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Auswirkung auf den Rohgewinn

08.11.2006
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Hochpreisige Arzneimittel

Auswirkung auf den Rohgewinn

Von Guido Michels

 

Seit Einführung des Kombimodells hat sich die Bedeutung von hochpreisigen, verschreibungspflichtigen Arzneimitteln für die Apotheke gewandelt. Hier lohnt ein Blick auf die wirtschaftlichen Hintergründe.

 

Vor 2004 galt allgemein: je teurer das Medikament, desto höher der Rohgewinn. Heutzutage sind dagegen viele Apotheker der Meinung, hochpreisige Arzneimittel seien »Gift« für den Rohgewinn. Diese pauschale Aussage geht an der Realität vorbei. Die Auswirkungen auf den Apotheken-Rohgewinn sind unterschiedlich, je nachdem ob man die relative oder die absolute Ebene betrachtet.

 

Das Beispiel zeigt eine fiktive Apotheke in einem Zeitraum von zwei Monaten. In Monat eins werden 2667 Packungen mit einem Durchschnittspreis von 30 Euro (ohne Umsatzsteuer, nach Abschlägen) zulasten der GKV abgegeben. Im zweiten Monat werden zusätzlich noch drei Packungen je 1000 Euro abgesetzt. Hierzu ist der Rohgewinn angegeben, den die Apotheke pro Stück erlöst. Einkaufsvorteile wurden nicht einberechnet. Der relative Rohgewinn im Verhältnis zum Umsatz ist bei den hochpreisigen Artikeln deutlich geringer.

 

Während die durchschnittliche Packung in dem Beispiel einen Rohgewinn von 23,6 Prozent erlöst, liegt dieser Wert bei dem hochpreisigen Artikel bei nur3,5 Prozent vom Umsatz. Nur durch die drei zusätzlich verkauften Packungen verringert sich der Gesamtrohgewinn im zweiten Monat um 0,8 Prozentpunkte auf 22,8 Prozent. Anders ausgedrückt: Da die Umsatzsteigerung höher als die Rohgewinnsteigerung ist, sinken die relativen Erlöse.

 

Betrachtet man die absoluten Größen, so fällt auf, dass der Stückrohgewinn der hochpreisigen Arzneimittel (35,33 Euro) rund fünfmal so hoch ist, wie der der durchschnittlichen Packung (7,07 Euro). Somit erwirtschaften die hochpreisigen Arzneimittel die deutlich höheren Deckungsbeiträge. Hierbei kann unterstellt werden, dass sich der Arbeitsaufwand zwischen hoch- und normalpreisigen Arzneimitteln nicht unterscheidet.

 

Deutlich geworden ist, dass hochpreisige Arzneimittel vielfältige Auswirkungen auf den Rohgewinn haben. Je mehr teure Verschreibungen durch die Apotheke beliefert werden, desto geringer wird der Rohgewinn im Verhältnis zum Umsatz sein. Kommen Hochpreisumsätze sporadisch vor, ist es nicht ungewöhnlich, dass der Apothekenrohgewinn zwischen den Monaten stärker schwankt. Den relativen Schwankungen zum Trotz: Vom absoluten Ertrag betrachtet sind die Hochpreisarzneien attraktiv. Sie liefern einen deutlich höheren Beitrag zur Kostendeckung. Von diesem Standpunkt aus betrachtet ist es wirtschaftlich falsch, diese Verschreibungen am liebsten nicht beliefern zu wollen.

 

Vorsicht ist aber geboten: Hochpreisige Arzneimittel sollte man nie lange am Lager liegen lassen. Zum einen binden sie erhebliches Kapital. Das bedeutet fehlende Liquidität und (fiktive) Zinskosten. Zum anderen steigt das Risiko, dass bei längerer Lagerdauer Retourenabschläge fällig werden. Sind hochpreisige Arzneimittel unverkäuflich oder verfallen, ist der Rohgewinnverlust gravierend.

 

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