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Austauschprogramm

Malawische Studenten zu Besuch

25.10.2017
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Von Brigitte M. Gensthaler und Lutz Heide / Vier malawische Pharmaziestudierende zu Gast in Deutschland: Für drei Wochen besuchen sie die Universität Tübingen sowie mehrere Institu­tionen der pharmazeutischen Praxis und der pharmazeutischen ­Entwicklungszusammenarbeit.

Die vier Studenten Moirah Mnyenyembe, Philip Ngalande, Mwaiwathu Zigona und Joe Manje sind zum ersten Mal außerhalb ihres afrikanischen Heimatlandes. Im Rahmen eines Austauschprogramms der Universität Tübingen kamen sie Anfang Oktober nach Tübingen und nahmen für einige Tage am dortigen Kurs »Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe« teil. Sie berichteten über die pharmazeutische Praxis und Ausbildung in ihrem Heimatland.

Die akademische Ausbildung von Apothekern in Malawi ist noch jung. Die ersten im Land ausgebildeten Apotheker erhielten ihre Zeugnisse im Jahr 2010. Die vier Studenten gehören zu den besten ihres Studienjahrgangs. Sie werden die Zukunft der pharmazeutischen Profession in Malawi maßgeblich mitgestalten.

 

Einblick beim BfArM

 

Begleitet von deutschen Apothekern besuchten sie das Medikamentenhilfswerk action medeor in Tönisvorst bei Düsseldorf, das schon seit Jahrzehnten in der pharmazeutischen Entwicklungszusammenarbeit engagiert ist und kürzlich in Malawi eine Filiale ­eröffnet hat. In Bonn begrüßte sie die Vizepräsidentin des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Professor Dr. Julia Stingl.

 

Das BfArM ist seit 2016 am Global Health Programme des Bundesministeriums für Gesundheit beteiligt. Ziel ist es, Gesundheitssysteme in Afrika zu unterstützen und zu stärken. Unter anderem wird Fachpersonal aus den nationalen Qualitätskontrolllaboren afrikanischer Länder, darunter auch Malawi, im Umgang mit relevanten modernen Methoden zur Arzneistoffanalytik ausgebildet. Die Schulungen sollen die Überwachung der Arzneimittelsicherheit fördern und erweitern. Die Projektkoordinatorin im BfArM, Dr. Nadina Stadler, und der Verantwortliche für das In-House-Training, Dr. Jochen Norwig, führten die malawischen Gäste durch die Labors und erläuterten das Programm.

 

Ein umfangreiches Fachprogramm erwartete die malawischen Studenten und die Tübinger Pharmaziestudentin Julia Gabel in München. Begleitet von Dr. Andreas Wiegand von Apotheker Helfen, einer gemeinnützigen Organisation der pharmazeutischen Entwicklungszusammenarbeit, besuchten sie die Wittelsbacher-Apotheke, die Krankenhausapotheke in München-Großhadern, den pharmazeutischen Großhändler Sanacorp und das pharmazeutische Unternehmen Hexal. Bei einem Abschlusstreffen stellten sich die Hilfsorganisationen Apotheker Helfen und Apotheker ohne Grenzen vor.

 

Bleibender Eindruck

»Wir lernten hier den hohen Standard der Pharmazie und die patientenorientierte Arbeit der Apotheker in Deutschland kennen«, resümiert Zigona die Erlebnisse in München. Ihn habe vor allem die umfangreiche Qualitätskontrolle der Arzneimittel und das Apothekenlabor beeindruckt. Mnyenyembe hebt den intensiven Patientenkontakt hervor; sie könne sich vorstellen, dies später in der öffentlichen Apotheke in Malawi umzu-­setzen.

 

Alle vier sind beeindruckt von dem hohen Maß an Automatisierung und den computergestützten Abläufen in allen Bereichen der Pharmazie – und von der Fülle an Arzneimitteln in Deutschland. In Malawi mangle es häufig an Medikamenten, zumal die pharmazeutische Industrie kaum entwickelt ist. Gerade in dieser Situation sei es essenziell, dass Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) bedarfs- und qualitätsorientiert arbeiten und ihre Projekte miteinander abstimmen, betont Ngalande. Die angehenden malawischen Apotheker zeigten großes Interesse an den Projekten der beiden deutschen NGO.

 

Arbeiten im Prüflabor

 

An der Universität Tübingen absolvieren die malawischen Gäste Unterrichtseinheiten in Pharmazeutischer Technologie und Pharmazeutischer Biologie. Zudem geht es um den Nachweis minderwertiger und gefälschter Arzneimittel sowohl mit Methoden der Hochdruckflüssigkeitschromatografie und Freisetzungstestung als auch mit der einfachen, angepassten Technologie des Minilab® der deutschen gemeinnützigen Organisation Global Pharma Health Fund. Weitere Besuche von öffentlichen und Krankenhaus-Apotheken sollen den Einblick in gute pharmazeutische Praxis in Deutschland vertiefen.

 

Ermöglicht wurde der Besuch durch eine vierjährige Finanzierung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für eine fachbezogene Hochschulpartnerschaft der pharmazeutischen Institute der Universität Tübingen und der University of Malawi. Professor Dr. Lutz Heide, Geschäftsführender Direktor des Tübinger Pharmazeutischen Instituts, hat 2014/15 zwei Jahre an der University of Malawi gearbeitet und danach die Mittel für diese Partnerschaft beim DAAD beantragt. Gleichzeitig gründete er den Kurs »Pharmazie in Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe«, den das Pharmazeutische Institut Tübingen für Staatsexamens- und Masterstudenten der Pharmazie und für approbierte Apotheker einmal jährlich anbietet. »Der Austausch mit der University of Malawi ermöglicht hervorragende Synergien mit unserem Kurs«, sagt Heide.

Austausch in beide Richtungen

 

Ende Oktober fliegen die malawischen Studenten zurück in ihre Heimat, begleitet von zwei deutschen Kollegen. Denn der Austausch geht in beide Richtungen: Pharmaziestudentin Julia Gabel, die gerade ihr erstes Staatsexamen abgelegt hat, wird ein komplettes Auslandssemester in Malawi verbringen. Und der Doktorand Daniel Männle wird vier Wochen lang gemeinsam mit malawischen Kollegen Unterrichtseinheiten zu Arzneipflanzen aufbauen. Die University of Malawi hat kürzlich von der Weltbank Mittel zur Einrichtung eines »African Center of Excellence for Public Health and Herbal Medicine (ACEPHEM)« erhalten.

 

Die Kooperation zwischen den Pharmazeutischen Instituten wird fortgesetzt. Im Herbst 2018 sollen vier deutsche Teilnehmer des Tübinger Kurses für einige Wochen nach Malawi fliegen, um gemeinsam mit malawischen Pharmazie­studierenden Projektarbeiten auszuführen. Dies alles wird dem gegenseitigen Verständnis und der Pharmazie in Malawi nützen. Manje bringt es auf den Punkt: »In unseren Apotheken fehlt das pharmazeutische Personal; wir brauchen mehr Apotheker. Hier in Deutschland leisten die Apotheker tolle Arbeit.« /

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