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HIV-Prävention

Kampagnen weiterentwickeln

27.10.2008
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HIV-Prävention

Kampagnen weiterentwickeln

Von Sven Siebenand, Berlin

 

Ein Impfstoff oder eine heilende Therapie gegen Aids werden in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen. Deshalb nehmen HIV-Präventionsmaßnahmen weiter eine bedeutende Rolle ein. Wichtig ist, sie ständig an den wissenschaftlichen Fortschritt, die geänderte Rahmenbedingungen und die Zielgruppen anzupassen.

 

Dank intensiver Forschungsarbeit in den vergangenen 25 Jahren hat sich die Lebenssituation für HIV-Patienten wesentlich verbessert. »Wir müssen das neue Aids sichtbar machen«, so Professor Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), bei einer Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und BZgA zum Thema HIV-Prävention in Berlin. Das »neue Aids« beinhaltet, dass viele Patienten hierzulande in medizinischer Behandlung sind. Dadurch seien Lebenserwartung sowie Lebensqualität und auch sexuelle Aktivität im Vergleich zu Patienten in den 1980er- oder 1990er-Jahren deutlich gestiegen. Letzteres erhöhe auch das Risiko, das Virus an die Partner weiterzugeben. Irrtümer bei der Einschätzung des Übertragungsrisikos sind für Pott einer der Gründe für die seit 2001 jährlich ansteigenden Neuinfektionsraten in Deutschland. Daher hält sie es für wichtig, die Patienten in den Arztpraxen nochmals auf die Bedeutung sicherer Verhütungsmaßnahmen hinzuweisen. Von den Aidshilfen erhofft sie sich, dass diese thematisieren, wie Menschen mit Aids in Deutschland heute leben.

 

»Gib Aids keine Chance« ist die größte deutsche Präventionskampagne. In vielen anderen Ländern werden Medien und Materialien dieser Kampagne genutzt. Pott wies daraufhin, dass es wichtig sei, die Maßnahmen kontinuierlich zu evaluieren. So sei auch eine Analyse der Rahmenbedingungen wichtig. Früher habe man sich zum Beispiel kaum Gedanken machen müssen, in welchem TV-Sender und zu welcher Uhrzeit ein Spot im Fernsehen ausgestrahlt werden sollte. Das hat sich durch die Zunahme an Programmen nun grundlegend geändert. Dr. Klaus Theo Schöder, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, fügte hinzu, dass man auch über den verstärkten Einsatz anderer Medien, zum Beispiel Internet, nachdenken müsse. Der Ausdruck »neues Aids« sei zudem nur für die hoch entwickelten Länder gültig. Vielerorts befänden sich die Patienten noch immer in einer deutlich schlechteren Situation.

 

Trotz verschiedener Präventionskampagnen steigt die Zahl der HIV-Infizierten in Europa weiter an, vor allem in Osteuropa. Als »dramatisch« bezeichnete Schröder zum Beispiel den Zuwachs in der Ukraine. Mit Pott war er sich einig, dass aufgrund von infrastrukturellen und kulturellen Unterschieden nicht jede Präventionsmaßnahme für jedes Land geeignet ist. Auch sind die Hauptrisikogruppen nicht identisch: Während in Deutschland homosexuelle Männer nach wie vor die wichtigste Betroffenengruppe stellen, sind es in der Ukraine vor allem Drogenabhängige, und in Luxemburg, und Portugal erfolgen Infektionen hauptsächlich bei heterosexuellen Kontakten. Die Konsequenz: Maßgeschneiderte nationale Präventionsstrategien sind nötig.

 

Insgesamt nahmen rund 100 Experten aus 24 Ländern an der zweitägigen Konferenz in Berlin teil. Hauptziel war es, die Qualität und Wirksamkeit der HIV/Aids-Prävention innerhalb Europas zu stärken.

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