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Notfallkontrazeption

Eile mit Weile

22.10.2014
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Orale Notfallkontrazeptiva wirken nur vor dem Eisprung. Daher sollte eine Frau, die nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr nicht schwanger werden möchte, das Medikament möglichst bald einnehmen. Trotz der gebotenen Eile: Eine fachlich fundierte Beratung ist unumgänglich.

Was das Apothekenteam für die Beratung zur Notfallkontrazeption wissen sollte, war Thema einer Fortbildung der Bayerischen Landesapothekerkammer in München. Das Wichtigste vorweg: Die zugelassenen Wirkstoffe Levonorgestrel (LNG 1500 µg; Postinor®, PiDaNa®) und Ulipristalacetat (UPA 30 mg; EllaOne®) wirken nach heutiger Erkenntnis nicht abortiv, das heißt sie beeinflussen in der zugelassenen Dosis nicht das Endometrium und die Einnistung einer befruchteten Eizelle. 

 

Über eine negative Rückkopplung zur Hypothalamus-Hypophysen-Achse können die Wirkstoffe den Eisprung um bis zu fünf Tage verschieben, informierte Apothekerin Dr. Andrea Dick. »Notfallkontrazeptiva wirken nur, wenn die Ovulation noch nicht statt­gefunden hat.« Danach könne eine Schwangerschaft nur durch Einlegen einer Kupferspirale vermieden werden. Diese verhindert die Einnistung eines befruchteten Eis in die Gebärmutterschleimhaut. Im Gegensatz dazu kommt es nach Einnahme von Mifepriston (Mifegyne®) zur Degeneration der Uterusschleimhaut und in der Regel zum Abort.

 

Anders die Notfallkontrazeptiva: Etwa 36 bis 48 Stunden vor dem Eisprung beginnt der Spiegel an Luteinisierendem Hormon (LH) zu steigen. Der LH-Peak löst die Ovulation aus. Danach ist das Ei etwa 24 Stunden befruchtungsfähig. Notfallkontrazeptiva verschieben die Ovulation und verhindern so, dass Eizelle und Spermium zusammentreffen. Dick: »In der Phase vor dem LH-Anstieg sind sowohl LNG als auch UPA wirksam. Steigt der LH-Spiegel bereits an, kann nur UPA die Ovulation noch verzögern.« Aufgrund des etwas größeren Zeitfensters schütze UPA vor mehr ungewollten Schwangerschaften als LNG.

 

Schwangerschaft vor Einnahme ausschließen

 

Laut Zulassung darf die Frau LNG bis maximal 72 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Versagen der Kontrazeptionsmethode einnehmen, UPA bis zu 120 Stunden danach. Optimal sei jedoch eine möglichst frühe Einnahme, um dem Eisprung zuvorzukommen, betonte die Referentin.

 

Vorab müsse unbedingt geklärt sein, ob bereits eine Schwangerschaft vorliegt. Zwar gilt es nach aktuellem Kenntnisstand als unwahrscheinlich, dass der Fetus durch die Einnahme von LNS geschädigt wird, falls es doch zu einer Schwangerschaft kommen sollte oder falls es in der Frühschwangerschaft eingenommen wird. Dennoch ist das Risiko der Fetaltoxizität noch nicht abschließend geklärt. Bei schwerer Leberfunktionsstörung sind LNG und UPA kontraindiziert.

 

Die Einnahme eines Notfallkontrazeptivums ist jederzeit während des Zyklus möglich und unabhängig von einer Mahlzeit. Eine mehrfache Anwendung pro Zyklus wird nicht empfohlen. Einzige Ausnahme: Muss die Frau innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme erbrechen, muss sie sofort eine weitere Tablette schlucken.

 

Dick ging auch auf die Diskussion zur Notfallkontrazeption bei übergewichtigen Frauen ein. Nach einer Untersuchung der europäischen Arzneimittelagentur EMA hat ein erhöhtes Körpergewicht keinen Einfluss auf die Wirksamkeit von LNG und UPA. Laut Fachinformation wird LNG nicht für Frauen mit einem Körpergewicht ab 75 kg empfohlen (UPA: Wirkreduktion ab 88 kg KG).

 

Wirkung zeigt sich nicht in Abbruchblutung

 

Hat die Frau ihre reguläre Pille oder die Einnahme an einem oder mehreren Tage zuvor vergessen und Geschlechtsverkehr gehabt, so sollte sie nach Einnahme des Notfallkontrazeptivums ab dem nächsten Tag die reguläre Pille für den Rest des Zyklus wie gewohnt einnehmen. Zusätzlich muss in diesem Zyklus mit einer Barrieremethode verhütet werden. Hat die Frau ihre Pille morgens bereits genommen, an den Tagen zuvor jedoch einen Einnahmefehler gemacht wie Pille vergessen oder nicht in dem vorgesehenen Zeitfenster eingenommen, sollte sie die »Pille danach« dennoch am gleichen Tag einnehmen.

 

Ebenfalls wichtig: LNG und UPA lösen keine Abbruchblutung aus, die die Wirkung anzeigen würde. Falls die Menstruation länger als eine Woche nach dem normalen Termin ausbleibt, sollte die Frau einen Schwangerschaftstest machen und/oder zum Frauenarzt gehen. Dies gilt auch für Frauen, die wegen einer Langzeitkon­trazeption keine Blutung haben.

 

Auch stillende Frauen können Notfallkontrazeptiva anwenden, sollten den Säugling aber vor der Einnahme stillen. Nach LNG ist eine Stillpause von acht Stunden nötig. Da UPA in die Muttermilch übergeht, muss die Frau hier eine Woche mit dem Stillen aus­setzen. /

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