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Medikationsmanagement

Neuer Lehrbereich an der FU Berlin

26.10.2016
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Von Annette Mende, Berlin / An der Freien Universität (FU) Berlin steht ab sofort das Medikationsmanagement mit auf dem Lehrplan. Anhand realer Patientenfälle lernen die Pharmaziestudenten, worauf es bei der Brown-Bag-Analyse, dem Ausfüllen des Medi­kationsplans und der Kommunikation mit dem Patienten ankommt.

Medikations-Management-Center (MMC) heißt der neue Bereich am Pharmazeutischen Institut der FU, in dem die Studenten gezielt auf das Erkennen und Lösen arzneimittelbezogener Probleme vorbereitet werden. »Ziel ist es, theo­retisches Wissen schon während des Studiums praktisch umzusetzen«, sagte Professor Dr. Charlotte Kloft, Leiterin der Abteilung Klinische Pharmazie und Biochemie, in der das MMC angesiedelt ist, bei der Eröffnung. Das Setting ist dabei einer öffentlichen Apotheke nachempfunden: Es gibt einen HV-Tisch, Computer-Recherchearbeitsplätze und einen Beratungsplatz, an dem sich die Studenten zum Beispiel gegenseitig den Blutdruck messen und die subkutane Injektion mithilfe von Übungsmaterial trainieren können.

Fehler erlaubt

 

Wer an der FU Pharmazie studiert, kommt während des Studiums schon früh mit dem MMC in Kontakt. Am Ende des ersten Fachsemesters werden die Studenten hier auf die Famulatur in der Apotheke vorbereitet. Während des gesamten Hauptstudiums finden im MMC die Veranstaltungen der Klinischen Pharmazie statt. »Darüber hi­naus steht das MMC den Studenten jederzeit zum Selbststudium offen«, sagte Kloft. Dazu gibt es etliche bereits gepackte braune Papiertüten, in denen einzelne Patientenfälle stecken – mit dazugehörigem Lösungsansatz.

 

Steffen Loke, der gerade das Dritte Staatsexamen abgelegt hat, war während seines Studiums am Aufbau des MMC beteiligt. »Wir Studenten haben die Patientenfälle entwickelt, die Räumlichkeiten eingerichtet und die leeren Arzneimittelpackungen, die in den braunen Tüten stecken, von Verwandten und Bekannten zusammengesammelt«, berichtete er. Die Übungen im MMC seien sehr hilfreich, weil hier Medikationsanalyse, -management und die Kommunikation mit dem Patienten in einem geschützten Raum geübt werden können. »Hier kann man auch mal einen Fehler machen, ohne dass etwas passiert«, sagte Loke. »Außerdem können wir uns hier gegenseitig Feedback geben. In der Apotheke geht das weniger gut, da besteht das Feedback unter Umständen darin, dass der Kunde nicht wiederkommt.«

 

Die Kenntnisse, die die Studenten hier erwerben, können sie in der Apotheke sehr gut gebrauchen. »Seit diesem Monat haben alle gesetzlich Krankenversicherte, die dauerhaft drei oder mehr Medikamente einnehmen, einen Anspruch auf einen Medikationsplan«, erinnerte Professor Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker, die die Einrichtung des MMC unter anderem wissenschaftlich begleitet hat. Den Medikationsplan dürfen momentan zwar nur Ärzte anlegen, Apotheker dürfen und sollen ihn aber ergänzen. Spätestens ab 2018, wenn die elektronische Fassung des Medikationsplans kommt, werden Apotheker noch stärker eingebunden.

 

Training zum Experten

 

Wie wichtig das ist, verdeutlichte Schulz anhand von Zahlen der AOK Nordost: »20 Prozent der Versicherten dieser Krankenkasse wenden dauerhaft zehn verschiedene Wirkstoffe an.« Bei dieser Menge an Arzneimitteln könne kein Arzt den Überblick behalten. Apotheker wollen deshalb – nicht nur in solchen Fällen – ihre Kompetenz als Arzneimittelfachmann mehr einbringen. So steht es auch im Perspektiv­papier 2030. Allerdings seien auch Apotheker keine geborenen Experten für das Medikationsmanagement, sondern müssten dafür trainieren, so Schulz. Zum Beispiel am MMC in Berlin. /

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