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Bindehautentzündung

Augengrippe- Ausbruch in Nordrhein-Westfalen

09.11.2016
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Eine aggressive Form der viralen Bindehautentzündung breitet sich derzeit in Nordrhein-Westfalen aus. In Bonn wurden in den vergangenen Wochen bereits mehr als 100 Fälle der sogenannten Augengrippe gemeldet, heißt es von Seiten des Gesundheitsamtes der Stadt.

 

Auslöser der hoch ansteckenden Keratoconjunctivitis epidemica sind Adenoviren der Typen 8, 19 und 37. Diese zeichnen sich durch eine hohe Umweltresistenz aus. Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) bleiben sie bei Zimmertemperatur außerhalb des Wirts, zum Beispiel an Lichtschaltern oder Türklinken, über Wochen infektiös. 

 

Ein weiteres Problem ist die lange Inkubationszeit der Adenoviren, die etwa fünf bis zwölf Tage beträgt. In dieser Zeit sind Infizierte bereits ansteckend, wissen aber noch nichts von ihrer Erkrankung, was eine Verbreitung der Erreger befördert.

 

Klassische Symptome sind Lichtscheu, Fremdkörpergefühl und Juckreiz im Auge. Das Auge ist gerötet und tränt. Zudem ist die Bindehaut ringförmig geschwollen und die Lymphknoten am Ohr können ebenfalls anschwellen. Nach einer Woche kann die Infektion auch auf die Hornhaut übergehen und eine Trübung auslösen. Während die Konjunktivitis in der Regel zwischen der zweiten und vierten Woche abklingt, kann die Hornhauttrübung länger bestehen bleiben.

 

Laut RKI kommt es fast immer zu einer vollständigen Abheilung, nur in seltenen Fällen kann das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigt werden. Eine medikamentöse Therapie existiert nicht. Antibiotika sind wirkungslos, da es sich bei den Auslösern der Augen­grippe um Viren handelt.

 

Da Adenoviren hauptsächlich über Schmier-, zum Teil auch über Tröpfcheninfektion übertragen werden, ist konsequente Hygiene ein wichtiger Aspekt der Vorbeugung. Um die Verbreitung der Erreger einzudämmen, sollte man regelmäßig und gründlich die Hände waschen und Hand-Augen-Kontakt möglichst vermeiden. Vorsicht ist bei der Benutzung von fremden Handtüchern, aber auch Fotoapparaten oder Augentropfen geboten. Seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 war die Zahl der jährlichen Erkrankungen großen Schwankungen unterworfen und betrug zwischen 82 und 2145 Erkrankungen (2012) pro Jahr. /

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