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Lungenkrebs

US-Zulassung für neues Immuntherapeutikum

26.10.2016
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Von Sven Siebenand / Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat mit Atezolizumab (Tecentriq®) eine weitere immunonkologische Substanz zur Behandlung von nicht kleinzelligem Lungenkrebs zugelassen.

 

Wie Hersteller Roche meldet, darf der Antikörper bei Patienten zum Einsatz kommen, bei denen es zur Krankheitsprogression während oder nach platinbasierter Chemotherapie gekommen ist. Bei EGFR-Mutation-positivem oder ALK-positivem Tumor muss der Krebs auch unter einer geeigneten zielgerichteten Therapie weiter fortgeschritten sein. Lungenkrebs stellt nach Blasenkrebs die zweite Tumorart dar, bei der Atezoli­zumab in den USA angewendet wer­ den darf. In Europa ist die Zulassung beantragt.

Die US-Zulassung basiert unter anderem auf den Ergebnissen der randomisierten Phase-III-Studie OAK zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Atezolizumab verglichen mit Docetaxel. In die Studie wurden insgesamt 1225 Patienten aufgenommen. Sie erhielten alle drei Wochen entweder Docetaxel (75 mg/m2 intravenös) oder Atezolizumab (1200 mg intravenös). Als primärer Endpunkt wurde das Gesamtüberleben betrachtet. Dieses betrug unter Docetaxel durchschnittlich 9,6 Monate, während es in der Atezolizumab-Gruppe bei 13,8 Monaten lag. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Fatigue, Appetitminderung, Dyspnoe, Husten, Übelkeit, Muskelschmerzen und Verstopfung. Neun Patienten erlitten unter Therapie mit dem neuen Antikörper schwere Nebenwirkungen, etwa eine Lungenembolie, Pneumonie oder einen Herzinfarkt.

 

Duale Blockade

 

Mit Nivolumab (Opdivo®) und Pem­brolizumab (Keytruda®) kamen im vergangenen Jahr bereits zwei Immun­therapeutika zur Behandlung von Lungenkrebspatienten auf den deutschen Markt, die einen ähnlichen Wirkmechanismus wie Atezolizumab haben. Alle drei Wirkstoffe sind Antikörper, die sich gegen den Immun-Checkpoint- Rezeptor PD-1 auf aktivierten T-Zellen richten. Nivolumab und Pembrolizumab binden an den Rezeptor und verhindern dadurch die Interaktion zwischen Rezeptor und Ligand.

 

In der Folge kann das Immunsystem den Krebs bekämpfen. Atezolizumab verhindert ebenfalls die Rezeptor-Ligand-Bindung, ist aber nicht gegen den Rezeptor, sondern gegen den Ligand PD-L1 gerichtet. Darüber hinaus blockiert Atezolizumab noch einen weiteren Signalweg. Denn PD-L1 bindet normalerweise auch an den Rezeptor B7.1 auf der Immunzelle, was zur Inhibierung der T-Zelle führt. Durch den PD-L1-Antikörper Atezolizumab wird auch dies unterbunden. Möglicherweise resultiert aus dieser dualen Blockade eine höhere und länger anhaltende Wirksamkeit. /

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