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Ein Teil des Widerstandes

06.11.2006
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Ein Teil des Widerstandes

Es war keinesfalls sicher, dass es ein Erfolg werden würde. Nicht wenige hatten den vier Regionaldemonstrationen eine bescheidene Resonanz prognostiziert. Die Reform sei beschlossen, für Proteste sei es zu spät. Das sahen 10.000 Apothekenleiter und -mitarbeiter in Leipzig ganz anders.

 

Deren Engagement hat alle Erwartungen deutlich übertroffen. Anstelle eines versprengten Weißkittel-Grüppchens zog ein lauter und langer Protestzug durch Leipzigs Innenstadt. Der Nikolaikirchhof quoll bei der Abschlusskundgebung über. Das beeindruckte auch die Medien: Radiosender, Fernsehstationen und Tageszeitungen berichteten in für Apotheker ebenso erfreulicher wie unerwarteter Ausführlichkeit über den Protest. Das macht Mut für die kommenden Veranstaltungen.

 

Die Resonanz auf den Protest von Apothekern, PTA, Pharmazie-Ingenieuren und PKA hat eines deutlich gemacht: Die allgegenwärtige Kritik an der Gesundheitsreform ist für die Öffentlichkeit und damit auch für die Medien ein zentrales Thema. Niemand mag diese Reform, deshalb ist Widerspruch positiv besetzt. Und so sahen die meisten Medien in den Apothekerprotesten keine eigennützige Inszenierung Besserverdienender, sondern die Sorge um Tausende Arbeitsplätze und die ökonomische Basis der öffentlichen Apotheken.

 

Es bleibt die Frage, ob die Demonstrationen noch etwas am Reformgesetz ändern können, ob die große Koalition doch noch auf den Weg der Erkenntnis zurückkehrt. Eine Garantie dafür gibt es natürlich nicht. Isoliert betrachtet ist die Wirkung der Leipziger Demo überschaubar. Sie steht aber nicht isoliert da. Ärzte, Kassen, Kliniken, Gewerkschaften und Patientenverbände lehnen die Reform ab. Niemand mag der Regierung in die Staatsmedizin folgen.

 

Die Apothekerproteste sind ein Teil des allgemeinen Widerstands gegen die Gesundheitsreform. Sie unterstreichen eine Facette der Kritik, nämlich die an den Änderungen in der Arzneimittelversorgung. Zusammen mit den Protesten der anderen Gesundheitsberufe sind sie ein kaum zu überhörendes Signal, das die Regierung nicht so einfach ignorieren kann. Es ist gut, wenn viele Apotheker auf die Straße gehen, denn sie stärken dabei den Protest allgemein und erhöhen zudem das Gewicht ihres spezifischen Anliegens.

 

Erfolgreich können die Proteste nur sein, wenn sie in den nächsten Wochen weitergehen. An diesem Mittwoch demonstrieren die Apotheker in München. Nächste Woche folgt Düsseldorf und den Abschluss der Regionaldemonstrationen bildet Hamburg. Nach den Erfahrungen von Leipzig könnten dann rund 40.000 Apothekenleiter und Mitarbeiter für eine sichere und heilberufliche Arzneimittelversorgung auf die Straße gegangen sein.

 

Nach den Einzelprotesten der Gesundheitsberufe ist eine große gemeinsame Aktion aller Leidtragenden in Berlin die logische Konsequenz. Die ABDA übt zusätzlich gemeinsam mit Ärzten, Krankenhäusern, PKV- und GKV-Spitzenverbänden den Schulterschluss. So wird sichergestellt, dass auch die Patienten wissen, welche Folgen eine solche Reform mit sich bringt. Auch die jüngste Gerichtsentscheidung in Sachen »Rezeptsammelstelle« darf jetzt nicht davon ablenken: Der Druck auf die Politik muss hochgehalten werden. Ob das am Ende etwas bringt, bleibt offen. Sicher ist aber, dass Fatalismus und Tatenlosigkeit keinen größeren Nutzen haben.

 

Daniel Rücker

Stellvertretender Chefredakteur

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