Pharmazeutische Zeitung online

Beruf und Familie

26.10.2010  12:23 Uhr

Aus dem Kreis der Kolleginnen und Kollegen hört man oft, wie schwierig es sei, qualifizierte pharmazeutische Kräfte für die öffentliche Apotheke zu finden. Auch in absehbarer Zukunft werden diese Klagen sicher nicht leiser, im Gegenteil! Mehr als ein Drittel der Apothekenleiter und -leiterinnen erreicht in den nächsten 10 Jahren das Rentenalter, auch wenn dies nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie dann sofort in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig ist aufgrund des demografischen Wandels ein Mehrbedarf an Apothekerinnen und Apothekern zu erwarten.

 

Dabei haben wir neben den 57 500 berufstätigen Apothekerinnen und Apothekern fast 10 000 junge Kolleginnen und Kollegen, die zumindest vorübergehend nicht in ihrem Beruf tätig sind und in den Apotheken fehlen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass mittlerweile 74 Prozent der angehenden Apotheker Frauen sind, die häufig zu Beginn ihrer Berufstätigkeit eine Familienpause einlegen und danach in Teilzeit arbeiten. Auch bei den PTA sieht es nicht anders aus: Hier sind sogar 98 Prozent weiblich und die Hälfte von ihnen ist teilzeitbeschäftigt.

 

Neben verstärkter Nachwuchswerbung für die pharmazeutischen Berufe gilt es auch dafür zu sorgen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in öffentlichen Apotheken weiter zu verbessern und damit junge Apothekerinnen und PTA schnell wieder für die Berufstätigkeit zurückzugewinnen. Immerhin wünschen sich laut einer Umfrage des Allensbach-Institutes drei Viertel der Frauen mit Kindern mehr als die klassische Halbtagsstelle. Genauso viele sind aber auch unzufrieden, weil sich Job und Familie nur schwer unter einen Hut bringen lassen. Dabei ist fast allen Beschäftigten mit Kindern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie genauso wichtig wie das Gehalt und damit entscheidend für die Wahl des Arbeitgebers. Apothekenleiter, die auf individuelle familien­freundliche Regelungen setzen, werden zukünftig beim Thema Personal sicher einen Vorteil haben.

 

Wie sich Familienfreundlichkeit in Apotheken realistisch umsetzen lässt, können Sie in der Broschüre »Familienbewusste Personalpolitik in Apotheken« nachlesen. Die Maßnahmen reichen von Angeboten für einen schnellen und abgestuften Wiedereinstieg nach der Babypause bis hin zur Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Sei es der Kinderbetreuungszuschuss, die Organisation einer Notfallbetreuung oder die Buchung von Belegplätzen in bestehenden Betreuungseinrichtungen – finden Sie in Gesprächen mit Ihrem Team heraus, welche Unterstützung sinnvoll und machbar ist und was Ihre Mitarbeiter im Gegenzug dazu für die Apotheke leisten können. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen, wie man mit wenig Aufwand individuelle familienfreundliche Lösungen finden und damit hoch motivierte Mitarbeiter gewinnen und binden kann!

 

Erika Fink

Präsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK)

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