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Gute Argumente

30.10.2017
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Gute Argumente

Wer einen anderen davon überzeugen will, etwas Unbequemes zu tun, braucht dazu gute Argumente. Sie müssen dem Empfänger einleuchten und sollten ihm bestenfalls deutlich machen, dass auch er selbst davon einen Nutzen hat.

 

In der Apotheke sind gute Argumente ständig gefragt. »Der Doktor hat mir hier dieses neue Medikament verordnet, aber ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich das überhaupt einnehmen soll. Ich bin ja eigentlich gar nicht krank«. Jeder Apotheker kennt solche Aussagen von Kunden, wenn sie zum Beispiel eine antihypertensive Therapie beginnen sollen, obwohl der hohe Blutdruck ihnen keine akuten Beschwerden bereitet. Als pharmazeutische Fachkraft leuchtet einem die Notwendigkeit der Medikation unmittelbar ein, doch wie erklär’ ich’s meinem Kunden? Indem ich ihm klar mache, was für ihn persönlich auf dem Spiel steht, wenn er sich nicht an die Anweisungen des Arztes hält. Ihm erkläre, warum er nicht seinem Arzt einen Gefallen tut, indem er die Tabletten einnimmt, sondern sich selbst.

 

Eine große Studie aus Schweden liefert nun ein starkes Argument, um Patienten mit Vorhofflimmern von der Notwendigkeit der gerinnungshemmenden Therapie zu überzeugen (lesen Sie dazu Studie: Antikoagulanzien senken Demenzrisiko). Weil sich aufgrund der unbehandelten Herzrhythmus-Störung häufig große und kleine Thromben bilden, haben diese Patienten nicht nur ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko, sie entwickeln auch häufiger eine Demenz als der ­Bevölkerungsdurchschnitt. Nun konnten die Forscher vom Karolinska Institut in Stockholm zeigen, dass orale Antikoagulanzien – außer der bereits aus­reichend belegten Wirksamkeit in der Schlaganfall-Prävention – höchstwahrscheinlich auch vor einer Demenz schützen können. Laut den Autoren schreckt eine drohende Demenz Patienten oft mehr als die ­Möglichkeit eines Schlaganfalls. Sie raten daher Heilberuflern, dieses ­Argument zu benutzen, um die Compliance zu verbessern.

 

Dass das dringend nötig ist, zeigt ein weiteres Ergebnis der Studie: Nur etwas mehr als die Hälfte der Patienten nahm während des gesamten ­Beobachtungszeitraums den verordneten Gerinnungshemmer ein. Jeder Zweite setzte die eigentlich indizierte Medikation also irgendwann ab – aus welchen Gründen auch immer. Diese Patienten zu identifizieren, ihre Vorbehalte gegen die Therapie zu erkennen und argumentativ gegen­zuhalten, ist eine zentrale Aufgabe für uns Apotheker.

 

Annette Mende 

Redakteurin Pharmazie 

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