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Pille erhöht Brustkrebsrisiko leicht

07.11.2006
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Pille erhöht Brustkrebsrisiko leicht

Von Brigitte M. Gensthaler

 

Frauen, die vor ihrer ersten Schwangerschaft mehrere Jahre lang hormonell verhüten, haben ein erhöhtes Risiko für eine Brustkrebserkrankung vor der Menopause. Dies ergab eine Meta-Analyse aus 34 Studien.

 

Im letzten Jahr stufte die mit der WHO assoziierte International Agency for Research on Cancer (IARC) die Estrogen-Gestagen-haltigen oralen Kontrazeptiva (OC) als Klasse-1-Karzinogen für den Menschen ein. Vorangegangen waren mehr als 60 Fall-Kontroll-Studien, zehn Kohortenstudien, mehrere Meta-Analysen und eine sehr große gepoolte Analyse. Sie alle basierten auf Patientendaten, die vor 1980 erhoben wurden, und bezogen sich vor allem auf Brustkrebsfälle bei Frauen nach den Wechseljahren. In der großen gepoolten Oxford-Analyse von 1996 wurde ein Brustkrebsanstieg um 7 Prozent bei Frauen ermittelt, die jemals OC eingenommen hatten.

 

In die neue Meta-Analyse nahmen die Forscher vom Polycarb-Forschungsinstitut im US-Staat Pennsylvania dagegen nur Studien ab 1980 auf, die den Zusammenhang zwischen OC und prämenopausalem Brustkrebs untersuchten. In den 34 Studien hatten OC-Anwenderinnen ein leicht, aber statistisch signifikant erhöhtes Risiko (um 19 Prozent) gegenüber Frauen, die niemals die Pille benutzt hatten. Dies galt sowohl für Frauen mit eigenen Kindern als auch für Nulliparae.

 

21 von 23 Studien zeigten ein deutlich höheres Risiko (um 44 Prozent), wenn die Frauen bereits vor der ersten Schwangerschaft hormonell verhütet hatten, im Vergleich zu Frauen, die erst danach damit angefangen hatten. Dieser Zusammenhang war besonders ausgeprägt bei langfristiger Kontrazeption vor dem ersten Kind (mehr als vier Jahre). Allerdings schwankte die Risikoerhöhung in den einzelnen Studien erheblich: von 9 bis 197 Prozent. Dies relativiert die Aussagekraft der Meta-Analyse deutlich.

 

Aus diesen Ergebnissen Konsequenzen für die Praxis zu ziehen, ist schwierig. Zum einen ist das absolute Risiko, dass eine Frau aufgrund der Pille an Brustkrebs erkrankt, sehr gering, zum anderen senkt die Hormonzufuhr beispielsweise das Risiko von Ovarial- und Endometriumtumoren, vielleicht sogar von Darmkrebs. Der größte Nutzen liegt mit Sicherheit aber in der zuverlässigen Verhütung und dies ist besonders für junge Frauen wichtig. Fazit: Aufklärung über mögliche Risiken der Pille ist immer angebracht, eine generelle Warnung nicht.

 

 

Quelle: Kahlenborn, C., et al., Mayo Clin. Proc. 81, Nr. 10 (2006) 1290-1302.

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