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Wenn Diäten versagen

Hormone sind schuld am Jo-Jo-Effekt

31.10.2011
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Von Annette Mende / Der Jo-Jo-Effekt hat schon viele Abnehmwillige zur Verzweiflung gebracht. Jetzt könnten die Schuldigen für die häufigen Rückfälle nach dem Abspecken gefunden sein: Es sind bestimmte Hormone, die den Appetit regulieren.

Nach einer erfolgreichen Diät das niedrigere Gewicht zu halten, fällt vielen Übergewichtigen schwer. Meist dauert es nicht allzu lange, bis die verlorenen Pfunde wieder auf den Hüften sind. Schuld an diesem sogenannten Jo-Jo-Effekt könnte eine hormonelle Umstellung des Körpers sein, die durch den Nahrungsentzug ausgelöst wird. Darauf deuten die Ergebnisse einer australischen Arbeitsgruppe hin, die jetzt im »New England Journal of Medicine« erschienen sind (doi: 10.1056/NEJMoa1105816).

Die Wissenschaftler um Dr. Joseph Proietto von der Universität Melbourne untersuchten in ihrer Studie 50 übergewichtige oder fettleibige Personen ohne Diabetes. Im Blut der Probanden bestimmten sie zunächst die Spiegel mehrerer Hormone, die an der Regulierung des Hungergefühls beteiligt sind. Dann wurden die Studienteilnehmer zehn Wochen lang auf eine stark kalorien­reduzierte Diät gesetzt. Am Ende dieser Hungerkur und noch einmal ein Jahr danach bestimmten die Forscher wiede­rum die Werte der appetitregulierenden Hormone im Blut der Teilnehmer.

 

Unmittelbar nach der Diät, bei der die Probanden durchschnittlich 13,5 Kilogramm abnahmen, fanden sich in ihrem Blut signifikant höhere Spiegel der appetitanregenden Hormone Ghrelin, gastrisches inhibitorisches Polypeptid und pankreatisches Polypeptid als zuvor. Dagegen waren die Spiegel von Appetitzüglern wie Leptin, Peptid YY, Cholezystokinin, Insulin und Amylin signifikant gesunken. Es erstaunt daher wenig, dass die Testpersonen großen Appetit verspürten.

 

Bemerkenswert ist jedoch das Ergebnis des neuerlichen Bluttests ein Jahr nach dem Ende des Diätprogramms. Auch zu diesem Zeitpunkt hatten die Spiegel der Appetitmodulatoren und das Hungergefühl der Probanden nicht die Werte vor der Intervention erreicht. Um den Jo-Jo-Effekt bei Adipositaspatienten zu verhindern, müssten daher Strategien entwickelt werden, die diese Hormonumstellung verhindern, folgern die Autoren. / 

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