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Verhütungsspritze für Männer

Wirksam, aber zu viele Nebenwirkungen

09.11.2016
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Von Daniela Hüttemann / Eine Studie mit einem hormonellen Verhütungsmittel für Männer ist frühzeitig abgebrochen worden. Zwar verhinderte die injizierte Hormonkombination wie gewünscht verhältnismäßig zuverlässig die Spermienproduktion.

 

Als Nebenwirkung traten jedoch häufig Akne, Schmerzen an der Injektionsstelle, verminderte Libido und Stimmungsschwankungen auf. Während der Studie kam es auch zu einem Fall von Depression und einem Fall von Herz-Rhythmus-Störungen.

 

Aufgrund der unerwünschten Wirkungen wurde die internationale Studie unter Federführung der Weltgesundheitsorganisation frühzeitig abgebrochen, berichtet eine Autorengruppe um Professor Dr. Hermann M. Behre vom Universitätsklinikum Halle im »Journal of clinical endocrinology and metabolism«. Die Forscher führen als Grund vor allem die häufig aufgetretenen milden bis moderaten Stimmungsschwankungen an (DOI: 10.1210/jc.2016-2141).

 

Teilgenommen hatten 320 gesunde Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren mit ihren Partnerinnen im Alter von 18 bis 38 Jahren, alle ohne bekannte Empfängnisprobleme. Die Studie fand an verschiedenen Standorten statt, unter anderem in Halle-Wittenberg und Münster. Die Männer bekamen alle acht Wochen eine intramuskuläre Injektion mit 200 mg Norethisteron und 1000 mg Testosteronundecanoat. Beide Hormone unterdrücken über negative Rückkopplung an der Hypophyse die Spermienproduktion.

 

Bei 96 Prozent der Teilnehmer verringerte die Hormonkombination die Samenproduktion auf unter 1 Million Spermien pro Milliliter. Unter Wissenschaftlern ist umstritten, ob diese Menge noch für eine Befruchtung ausreicht. Während der Wirkphase, in der die Paare auf eine zusätzliche Verhütung verzichteten, traten vier Schwangerschaften bei Partnerinnen von 266 männ­lichen Probanden ein, was einer Rate von 1,57 Prozent entspricht und als akzeptabel gilt. Wenn Frauen orale Kontrazeptiva konsequent anwenden, liegt die Rate unter 1 Prozent.

 

Ein Jahr nach Ende der Behandlung war die Spermienbildung bei 95 Prozent der Teilnehmer wieder angelaufen. 20 Männer brachen die Studie aufgrund von Nebenwirkungen ab. 75 Prozent der Teilnehmer gaben dagegen an, sie würden diese Verhütungsmethode weiterverwenden, wenn sie zur Verfügung stünde.

 

Das Medikament soll nun nicht weiterentwickelt werden. Aus Sicht der Forscher belegt die Studie jedoch, dass eine hormonelle Verhütung bei Männern möglich ist. Es müsse weiter nach den richtigen Wirkstoffen und ihrer Kombination gesucht werden, um höchste Wirksamkeit und Sicherheit zu gewährleisten. /

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