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Gesundheitsmarkt

Neue Geschäftsidee für Kassen

27.10.2009
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Kosten-Nutzen-Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat am 19. Oktober 2009 nach fast zwei Jahren Entwicklungszeit die Methoden vorgelegt, nach denen es künftig Nutzen und Kosten für neue Therapien und Medikamente bewerten wird, wenn es einen entsprechenden Auftrag vom Gemeinsamen Bundesausschuss erhält. Das Verfahren soll es dem GKV-Spitzenverband ermöglichen, einen Höchstbetrag festzulegen, bis zu dem Krankenkassen die Kosten für neue Arzneimittel übernehmen.

Dierks, Felder und Wasem plädieren ferner dafür, den Kassen die Möglichkeit zu geben, für die neuen Mezzanine-Märkte Rabattverträge mit Arzneimittelherstellern abzuschließen. Nach ihrer Einschätzung könnte so eine Refinanzierung erfolgen, ohne dass Krankenversicherungen ihre Beiträge erhöhen müssen. Die Experten glauben, dass Pharmafirmen Interesse an Verträgen mit Kassen und Preisnachlässen haben, weil sie so eine zusätzliche Nachfrage initiieren und daran verdienen können. Gegenüber einer offiziellen Preissenkung hätten Rabatte außerdem einen entscheidenden Vorteil für die Hersteller: Der deutsche Verkaufspreis bliebe als Leitpreis für andere europäische Länder erhalten, erläuterte Wasem.

 

Nach Ansicht der drei Fachleute kann die solidarisch finanzierte GKV eine umfassende Versorgung mit medizinischen Innovation nicht mehr garantieren. Bei der individualisierten Medizin komme hinzu, dass immer mehr der teuren Medikamente bei immer weniger Patienten wirkt. Das werfe die Frage auf, ob die Gesamtheit der Versicherten für die Kosten aufkommen soll.

 

Die Autoren glauben, dass der neue Markt zunächst nur langsam wachsen wird, da die Arzneimittel schrittweise aus der Erstattung herausfallen. Felder: »Wir gehen davon aus, dass jedes Jahr ein paar Medikamente dazukommen werden. Der Mezzanine-Markt wird sich schrittweise entwickeln, sodass wir ausreichend Gelegenheit haben, mit den neuen Versicherungsformen umzugehen.«

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