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Tinea pedis

Nur konsequente Therapie hilft

22.10.2007
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Tinea pedis

Nur konsequente Therapie hilft

Von Peter Andreas Mayser

 

Fußmykosen gehören mit einer Prävalenz von mehr als zehn Prozent zu den häufigsten Pilzerkrankungen in Deutschland. Wie dringend ist die Therapie, welche Topika stehen zur Verfügung, welcher Patient muss zum Arzt?

 

Trotz der weiten Verbreitung sind Fußmykosen immer noch ein Tabuthema mit der Folge, dass viele Fälle unbehandelt bleiben. Der Apotheker ist meist der erste Ansprechpartner und hat daher eine wichtige Aufklärungs- und Beratungsaufgabe. Für die Selbstmedikation gibt es eine Palette an hochwirksamen topischen Antimykotika in verschiedenen Darreichungsformen. Bei der Auswahl des geeigneten Wirkstoffs sind Wirkmechanismus und -spektrum sowie Art und Dauer der Anwendung zu berücksichtigen.

 

Nach Symptomatik und Lokalisation werden drei Formen der Tinea pedis unterschieden:

 

Die interdigitale Form (Tinea pedis interdigitalis) ist mit Abstand die häufigste Form; sie ist vor allem im dritten und vierten Zwischenzehenraum lokalisiert und geht mitunter auf die angrenzenden Zehen, Fußkanten und -ballen über. Symptome sind interdigitale Mazeration, fein- bis groblamelläre Schuppung und oft auch Rhagaden; nicht selten ist diese Mykose mit einem quälenden Juckreiz assoziiert.

Bei der squamös-hyperkeratotischen Form (Tinea pedis plantaris, Mokassin-Typ) ist die Fußsohle befallen; die Infektion greift langsam auf Fußkanten und -rücken, entsprechend der Form eines Mokassin-Schuhs über. Symptome sind trockene, fein- bis groblamelläre Schuppung oft mit Randbetonung, leicht bis mäßig entzündete Haut, im Verlauf Bildung von dicken Hyperkeratosen und schmerzhaften Rhagaden. Die Tinea pedis plantaris verläuft häufig chronisch.

Bei der vesikulös-dyshidrotischen Form kommt es zu einer stark entzündlichen Reaktion, nicht selten sogar schon bei der Erstmanifestation, und einem Befall des Fußgewölbes und der Fußkanten. Die Infektion ist begleitet von einer starken entzündlichen Streureaktion mit Bildung von wasserklaren Bläschen, heftigem Juckreiz und Spannungsgefühl. Oft bildet sich ein sogenanntes Mykid als Ausdruck eines überschießenden infektallergischen Geschehens, beispielsweise als Dyshidrose der Hände.

 

Behandlungsbedürftige Erkrankung

 

Das klinische Bild der häufigsten Fußmykose, der Tinea pedis interdigitalis, ist oft unauffällig und wird daher nicht immer beachtet. Zu Unrecht, denn sie ist nicht selten Ausgangspunkt für schwerwiegendere Infektionen und eine Ausbreitung auf die Zehennägel (Onychomykose) oder andere Körperregionen wie die Leisten (Tinea cruris). Teilweise ist die Haut stark mazeriert und damit eine potenzielle Eintrittspforte für bakterielle Superinfektionen, insbesondere das Erysipel (Wundrose). Studien legen nahe, dass 60 Prozent der Erysipele der unteren Extremitäten durch eine Therapie der Tinea pedis interdigitalis vermeidbar wären (1).

 

Gerade bei Patienten mit Diabetes mellitus kann ein Erysipel zu einer dramatischen Verschlechterung des diabetischen Fußsyndroms beitragen. Andererseits können bei immungeschwächten Patienten, insbesondere bei solchen unter einer immunsuppressiven Langzeittherapie, die sonst eigentlich im Stratum corneum lokalisierten Dermatophyteninfektionen auch tiefere subkutane Bereiche einbeziehen und zu granulomatösen abszedierenden Infektionen führen. Aber auch beim sonst Gesunden sind die Symptome einer Fußmykose oft lästig bis schmerzhaft und ein sichtbarer Pilzbefall ist kosmetisch störend. Eine konsequente Behandlung der Tinea pedis ist daher unbedingt indiziert.

 

Dermatophyten, filamentöse Pilze, die keratinhaltige Gewebe wie Haut, Haare und Nägel infizieren, sind in unseren Breiten die Haupterreger von Fußmykosen. In Studien wurden etwa 98 Prozent der Infektionen durch Trichophyton (T.) rubrum und T. interdigitale/mentagrophytes ausgelöst; selten wurde Epidermophyton floccosum gefunden. Daher wird die Erkrankung häufig als »Tinea pedis« bezeichnet, was für eine durch Dermatophyten hervorgerufene Fußmykose der freien Haut steht. Andere Pilze wie Hefepilze, speziell Candida albicans, oder Schimmelpilze sind im Allgemeinen als Infektionsursache zu vernachlässigen (2).

 

Fußmykosen sind ein wichtiges Thema für die Selbstmedikation in der Apotheke. Da in den meisten Fällen keine vom Arzt gesicherte Diagnose vorliegt, muss der Apotheker herausfinden, ob eine Selbstmedikation möglich ist oder der Patient den Hautarzt konsultieren sollte (siehe Kasten). Bei der oft unkomplizierten Tinea pedis interdigitalis ist in der Regel eine Selbstmedikation möglich.

Grenzen der Selbstmedikation

Eine ärztliche Diagnose mit Labor und Behandlung sollte in jedem Fall empfohlen werden bei (3):

 

ausgedehnten Läsionen und/oder Befall von Nägeln,

(starken) Schmerzen,

häufig rezidivierenden Beschwerden,

stark trockener Schuppung der Haut, besonders an der Fußsohle (Tinea pedis plantaris),

Befall von Fußkante und -gewölbe, auch Zehenkante mit Bläschen (vesikulöse Form),

Verdacht auf andere Dermatosen wie Ichthyosis, Psoriasis, Ekzem, Plantarkeratose oder Verdacht auf Superinfektion mit Bakterien (stark ausgeprägte Symptome),

Patienten mit rezidivierenden Erysipelen, unter Immunsuppressiva sowie HIV-infizierte oder aidskranke Patienten,

Menschen mit Diabetes mellitus, insbesondere bei diabetischem Fußsyndrom,

bei Schwangeren und bei Patienten unter 18 Jahren aufgrund einer eingeschränkten Verfügbarkeit der Präparate.

 

Eine systemische Antimykotikatherapie ist indiziert besonders bei hartnäckigen, großflächigen oder ungünstig lokalisierten Mykosen, zum Beispiel Onychomykosen an mehreren Fußnägeln. Dabei ist zu beachten, dass nicht alle intern anwendbaren Substanzen auch systemisch wirksam werden. So werden Nystatin, Natamycin und Amphotericin zwar oral angewendet, aber nicht resorbiert, sodass sie nur für Mykosen des Gastrointestinaltrakts indiziert sind. Da die systemische Therapie mit unerwünschten Wirkungen einhergehen kann und zudem Wechselwirkungen mit gleichzeitig verabreichten Medikamenten bestehen können, unterliegen alle Präparate der Verschreibungspflicht.

 

Antimykotika in Eigenregie

 

Für die Selbstmedikation stehen mehrere Substanzklassen als Fertigarzneimittel in verschiedenen topischen Darreichungsformen, zum Beispiel als Creme, Gel, Lösung, Nagellack oder Spray, zur Verfügung (11). Die wichtigsten Substanzklassen für die Lokaltherapie zeigt Tabelle 1.

Tabelle 1: Antimykotika zur Lokaltherapie (Rote Liste 2007, Auswahl)

Substanzklasse Arzneistoffe (Beispiele)
Azole Bifonazol, Clotrimazol, Croconazol, Econazol, Fenticonazol, Ketoconazol, Miconazol, Oxiconazol, Sertaconazol, Tioconazol
Allylamine Terbinafin, Naftifin
Hydroxypyridone Ciclopiroxolamin, Ciclopirox
Morpholine Amorolfin

Zentraler Angriffspunkt der Azole, Allylamine und Morpholine ist die Ergosterol-Biosynthese der Pilze, wobei der »Eingriff« auf unterschiedlichem Syntheseniveau erfolgen kann (4). Ergosterol ist ein essenzieller Bestandteil der Zellmembran von Pilzen. Durch Hemmung der Ergosterol-Synthese wird die Membran proliferierender Pilzzellen in ihrer Funktion erheblich gestört. Antimykotika aus der Klasse der Hydroxypyridone setzen außerhalb der Ergosterolsynthese an und können synergistisch zu Ergosterolhemmern wirken. Damit eignen sie sich bei schweren Mykosen gut als Kombinationsanwendung zu anderen Substanzklassen oder zu einer systemischen Therapie bei schwer therapierbaren Fällen.

 

Antimykotika können fungistatisch, fungizid und/oder sporozid wirken.

 

Fungistatische Wirkstoffe unterbinden die Vermehrungsfähigkeit der Pilzerreger und verhindern damit eine weitere Ausbreitung. In der Regel ist eine längere Behandlungszeit von drei bis vier Wochen notwendig, weil erst die stetige Hauterneuerung die Erreger vollständig entfernt. 

Fungizid wirksame Antimykotika töten Pilzzellen direkt ab und ermöglichen damit eine wesentlich kürzere Therapiedauer.

Sporozide Antimykotika bekämpfen auch Pilzsporen, die ruhenden Überdauerungsformen der Erreger.

 

Bei der Auswahl des geeigneten Antimykotikums in der Selbstmedikation sollten mehrere Kriterien beachtet werden (5).

 

Wirkspektrum: Antimykotika mit möglichst breitem Wirkspektrum gegen die relevanten Erreger sind zu bevorzugen.

Wirkstärke: Der MHK-Wert (minimale fungistatische Hemmkonzentration) ist das Maß für die Wirkstärke einer antimikrobiellen Verbindung. Bei der topischen Therapie von Mykosen werden in der Regel auch mit schwächeren Wirkstoffen, zum Beispiel Clotrimazol, problemlos Wirkspiegel am Infektionsort erreicht, die wesentlich über der Empfindlichkeitsgrenze der Erreger liegen. Für die fungizide Wirksamkeit gilt der MFK-Wert (minimale fungizide Hemmkonzentration). Weitere Einflusskriterien auf die Wirkstärke sind eine gute Penetration in die Haut und eine ausreichende Verweildauer.

Nebenwirkungen: Bei der topischen Applikation sind unerwünschte Effekte generell selten, schwere Nebenwirkungen treten eigentlich nur bei der systemischen Therapie auf. Gelegentlich kommt es zu milden, meist vorübergehenden Reizerscheinungen (Hautbrennen, Rötung, lokale Erytheme, Juckreiz, Austrocknung oder Schuppung der Haut) oder allergischen Reaktionen. Auch Hilfsstoffe, zum Beispiel Konservierungsmittel, können Allergien auslösen. Oft hilft daher schon ein Wechsel der Arzneiform.

Wechselwirkungen: Bei topischer Anwendung sind aufgrund der geringen Resorption, anders als bei systemischer Applikation, keine therapeutisch relevanten Wechselwirkungen zu erwarten.

Problempatienten: Besondere Sorgfalt ist bei der Selbstmedikation für Schwangere, Stillende, Säuglinge und Kleinkinder angebracht, da hier Zulassungsbeschränkungen für Präparate bestehen können. Daher sollte bei diesen Patientengruppen die Diagnose vor einer Therapie durch einen Hautarzt gesichert werden.

 

Azole

 

Azole sind die größte und älteste Gruppe der Antimykotika; man unterscheidet Imidazole und Triazole (Tabellen 1 und 2). Nur die Imidazole (bis auf Ketoconazol) werden topisch angewandt, während die Triazole (Beispiele: Fluconazol, Itraconazol, Voriconazol) systemisch eingesetzt werden.

Tabelle 2: Antimykotika zur topischen Terapie bei Tinea pedis interdigitalis (Auswahl)

Charakteristika Allylamine Azole I Azole II Hydroxypyridone Morpholine
Wirkstoff; Darreichungsform Terbinafin; Creme, Gel, Spray, Lösung Bifonazol; Creme, Gel, Spray Clotrimazol; Creme, Lösung, Spray Ciclopirox; Creme, Lösung, Puder Amorolfin; Creme
Wirkmechanismus Ergosterolbiosynthese: Inaktivierung der Squalenepoxidase Ergosterolbiosynthese: Lanosterol-14-Demethylase und HMG-CoA-Reduktase Ergosterolbiosynthese: Lanosterol-14-Demethylase diverse, u.a. Chelatbildung und Zytotoxizität durch Wasserstoffsuperoxid-Induktion in Pilzzellen Ergosterolbiosynthese: Inaktivierung von Δ14-Reduktase und Δ7-8-Isomerase
Wirktyp fungizid bei Dermatophyten und Schimmelpilzen; fungizid bis fungistatisch bei Hefen; sporozid (in höheren Konzentrationen) bei Dermatophyten primär fungizid, bei Hefen und Schimmelpilzen primär fungistatisch primär fungistatisch bei Dermatophyten, Schimmelpilzen und Hefen fungizid, sporozid bei Dermatophyten, Schimmelpilzen und Hefen fungistatisch bis fungizid bei Dermatophyten, Schimmelpilzen und Hefen
Anwendungsdauer 1 x täglich, 7 Tage; Einmalanwendung 1 x täglich, 3 Wochen 1 bis 3 x täglich, 3 bis 4 Wochen 1 bis 2 x täglich, bis 1 bis 2 Wochen nach Abklingen der Hauterscheinungen (gesamt etwa 3 bis 4 Wochen) 1 x täglich, mindestens 2 Wochen
Anwendungs-
einschränkungen
Schwangere (relative KI), Stillende,
Creme: Kinder unter 5 Jahren,
Gel, Spray: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
Schwangere (relative KI) 1. Trimenon der Schwangerschaft Stillende, Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere (relative KI) Kinder unter 14 Jahren, Schwangere, Stillende
Wechselwirkungen keine bekannt keine bekannt Amphotericin B und andere Polyene keine bekannt keine bekannt

Imidazole sind klassische Breitbandantimykotika mit einer primär fungistatischen Wirkung gegen Dermatophyten, Hefen und etwas geringer auch gegen Schimmelpilze. Pilzsporen sind nur wenig empfindlich. Zudem zeigen Azole auch eine antibakterielle Wirksamkeit gegen grampositive Bakterien und Trichomonaden (5). Das Wirkprinzip der verschiedenen Substanzen aus der Imidazol-Klasse ist bis auf Bifonazol identisch, sodass exemplarisch aus der breiten Palette der Azole nur Clotrimazol und Bifonazol vorgestellt werden.

 

Angriffspunkt für Clotrimazol (Beispiel: Canesten®) ist die Lanosterol-14-Demethylase. Clotrimazol wirkt primär fungistatisch und muss daher für eine zuverlässige Sanierung einer Dermatophyteninfektion am Fuß je nach Darreichungsform ein- bis mehrmals täglich über drei bis vier Wochen angewendet werden. Die lokale Verträglichkeit ist sehr gut und auch der Einsatz bei Kindern unbedenklich. Für eine Therapie in Schwangerschaft und Stillzeit wird es als Mittel der Wahl empfohlen (6). Interaktionen bestehen mit Amphotericin B und anderen Polyenen. Ein synergistischer Effekt in einer Kombitherapie wird nur bei systemischen Präparaten mit einem azoldifferenten Wirkmechanismus (Griseofulvin, Terbinafin) erreicht.

 

Bifonazol (Beispiel: Mycospor®) ist eine Weiterentwicklung von Clotrimazol und hemmt im Gegensatz zu anderen Imidazol-Derivaten zusätzlich direkt die HMG-CoA-Reduktase der Pilze. Damit setzt es an zwei Stellen in der Ergosterol-Biosynthese ein und ist als einziges Azol in höheren Konzentrationen gegen Dermatophyten (T. rubrum, T. mentagrophytes) auch fungizid wirksam. Gegen Hefen und Schimmelpilze wirkt es primär fungistatisch (5). Es penetriert gut in die Haut und wird dort nur langsam abgebaut. Die Präparate müssen daher bei Tinea pedis nur einmal täglich aufgetragen werden, allerdings ebenfalls über insgesamt drei Wochen. Synergistische Wirkungseffekte werden mit Griseofulvin und Terbinafin, nicht jedoch mit Fluconazol und Itraconazol erzielt.

 

Azolderivate können wegen zu hoher systemischer Toxizität oder schlechter oraler Bioverfügbarkeit nur lokal eingesetzt werden. Ausnahme sind die für diese Indikation (Onychomykose und ausgedehnte Tinea der freien Haut) zugelassenen verschreibungspflichtigen Substanzen Flu\-conazol und Itraconazol. Miconazol und Ketoconazol sind in Deutschland für die systemische Therapie nicht mehr verfügbar. In der lokalen Therapie sind sie aber bei hoher Heilungsrate und geringer systemischer Resorption sehr gut verträglich.

 

Allylamine

 

Allylamine greifen in einem sehr frühen Stadium der Ergosterol-Synthese an (Grafik). Durch Inaktivierung des Enzyms Squalenepoxidase kommt es in der Pilzzelle neben der Hemmung der Ergosterolbildung zur Anreicherung von toxisch wirkendem Squalen und damit zu einer Schädigung der Zellmembran der Pilze (Fungizidie).

 

Terbinafin (Beispiel Lamisil®) ist der bekannteste Vertreter der Allylamine, einer relativ neuen Gruppe von Antimykotika. Die Substanz ist ebenfalls ein Breitbandantimykotikum.

 

Terbinafin wirkt schon in geringen Konzentrationen fungizid gegen die meisten Dermatophyten und Schimmelpilze. Bei topischer Anwendung wirkt es gegenüber Hefen je nach Spezies fungizid oder fungistatisch. Daneben wirkt die Substanz bakteriostatisch bis bakterizid auf grampositive und gramnegative Bakterien. In höheren Konzentrationen wirkt Terbinafin sporozid (7). Das legt die Vermutung nahe, dass die Substanz in höheren Konzentrationen einen weiteren raschen Wirkmechanismus besitzt. Neben dem durch die Hemmung des Enzyms Squalenepoxidase eintretenden Ergosterolmangel kommt es zu einer Anreicherung des Substrats Squalen, das vermutlich toxisch auf die Zelle wirkt.

 

Gegen die für Fußmykosen in erster Linie verantwortlichen Dermatophyten ist Terbinafin derzeit das potenteste topische Antimykotikum (8). Da der Wirkstoff sehr lipophil ist, penetriert er gut ins Stratum corneum und reichert sich dort aufgrund seiner starken Keratinbindung an (Depotwirkung) (9). Dies ermöglicht eine kurze Therapiedauer, zum Beispiel einmal täglich über sieben Tage bei Tinea pedis interdigitalis. Seit Oktober 2006 ist ein Produkt zur erstmaligen Einmalanwendung zugelassen. Hier ermöglicht eine neuartige Galenik einen verbesserten Wirkstofftransport in die Haut. Klinische Studien zeigen, dass die Einmalanwendung bei Tinea pedis vergleichbar gut wirksam ist wie alle anderen topischen Terbinafin-Darreichungsformen, die ihre tendenzielle Überlegenheit gegenüber anderen topischen Antimykotika bereits unter Beweis gestellt haben (10).

 

Topisches Terbinafin sollte bei Schwangeren nur mit Vorsicht und nicht bei Stillenden und Kindern unter fünf Jahren (Creme) beziehungsweise 18 Jahren (Gel, Spray, Lösung zur Einmalanwendung) eingesetzt werden.

 

Terbinafin kann als einziges Allylamin auch systemisch eingesetzt werden. Hier ist es einer der Wirkstoffe der Wahl bei der rezeptpflichtigen peroralen Behandlung hartnäckiger Haut- und Nagelmykosen, die mit einer Lokaltherapie nicht erfolgreich behandelt werden können.

 

Morpholine

 

Morpholine hemmen die Ergosterolbiosynthese auf einer späten Stufe (Δ14-Reduktase und Δ7-8-Isomerase) und sind besonders gut gegen Dermatophyten wirksam. Amorolfin, ein neueres Antimykotikum, ist besonders gut gegen Dermatophyten wirksam (Beispiel Loceryl®). Das Wirkprinzip ist fungistatisch, in höheren Konzentrationen teilweise auch fungizid. Aufgrund des differierenden Angriffspunkts in der Ergosterolsynthese lassen sich Morpholine gut mit topischen oder systemischen Antimykotika anderer Klassen kombinieren. Ideales Einsatzgebiet sind in erster Linie Onychomykosen (als Lackformulierung).

 

Kinder sind aufgrund mangelnder klinischer Erfahrung von einer Behandlung mit Amorolfin auszuschließen. Eine ärztliche Abwägung ist aus diesem Grund auch bei schwangeren und stillenden Frauen vorzunehmen.

 

Hydroxypyridone

 

Hydroxypyridone wie Ciclopiroxolamin und Ciclopirox (Beispiel Batrafen®) haben einen anderen Wirkmechanismus als die bereits genannten Antimykotika und sind daher auch in der synergistischen Kombinationsbehandlung schwer therapierbarer Fälle sinnvoll einsetzbar. Die Substanzen haben ein breites Wirkspektrum mit fungizider und zusätzlicher sporozider Wirksamkeit, das auch Azol-resistente Dermatophyten- und Candida-Spezies erfasst und ideal bei stark sporenbildenden Erregern ist. Darüber hinaus wirken die Substanzen auch antibakteriell gegen grampositive und gramnegative Keime.

 

Ciclopiroxolamin ist Bestandteil von verschreibungspflichtigen Cremes, Pudern oder Lösungen (Anwendung: ein- bis zweimal täglich, bis eine bis zwei Wochen nach Abklingen der Beschwerden). Hydroxypyridone sollten in der Schwangerschaft nur nach strenger Indikationsstellung eingesetzt werden. Für Neugeborene und Kinder sind sie nicht zugelassen

 

Alternative Behandlungsmethoden, zum Beispiel mit Farbstoffen wie Kristallviolett, wirken unspezifisch und sind vor allem wegen einer negativen Nutzen-Risiko-Bewertung in der Primärtherapie obsolet. Ätherische Öle wie Teebaumöl haben keine in evidenzbasierten Studien nachgewiesene Wirksamkeit in der antimykotischen Therapie; damit gibt es keine rationale Basis für einen Einsatz.

 

Die Compliance entscheidet

 

Für einen optimalen Therapieerfolg bei Tinea pedis ist es wichtig, die topischen Antimykotika richtig und vor allem konsequent anzuwenden. Jedoch ist die Compliance hier ein bedeutendes Problem. Viele Antimykotika müssen über mehrere Wochen aufgetragen werden, auch wenn die subjektiv empfundenen Symptome bereits abgeklungen sind. Viele Patienten brechen die Therapie dann vorzeitig ab.

 

Die durchschnittliche tatsächlich eingehaltene Behandlungsdauer bei einer Tinea pedis in der Selbstmedikation beträgt 7,3 Tage (12) - zu kurz für die meisten Antimykotika. Dadurch werden nicht nur die Heilungschancen vermindert, sondern auch die Gefahr einer Ausbreitung und das Rezidivrisiko nehmen zu. Günstig für die Compliance sind möglichst effiziente Antimykotika mit wenigen Anwendungen pro Tag und einer kurzen Behandlungsdauer, die möglichst nicht über den Zeitraum der klinischen Symptomatik hinausgeht. In dieser Hinsicht ist die Einmalanwendung vielversprechend, da sie zur Förderung der Compliance beiträgt.

Hinweise für den Patienten

Fast alle Antimykotika sind ohne Unterbrechung ein- oder zweimal täglich aufzutragen. Nach der klinischen Heilung muss man die Behandlung bei primär fungistatisch wirksamen Antimykotika noch zwei bis drei Wochen konsequent weiterführen (Gefahr von Rezidiven).

Mindestens zwei bis drei Zentimeter der klinisch gesunden Haut rund um den Mykoseherd sind in die Lokalbehandlung einzubeziehen, da sich auch hier lebende Pilzelemente befinden.

Idealerweise sollten beide Füße behandelt werden, um eine vollständige Pilzbekämpfung sicherzustellen (Rezidivprophylaxe).

Pilzerreger können sich bereits auf anderen Hautpartien befinden, auch wenn keine sichtbaren Anzeichen vorhanden sind.

Beim ersten Wiederauftreten typischer Symptome sofort eine als wirksam bekannte Zubereitung auftragen, um ein Rezidiv möglichst zu verhindern.

Jede Mykosebehandlung sollte durch wirksame Desinfektion der Kleidung, zum Beispiel von Schuhen und Strümpfen, ergänzt werden.

 

Neben den Hinweisen zur konsequenten Anwendung der Antimykotika sollte der Apotheker mit den Patienten auch über Verhaltensmaßnahmen sprechen, denn nur dann ist eine Behandlung langfristig erfolgreich (siehe Kasten). Hier besteht dringender Beratungsbedarf; die Betroffenen sind eingehend über diese Grundregeln aufzuklären und zur Mitarbeit zu motivieren.

Literatur

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Schäfer, C., et al., Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit. 7. Aufl., Urban und Fischer 2006.

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Korting, H. C., Kiencke, P., Rychlik, R., Terbinafine for the topical treatment of tinea pedis: Meta-analysis of published RCT: efficacy and safety. AJCD 2007 in press.

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Der Autor

Peter Mayser studierte Medizin an der Justus-Liebig-Universität (JLU) in Gießen. Nach seiner Promotion 1988 habilitierte er sich 1999. Der Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit den Zusatzbezeichnungen Allergologie, Umweltmedizin, Dermatohistologie und Andrologie wurde 1995 zum Leitenden Oberarzt sowie 2001 zum Leiter der Poliklinik des Zentrums für Dermatologie und Andrologie der JLU ernannt. Mayser war von 2002 bis 2005 Mitglied im Vorstand der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft, deren Forschungsförderpreis er 2003 erhielt. Seit 2004 ist er stellvertretender Herausgeber der Zeitschrift »Mycoses« (Gebiet Dermatomykosen). Ebenfalls 2004 wurde er zum außerplanmäßigen Professor am Fachbereich Humanmedizin der Universität Gießen ernannt. Seit April 2005 leitet Professor Mayser das Zentrum für Dermatologie und Andrologie der JLU kommissarisch. Seine Hauptarbeitsgebiete sind erregerbedingte Erkrankungen der Haut- und Schleimhäute.

 

Professor Dr. med. Peter Andreas Mayser

Zentrum für Dermatologie des Klinikums Gießen/Marburg

Gaffkystraße 14

35385 Gießen

peter.mayser(at)derma.med.uni-giessen.de

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