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Großhandel

Noweda übernimmt Ebert & Jacobi

09.11.2016
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Von Daniela Hüttemann / Übernahmecoup im Pharmagroßhandel: Zum 1. Januar 2017 übernimmt die Apothekergenossenschaft Noweda den bislang inhabergeführten Pharmagroßhändler Ebert & Jacobi aus Würzburg. Noweda stärkt damit ihre Präsenz im Süden und ihre Marktposition gegenüber der Konkurrenz.

Wie Noweda vergangene Woche mitteilte, gehen neben dem Unternehmenssitz von Ebert & Jacobi in Würzbur­g auch die Niederlassung Heidenheim/Brenz sowie die Tochterunternehmen Spangropharm in Nordhessen und Ebert & Jacobi Finze in der Oberpfalz auf Noweda über. Mitinhaber Ralph Schüller soll auch weiterhin Geschäftsführer bleiben.

 

Pharma Privat geschwächt

 

»Die Belieferungsgebiete von Noweda und Ebert & Jacobi ergänzen sich in idealer Weise«, kommentierte Wilfried Hollmann, Vorstandsvorsitzender der Noweda, den Zukauf. Die Übernahme fördere die genossenschaftliche Idee, schaffe eine noch breitere Basis für die Interessenvertretung der inhabergeführten Apotheken und stärke damit deren Position. Geschwächt sieht sich dagegen Pharma Privat, die Kooperation der inhabergeführten Pharmagroßhändler, aus der Ebert & Jacobi nun ausscheidet. Dort ist man überrascht, dass Noweda den Zuschlag trotz laufender Verhandlungen mit Pharma Privat bekommen habe.

 

Mit Ebert & Jacobi fällt für Pharma Privat ein wichtiges Mitglied weg. Bislang hatte Pharma Privat nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 8,5 Prozent. Als Marktführer im deutschen Pharmagroßhandel gilt die Phoenix Aktiengesellschaft mit 28 Prozent Marktanteil, gefolgt von Noweda (bislang 18 Prozent), Gehe (16 Prozent), Sanacorp (15 Prozent) sowie Alliance Healthcare (14 Prozent).

 

In einem wettbewerbsintensiven Markt war Noweda für Ebert & Jacobi-Geschäftsführer Schüller der richtige Partner, »um langfristig unser Unternehmen und unsere Betriebsstätten und damit die Arzneimittelversorgung unserer Kunden sowie die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter weiterzuentwickeln.«

 

Ebert & Jacobi wurde 1884 als Familienunternehmen in Rodach bei Coburg in Oberfranken gegründet. Noch im selben Jahr wechselte der Firmensitz nach Würzburg. Der Pharmagroßhändler mit mittlerweile mehr als 600 Mitarbeitern beliefert nach eigenen Angaben zurzeit rund 2000 Apotheken von Niedersachsen bis Bayern. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei 750 Millionen Euro. Noweda betreibt neben dem Hauptsitz in Essen derzeit 16 Niederlassungen in Deutschland. Das Bundeskartellamt muss dem Zusammenschluss noch zustimmen.

 

Das Unternehmen Fiebig Ebert & Jacobi am Standort Ludwigshafen verbleibt laut Pharma Privat in der Kooperation. Das Joint Venture konnte eigenen Angaben zufolge stark expandieren. Auch an anderen Standorten wie Berlin und Lübeck konnten Mitglieder von Pharma Privat ihre Marktposition ausbauen, heißt es.

 

»Wichtiges Regulativ«

 

Damit sieht sich die Kooperation gut aufgestellt. »Uns als Selbstständigen kommt im Umfeld internationaler Konzernwettbewerber und großer Genossenschaftskonzerne ab sofort eine noch wichtigere Bedeutung als Regulativ zu«, kommentiert Hanns-Heinrich Kehr, Geschäftsführer von Pharma Privat. »Die nach Unabhängigkeit strebenden Apotheken werden unsere Leistung ebenso wie unsere Lieferanten mehr denn je zu schätzen wissen. Wir nehmen die Veränderungen am Markt dennoch zum Anlass, unsere Alternativen zur Weiterentwicklung zum Beispiel durch gesellschaftsrechtliche Verknüpfungen zu überprüfen.« /

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