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Preisträger

Heimversorgung mit Herz und Verstand

04.11.2008  17:11 Uhr

Preisträger

Heimversorgung mit Herz und Verstand

Von Klaus Hölzel

 

Versorgen und Betreuen statt Beliefern, so lautet das Credo des Excellence-Award-Gewinners Detlef Steinweg. Der Apotheker hat in der Altenheimversorgung durch seine wirtschaftlich erfolgreiche Strategie Maßstäbe gesetzt.

 

Wenn Detlef Steinweg tiefstapelt, hört sich das so an: »Wir bieten eine normale Heimversorgung, die sich aus vielen Kleinigkeiten zusammensetzt. Die Summe macht vielleicht den Unterschied.«

 

Diese Differenz war allerdings aus Sicht der Fachjury und der Veranstalter VSA-Unternehmensgruppe, Apotheken-Management-Institut und Pharmazeutische Zeitung so erheblich, dass der westfälische Apotheker dafür mit dem Excellence Award Apotheke 2008 ausgezeichnet wurde. Steinweg ist Inhaber der Paracelsus-Apotheke in Castrop-Rauxel.

 

Er hat für seine Heimversorgung eine »Drei-Säulen-Strategie« entwickelt und umgesetzt: Leistungsvorsprung durch Qualität der Betreuung, fachlich versiertes und hoch motiviertes Heimversorger-Team und Aufgeschlossenheit für neue Versorgungswege.

 

Apotheke stellt Hygienebeauftragte

 

Ein Beispiel für den Qualitätsvorsprung schildert Steinweg so: »Ein Heimträger fragte uns, ob wir bereit wären, seine Mitarbeiter zu Hygienefragen zu schulen und die externe Hygienebeauftragte für sein Haus zu stellen. Da es unser Grundsatz ist, dass wir Serviceleistungen nur dann anbieten, wenn wir sie dauerhaft in hoher Qualität leisten können, haben sich zuerst zwei Mitarbeiterinnen extern weitergebildet, und mittlerweile stellen wir für fünf Heime und für sechs ambulante Dienste die externe Hygienebeauftragte. Inzwischen decken wir im Kompetenz-Netzwerk Hygiene die pharmazeutische Disziplin im Expertenbeirat ab. Natürlich wird unsere Dienstleistung mit den Pflegeeinrichtungen kostendeckend abgerechnet.« Zwei weitere Dienstleistungen für Heimbewohner sind im Angebot der Paracelsus-Apotheke längst alltäglich: Ernährungsberatung und Wundversorgung, beides wiederum mit besonders dafür qualifizierten Fachkräften.

 

Das Leistungsniveau der Mitarbeiter wird in Castrop-Rauxel regelmäßig gesteigert. Hierzu sind ständig interne und externe Schulungen nötig - auch auf Anregung der Heime. So nahmen vor Kurzem zwei Mitarbeiterinnen an einer intensiven Schulung zum Thema »Fixierung im Heim« teil, da in manchen Häusern die Kenntnisse hierzu fehlten.

 

Auf die Heimnachfrage zur maschinellen Verblisterung reagierte Steinweg früher als viele Kollegen. Nach nun einigen Jahren der Erfahrung zieht er ein überwiegend positives Fazit. »So stark das maschinelle Verblistern in der Branche auch diskutiert wird: Qualitätsfortschritte für die Heimbewohner sind ebenso zu verzeichnen wie Kostenvorteile für die Kassen und Heime.« Zentrales Argument des neuen Versorgungsweges sind die pharmazeutischen Qualitätssteigerungen, nicht die Perfektion eines Automaten. Steinweg erreichte eine Optimierung der Medikationspläne etwa dadurch, dass die Einnahmezeitpunkte abgeklärt wurden und auf den Blistern abzulesen waren. Vor der Einführung stimmte in 59 Fällen die verabreichte Stärke nicht mit dem Rezept überein. Ähnliche Fehlerquellen gab es auch bei geteilten Arzneiformen. Mehr Arzneimittelsicherheit kostet das Heim Geld. Auch diese Voraussetzung konnte Steinweg in der Praxis durchsetzen.

 

Pharmazeutische Qualität im Fokus

 

Steinwegs Strategie folgt einer nachvollziehbaren Vision, die er so ausdrückt: »Ich möchte das Gefühl und das Wissen haben, in einer besonderen Apotheke zu arbeiten. Die Besonderheit soll sich nicht nur in der Umsatzgröße, sondern auch in der Qualität des Umgangs mit den verschiedenen Kunden, auch den Altenheimbewohnern, zeigen«, so der Apotheker.

 

»Diese Qualität soll insbesondere in der Arzneimittelwirkungs-Beratung deutlich werden, die von pharmazeutischen und nicht von kaufmännischen Kriterien geprägt ist. Darüber hinaus wollen wir durch das Anbieten besonderer Dienstleistungen unserem Motto »Kompetenz in Gesundheit« gerecht werden.« Der westfälische Apotheker ging bei der Umsetzung seiner Vision nicht den klassischen Weg über eine von Beratern entwickelte Strategie.

 

Die jetzt sichtbare Exzellenz basiert weniger auf detaillierten Marktanalysen als auf Erfahrungen aus der Praxis. Kernpunkt dabei: Das genaue Zuhören, was Heimleitungen vom Apotheker wünschen und was davon auch wirtschaftlich umsetzbar erscheint.

 

Demografische Entwicklung hilft

 

Steinweg kommt bei seiner Heimakquise ein besonderer Umstand zugute. Die demografische Entwicklung im Ruhrgebiet ist der des gesamten Landes um zehn Jahre voraus. Wer mehr leistet und anbietet, bleibt nicht unerkannt. Seit 2004 unterstützt Steinweg den Beirat des Bundesverbandes der klinik- und heimversorgenden Apotheker (BVKA) in Fragen der Heimversorgung. Das wiederum erweitert seinen Kenntnisstand, auch über die deutschen Grenzen hinaus.

 

Das Beispiel des Apothekers zeigt, dass Excellence-Award-Gewinner mehr sind als nur »ausgefuchste Experten«. Sie erkennen früher als andere die Marktchancen und können sie mit Top-Mitarbeitern qualifiziert umsetzen.

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