschriften.

 

Das Europäische Arzneibuch, 5. Ausgabe, (Ph. Eur. 5.0) wird mit der Publikation des 7. Nachtrags (Ph. Eur. 5.7) fortgeschrieben. Dieser Band ist die deutsche Übersetzung des »European Pharmacopoeia Supplement 5.7«, das am 15. September 2006 veröffentlicht wurde (1). Die Bundesrepublik Deutschland ist vertraglich verpflichtet, von der Europäischen Arzneibuch-Kommission beschlossene Texte entsprechend § 55 Abs. 2 Arzneimittelgesetz in geltende Normen zu überführen.

 

Aktuell besteht das Europäische Arzneibuch aus dem zweibändigen Grundwerk Ph. Eur. 5.0 und den Nachträgen Ph. Eur. 5.1 bis 5.7. Wie seine Vorgänger ist auch der neue Nachtrag nicht kumulativ, das heißt, nur alle neun Bände zusammen sind die gültige Ph. Eur. Das Werk ist mittlerweile auf die stolze Zahl von 6989 Seiten angewachsen und dadurch recht unübersichtlich geworden. Umso wichtiger ist es, die jeweils gültige Fassung einer Vorschrift über das aktuelle Gesamtregister des Nachtrags 5.7 finden zu können.

 

Neue Monografien

 

Im 7. Nachtrag werden allgemeine Texte und spezielle Monografien erstmals veröffentlicht.

 

2.4.31 Nickel in hydrierten pflanzlichen Ölen

Bestimmung von Aflatoxin B1 in pflanzlichen Drogen

Baldriantinktur

Mit wässrig-alkoholischen Mischungen hergestellter Baldriantrockenextrakt

Getrocknetes Eisen(II)-sulfat

Helium

Hydrocodonhydrogentartrat-2,5-Hydrat

Leflunomid

Natrium[99Mo]molybdat-Lösung aus Kernspaltprodukten

Eingestellte Opiumtinktur

Eingestellter Opiumtrockenextrakt

Pelargoniumwurzel

Spectinomycinsulfat-Tetrahydrat für Tiere

Tamsulosinhydrochlorid

Tibolon

Indischer Weihrauch

Yohimbinhydrochlorid

 

Die europäischen Vorschriften für Baldriantinktur, Baldriantrockenextrakt, Hydrocodonhydrogentartrat-2,5-Hydrat und Eingestellte Opiumtinktur sind Weiterentwicklungen der entsprechenden Monografien im Deutschen Arzneibuch (DAB). Außerdem wird die Monografie des Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) für Indischen Weihrauch abgelöst. Sie wird Mitte nächsten Jahres im DAC 2008 gestrichen.

 

Revidierte Monografien

 

Einige schon bestehende Monografien der Ph. Eur. 5.0 bis 5.6 werden mit dem Erscheinen des 7. Nachtrags revidiert (2). Unter anderem werden auch eine allgemeine Monografie und mehrere Prüfvorschriften für Ausgangsstoffe geändert, die für die Herstellung von Arzneimitteln in der Apotheke wichtig sind:

 

Substanzen zur pharmazeutischen Verwendung: Im Abschnitt »Definition« wird jetzt ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die genannten Anforderungen nicht für pflanzliche Drogen, Zubereitungen aus pflanzlichen Drogen oder Extrakte gelten, da diese in gesonderten allgemeinen Monografien beschrieben werden. Die Anforderungen an die Reinheit von organischen Substanzen zur pharmazeutischen Verwendung sind hinsichtlich der zulässigen Nebenprodukte so hoch, dass die aufgeführten Stoffe natürlichen Ursprungs die geltenden Grenzwerte nicht einhalten können.

Artischockenblätter: Die mikroskopische Identifizierung einer Droge wird in der Ph. Eur. zum ersten Mal durch eine gezeichnete Abbildung der wichtigsten anatomischen Merkmale des Blattes wesentlich erleichtert. Damit übernimmt die Ph. Eur. eine Vorgehensweise, die sich im DAC seit vielen Jahren bewährt hat.

Baldrianwurzel: Unter Berücksichtigung der Marktsituation wird der Mindestgehalt an ätherischem Öl in der Ganzdroge von 5 auf 4 ml/kg und der Mindestgehalt an Sesquiterpensäuren in der Schnittdroge von 0,17 auf 0,10 Prozent (m/m) gesenkt. Der Abschnitt »Eigenschaften« ist komplett entfallen und damit fehlt auch eine Angabe zum typischen Geruch der Droge. Bedauerlicherweise ist damit eine schnelle und durchaus auch charakteristische Möglichkeit zur sensorischen Identifizierung der Baldrianwurzel in der Ph. Eur. nicht mehr enthalten. Weitere Änderungen betreffen die mikroskopische Beschreibung, die dünnschichtchromatografische Identifizierung und die Gehaltsbestimmung. Um die Validität der Dünnschichtchromatografie zu verbessern, werden die bisher verwendeten Referenzsubstanzen Fluorescein und Sudanrot G durch die in Baldrianwurzel enthaltenen Leitsubstanzen Valerensäure und Acetoxyvalerensäure ersetzt.

Wasserfreies Calciumhydrogenphosphat, Calciumhydrogenphosphat-Dihydrat: Die neuen Vorschriften sind das Ergebnis harmonisierter europäischer, amerikanischer und japanischer Monografien. Zur Angleichung waren umfangreiche Änderungen der Prüfungen auf Reinheit und der Gehaltsbestimmung erforderlich.

Mikrokristalline Cellulose, Cellulosepulver: Die Europäische Arzneibuch-Kommission hat beschlossen, Monografien für Hilfsstoffe nach Möglichkeit um die Aufnahme des Anhangs »Funktionalitätsbezogene Eigenschaften« zu erweitern. In diesem nicht verbindlichen Teil werden Prüfmethoden zur Bestimmung physikalischer oder physikalisch-chemischer Eigenschaften angegeben, die für die Eignung eines Hilfsstoffes für einen bestimmten Verwendungszweck wichtig sind. Auf der Basis dieser Vorgaben können dann zwischen dem Lieferanten des Hilfsstoffes und dem Arzneimittelhersteller im Einzelfall sinnvolle Spezifikationen vereinbart werden. Für die unterschiedlichen Cellulosequalitäten ist zum Beispiel eine nähere Charakterisierung hinsichtlich des Polymerisationsgrades, der Kristallinität, der Partikelgrößenverteilung und des Fließverhaltens vorgesehen.

Hypromellose, Methylcellulose: Neben Änderungen bei der Prüfung auf Identität werden auch in diesen Monografien ausführliche Angaben zu den funktionalitätsbezogenen Eigenschaften, besonders »Viskosität« und »Substitutionsgrad« gemacht.

Natriumcalciumedetat: Im Zuge der internationalen Harmonisierung der Vorschriften im Amerikanischen, Japanischen und Europäischen Arzneibuch werden die Prüfungen auf »Natrium«, »Chlorid«, »Wasser« und die Gehaltsbestimmung geändert.

Phenylephrin, Phenylephrinhydrochlorid: Die halbquantitative Dünnschichtchromatografie auf verwandte Substanzen wird durch eine genauer auszuwertende Hochdruckflüssigkeitschromatografie ersetzt. Die verbesserte Reinheitsprüfung erfasst auch Zersetzungsprodukte mit Ketonstruktur und deshalb entfällt in den neuen Monografien die früher dafür vorgesehene spektralphotometrische Prüfung.

 

Literatur

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European Pharmacopoeia, Supplement 5.7 to the 5th Edition, Council of Europe, Strasbourg, France, 2006.

N.N., Comments concerning some revised/corrected texts published in supplement 5.7, Pharmeuropa 18 (2006) 535-539.

 

Anschrift des Verfassers:

Dr. Karsten Albert

Deutscher Arzneimittel-Codex

Carl-Mannich-Straße 20

65760 Eschborn

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