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SEP-Programm

Blicke über den Tellerrand

08.11.2016
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Von Carolin Gieck / Tagsüber im Forschungslabor experimentieren, den Feierabend in der Stadt Trujillo in Peru genießen und am Wochenende die Anden erkunden: Was nach einem Traum klingt, hat Sonja Stamer für acht Wochen Realität werden lassen. Im Rahmen des Student Exchange Programme (SEP) hospitierte die Pharmaziestudentin aus München an der Universidad Nacional de Trujillo.

Obwohl das Pharmaziestudium durch die Approbationsordnung streng reglementiert ist, gibt es dennoch einige Möglichkeiten, um ins Ausland zu gehen. Ein guter Ansprechpartner für interessierte Studenten ist der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD). Da es auch in Deutschland immer mehr Studenten in die Ferne zieht, hat der BPhD extra ein Auslandsreferat eingerichtet. Dieses beantwortet nicht nur die vielen Anfragen, sondern versendet auch Informationsmaterial, sammelt Erfahrungsberichte sowie Adresslisten und steht mit Rat und Tat zur Seite. Die Berichte und viele weitere Informationen finden sich auf der Website des BPhD unter www.bphd.de/ausland/.

 

Im Ausland zu studieren ist sicherlich die intensivste Art ein fremdes Land kennenzulernen. Da das Studium im Ausland aber niemals zu 100 Prozent der deutschen Approbationsordnung entspricht, führt ein Auslandssemester oft zu einer Studienzeitverlängerung. Dies wird wohl der Hauptgrund sein, weshalb beispielsweise das Erasmus-Programm, das ein Auslandssemester ermöglicht, von Pharmazeuten kaum genutzt wird. Auch das Praktische Jahr in einer ausländischen Apotheke wird nicht ohne Weiteres als Ausbildungszeit anerkannt. Daher sollte dies unbedingt vor Beginn des Aufenthaltes mit dem Landesprüfungsamt geklärt und von diesem schriftlich bestätigt werden.

 

Online bewerben

 

Wegen dieser bürokratischen Hürden bevorzugen viele Studenten ein kurzes Praktikum im Ausland, das zum Beispiel in den Semesterferien möglich ist. Besonders beliebt ist das Student Exchange Programme (SEP), für das sich auch Stamer entschieden hat. Weltweit nehmen jedes Jahr mehr als 900 Pharmaziestudenten daran teil. Üblicherweise dauert ein Aufenthalt ein bis drei Monate, wobei die Praktika je nach Land in Industrie, Apotheke, Klinik oder Forschungslaboren absolviert werden können.

Für das SEP muss man sich online bewerben. Laut BPhD sind Länder wie Finnland, Kanada, Japan und Großbritannien sehr beliebt, sodass es sehr viele Bewerber für nur wenige Plätze gibt, während Praktika in anderen Ländern unbesetzt bleiben. Doch gerade in kleineren oder exotischeren Ländern engagieren sich die Gastgeber zum Teil sehr für ihre Austauschstudenten. Der BPhD kann aus Erfahrung berichten, dass beispielsweise in den Ländern Serbien, Spanien, Frankreich, Polen, Kroatien, Rumänien, Malaysia und Indonesien gute und vor allem auch gut strukturierte Praktika angeboten werden. Es lohnt sich also, ausgetretene Pfade zu verlassen.

 

Wohnen in der Gastfamilie

 

Durchweg Positives kann auch Stamer von Peru berichten. »Ich wollte unbedingt Spanisch lernen und nach Lateinamerika«, so die Studentin. Zur Vorbereitung belegte sie einen Spanisch-Intensivkurs an der Uni München. Etwa ein Jahr dauerte es so von der konkreten Idee, ins Ausland zu gehen bis zum Tag, an dem sie in den Flieger stieg. Die Anreise musste sie selbst organisieren und für die Unterkunft stellte das SEP den Kontakt zu einer Gastfamilie her. Bei dieser wohnte sie gemeinsam mit anderen SEP-Studenten günstig in einer sicheren Gegend, die sich noch dazu in Laufweite der Uni befand. Im Forschungslabor wurde sie intensiv betreut und half bei der Untersuchung von Frucht- und Pflanzenextrakten mit. Zwar enttäuschte die Laborausstattung, sodass sie zwar fachlich und methodisch weniger als erwartet lernte. Doch die Sprache und der Kontakt zu den Leuten machten ihren Aufenthalt zu einer perfekten Traumreise, die sie so jederzeit wiederholen würde. /

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